karpfen.04

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Im Märzen der Andi

Los ging es bereits am Donnerstag Vormittag. Ziel war für Kai, Daniel, Andi und mich der Twente-Kanal. Zusammen wollten wir auf meine absolute Lieblingsstelle gegenüber Akzo übersetzen und gemeinsam Karpfenfischen.

Wir fuhren vollgepackt mit 2 Autos los und erreichten nach knapp 2 Stunden den Kanal. Zum Ausladen parkten wir auf dem Werksgelände, fuhren die Autos anschließend in die Siedlung und beluden die Boote zum Übersetzen. Einen Teil der Ausrüstung puckelten wir über Stock & Stein zu unseren Plätzen.

Vorerst nahm alles friedlich und ohne besondere Vorkommnisse seinen Lauf. Wir bauten unsere Bivys in folgender Reihenfolge auf: Kaichen saß am Ende, mußte folglich nicht so weit schleppen, danach kam Daniel, Andi und am Eingang Ölhafen hatte ich mein Lager aufgeschlagen.

Andi saß direkt neben mir und wir beratschlagten, welche Taktik wohl die erfolgsversprechendste ist. Die erste Nacht verstrich und es passierte nichts erwähnenswertes. Keiner von uns 4 hatte einen einzigen Piep. Nun gut, nichts ungewöhnliches für den Twente in the Mix!

Während des Vormittags fingen wir vereinzelt Fische, doch so recht zufrieden war ich mit dem bisherigen Ergebnis nicht. Es ist am Twente ja nichts Neues, daß nächtelang absolut gar nichts geht und wie auf Kommando, als ob die Fische sich absprechen, pfeifen die Ruten auf einmal überall ab. Andi hatte bis dato noch überhaupt keine Aktion, machte sich aber nicht allzuviel Sorgen, da alle anderen ja auch nur sehr spärlich fingen. Alles Grübeln und Probieren brachte nicht den gewünschten Durchbruch. Gegen Mitternacht steuerte noch ein Schiff die Verladestelle an und so

war ich restlos bedient, da 2 Ruten am gegenüberliegenden Ufer kompromißlos vom Schiff mitgerissen wurden. Patsch, Abriß und mitten in der Nacht alles neu montieren und rausfahren. Der Twente gibt, der Twente nimmt...und meine Laune näherte sich dem Höhepunkt. Zufälligerweise war ich nicht der einzige, der Nachtschicht einlegen mußte, denn meine Kollegen waren ebenfalls in der Tiefschlafphase und wurden mit einer mitternächtlichen Bastelstunde ebenso bestraft.

So bastelten wir alle an unseren Rigs und beim Rausfahren legte ich, warum auch immer, ganz woanders ab. Irgendwie ohne richtiges Vertrauen legte ich den Boilie in 50 cm Wassertiefe ab.

So langsam wurde es hell und mittlerweile Samstagmorgen, als die Niedrigwasserrute mich mit Dauerton aus dem Schlaf riß. Erstaunt nahm ich die Rute vom Pod und fing einen schönen Twente Schuppi. Sofort ruderte ich die Rute neu bestückt in die Flachwasserzone, wollte gerade Wasser für den obligatorischen After Catch Cappuccino aufsetzen, da meldete sich der nächste Dauerton an der gerade frisch abgelegten Rute.

So ging das bis 12 Uhr mittags, das ich nicht zur Ruhe kam. Teilweise gerade am Ufer angekommen, straffte die Schnur, klinkte den Swinger ein und zwischen Daumen und Zeigefinger rannte die Schnur von der Bremse. Unglaublich!!! Kai und Daniel fingen mittlerweile auch recht ordentlich und so war Andi einzig und allein unser Sorgenkind, der ab Samstagmorgen alles ummontierte, nach allen Regeln der Kunst bastelte und experimentierte,  doch Erfolg stellte sich nicht ein.

Zum ersten mal fing ich die von mir heiß und innig geliebten Spiegler am Twente in allen Variationen.

Es waren traumhaft schöne Fische darunter. Schuppenmuster wie wir sie noch nie vorher gesehen haben. Immer träumte ich vor Abfahrt zum Twente von diesen Fischen, konnte sie bislang aber nur sehr spärlich  überlisten, da bekanntlich Schuppis am Twente einfach zahlreicher vorhanden sind.

Bei Andi, der direkt neben mir saß, passierte einfach nichts. Er ließ sich ein von mir gebundenes Rig montieren und verwendete mittlerweile meine Special Boilies, doch irgendwer meinte es nicht gut mit ihm. So verkroch er sich in sein Zelt und konnte das ganze Dauergepiepe nebenan nicht mehr wirklich ertragen. Verständlich, doch was sollten wir machen? Alle fingen, nur einer nicht, that`s carping.

Andi brummelte noch was von “Ulli fischt im Wohnzimmer” und ward erstmal nicht mehr gesehen. Gegen Nachmittag wurde es etwas erholsamer und es piepte “nur” noch stündlich.

Die Nacht über biß es regelmäßig an drei Plätzen und wir konnten noch einige schöne Fische fangen. Andi`s Laune hellte sich am Sonntagmorgen etwas auf, als er freudestrahlend aus seinem Bivy zum Rod Pod lief,

um mit seinem ersten Dauerton Kontakt aufzunehmen. Alle drei standen wir um ihn herum und hofften, daß der Fisch auf jeden Fall im Kescher landet. Nach kurzem, heftigem Drill wurde ein schöner Schuppi sicher gekeschert. Andi befreite den Fisch vom Haken, nahm ihn beidhändig und beugte sich vor, um den Fisch zurückzusetzen....leider zu weit vor, so daß ihm sein gerade erst für viele DM`s gekauftes nagelneues Nokia Telefon aus der Brusttasche glatt in den Twente fiel?!

Und wieder einmal erinnerten Kai und ich uns an unser Motto:

Der Twente gibt, der Twente nimmt!!

Trotz sofortigen Ausziehens und mit den nackten Füßen den Boden abtastens, konnte das Handy nicht wieder aufgespürt werden. So nah liegen Freud und Leid zusammen. Gerade noch die Freude über den 1. Fisch am Wochenende, folgt die grausame Realität mit dem Verlust eines sehr sehr teuren Handy`s.

Und als hätte Kai eine weise Vorausahnung auf die Dinge, die da noch kommen sollten, schlug er die Hände vor`s Gesicht ... owei....owei....owei....

Irgendwie war die Luft dann auch raus und wir beschlossen einzupacken und rödelten ab. Ich packte das Gelumpe in das Boot und ruderte zur Kaimauer. Kaichen wartete schon.

Er beugte sich über das Wasser, um mir beim Ausladen zu helfen und irgendwie hatten wir den Eindruck, das sich Kaichen`s Autoschlüssel beim Vorbeugen aus seiner Brusttasche Richtung Kanalgrund verabschiedet hatte. Wir konnten es nicht fassen, das uns ein solcher Fauxpas binnen 3 Stunden 2 mal ereignete. Wie konnte das passieren, standen wir ratlos frangend am Ufer des Twente.

War es wieder einmal dieser verflixte Twente, der Kai erst gab um anschliessend zu nehmen??? Wie die Trottel standen wir am Ufer und fragten uns, wie wir denn nun die Heimfahrt antreten sollten. Im Mute der Verzweiflung kam Kai der Geistesblitz, den guten Bass aus der Orbit-Sound-Ablage meines Autos als Magnetgreifer zu mißbrauchen. Wir einigten uns schnell und ich stellte die Box zur Verfügung. Nun war es Kai, der im Wasser stehend den Grund mit der Box an einer Schnur absuchte.

Tatsächlich klebte der Schlüssel nach 3 Versuchen an der Box und Kai triumphierte. Donnerwetter, damit hatte wohl keiner so schnell gerechnet! Schnell packten wir alles in die Autos und traten den Heimweg an. Alles? Nein, leider liessen wir meine Karpfensackstange allein am Kanal zurück.

Nicht weiter schlimm, wäre es nicht eine von mir sehr aufwendige in der Spätschicht selbst gedrehte super Edelstahlstange gewesen an der ich sehr hänge.

Glücklicherweise lag sie eine Woche später noch am Ufer und ich hatte sie wieder. Der Twente nimmt...

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