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Wieso, weshalb, warum?

An einem extrem schweren See, möchte ich erlebte Erfahrungen vorstellen, an dem für mich alles, was ich über Karpfen zu wissen geglaubt habe, immer wieder aufs Neue in Frage gestellt wird.

Als Einstieg, hier kurz die Gegebenheiten: Das Gewässer ist ca. 110 Hektar groß und in drei Seeteile aufgeteilt, die alle miteinander verbunden sind. Der Altteich, der 40 Hektar einnimmt, ist als absolutes Naturschutzgebiet eingestuft und komplett gesperrt. Mittlerweile ist er zugewachsen und unzugänglich.

In diesem Unterwasserurwald fühlen sich die Karpfen vor allen Gefahren sicher und man kann sie sogar tagsüber in den flachen Bereichen springen sehen. Außer den Karpfen, leben hier und in dem Rest des Gewässers rund 1500 Wildgänse und viele seltene Vögel, wie etwa Eisvögel und leider auch viele Kormorane.

Dieser ursprüngliche Teil, ist mit dem touristisch genutzten Seeteil, der ungefähr 30 Hektar groß ist, durch einen 15 Meter breiten und sehr flachen Durchstich verbunden.

An diesem Seeteil gibt es einen Campingplatz, eine Badanstalt mit Schwimminsel, einen Tretbootverleih und eine kleine Segelschule. Wenn man dort fischen möchte, braucht man eine Sonderlizenz vom Campingplatzbetreiber und darf von Sonnenaufgang bis Untergang fischen. Aber bei dem Betrieb und den Einschränkungen, ist das dort nicht jedermanns Sache, so dass dort recht wenig gefischt wird.

Nun kommt der Seeteil, der mir am interessantesten erscheint. Er ist vom Verein gekauft und ca. 40 Hektar groß. Verbunden ist er mit den anderen beiden Seeteilen durch einen Durchlass und einer Brücke. Segelboote dürfen nur bis zur Mitte dieses Seedeltas bis zu einer Bojenkette fahren.

Hier darf man in zwei Kategorien aufgeteilt, entweder mit Schirm oder festem Zelt auch über Nacht fischen. Das Benutzen von Schlauchbooten  und das Baden sind streng verboten. Aber da in den vergangenen Jahrzehnten fast nur auf den in der Region überaus geschätzten Zander geangelt wird, sind Modellköderboote zum Rausschleppen der Montagen und tote Köderfische am See erlaubt.

In diesem Teil gibt es, wie oben angeführt, einen schmalen Durchbruch der Seeteile, der jahreszeitlich sehr produktiv ist. Dort stehen 2 Bojen und die Ufer sind mit überhängenden Ästen vermint.

Die Karpfenangler die dort fischen, können nur jeden dritten gehakten Fisch landen. Da ich nicht für Fische mit Haken und Vorfächern im Maul wissentlich verantwortlich sein möchte, kommt diese Stelle für mich, trotz Fischaktivität nicht in Frage. Von diesen Anglern bekam ich aber immer wieder zu hören, dass es doch einfach ist, Fische zu haken... Was nützt haken bei sehr hohen Verlusten? So, genug mit den nicht ganz einfachen Vorschriften und Einschränkungen.

Als Start bin ich mehrere Male komplett um die zugänglichen Teile des Sees gelaufen, um Angelstellen anzuschauen und um Anzeichen von Fischaktivitäten zu beobachten.

Anschließend fuhr ich mit meinem neu angeschafften Echolotköderboot die interessant erscheinenden Stellen (vor allem die mit tausenden Muschelschalen am Ufer) in Linienform systematisch ab und versuchte die Struktur des Seeprofils herauszufinden.

Leider Fehlanzeige. Der Seegrund geht andauernd hoch und runter. Eine Tiefe von 4,5 Meter vom Seeufer an, dann eine Rinne von 6 Metern, dann runter auf 8 Meter und wieder rauf auf 4 Meter. So geht es bis auf wenige Plateaus im ganzen See hin und her. Das erste Jahr 2005

Den ersten Versuch machte ich an einer Kante, an der die Tiefe von 4 auf 6 Meter abfiel und danach wieder auf 3 Meter hochging. Aus eigener Fertigung fütterte ich eine Woche mit jeweils 3 Kg 20 mm Boilies an. Als Mix verwendete ich den Smoky Salmon von Succesfull Baits. Es begann meine erste Dreitage Session. Nachdem alles aufgebaut war und die Ruten mit dem Köderboot mit jeweils 500 Gramm Carp Ring Pellets in 20 mm und 500 Gramm Boilies pro Fahrt in und an der Rinne plaziert waren, begann das Warten. Nach nicht ganz 30 Minuten, ein leichter Abzug und die erste Megabrasse lag verwirrt vor mir. Sie wog 8 Pfund und ich war erst mal sprachlos. Es folgten Ihr bei jeder neuen Ausfahrt Exemplare bis 10 Pfund.

Da ich oft mit Brassen in der Weser Bekanntschaft gemacht hatte, dachte ich am Anfang noch, dass die Karpfen irgendwann kommen und die Brassen vertreiben. Aber an diesem Gewässer weit gefehlt. Wenn ein Schwarm Brassen über das Futter herfiel, blieb nicht ein Köderkrumen liegen.

Die Brassen buckelten ungefähr 15 Minuten an der Oberfläche über dem Futterplatz und dann waren sie weg. Wenn kein Abzug erfolgte, lagen nur noch die drei Hakenköder und vereinzelte Boilies auf dem Platz.

Also was tun? Neues Futter mit dem Boot fahren oder die Pellets weglassen und nur Boilies füttern, oder was? Ich versuchte in den nächsten Sitzungen nur Boilies zu füttern, die ich im Durchmesser auf 26 mm erhöhte und durch längeres Trocknen steinhart werden ließ.

Daraufhin wurde es mit den Brassen etwas besser. Nur noch im Durchschnitt 2-3 am Tag (meistens mitten in der Nacht). Also Stellungswechsel zu einer interessant erscheinenden Uferkante. Auch dort nur Aktionen der lippischen Lachse und so ging die Suche immer weiter, ohne auch nur einen Karpfen gesehen zu haben.

Nach all den Fehlschlägen versuchte ich dann, die Stelle am See, zu der man am weitesten laufen muss. 2 Kilometer mit dem Trolley und das ganze zweimal bis alles am Platz war. Aber dafür befand sich in 140 Meter Entfernung ein 60 Meter breiter, sichelförmiger Plateaustreifen, der von 4,5 Meter auf 1,4 Meter hochgeht und dann wie an einer Mauer auf 6 Meter abfällt.

An den anderen Kanten fällt das Plateau ebenfalls langsam auf 6 Meter ab. Ich hatte eine Woche Zeit und der Wettergott hatte windiges Wetter mit Regen angesagt. Voller Hoffnung plazierte ich die 3 Ruten auf dem Plateau zwischen 1,4 und 3 Meter Tiefe und fütterte weiter Boilies und am Anfang wieder Pellets an.

Das Ergebnis der ersten 3 Nächte waren wieder Brassen. Es musste sich etwas ändern. Ich legte 2 Ruten in 6 Meter Tiefe an die äußeren Kanten und nach etlichen erfolglosen Nächten, um 3 Uhr Nachts ein Dauerton.

Nach hartem Kampf lag der erste Karpfen an diesem See vor mir und gleich ein großer Spiegelkarpfen. War das der Durchbruch?

Das Wetter driftete nun auf Dauerregen und Sturm ab. In der nächsten Nacht, wieder zur gleichen Zeit, ein weiterer Abzug, diesmal auf der linken Plateauseite. Die Rute verneigte sich ordentlich und bald gab mein Gegenüber auf. Wieder ein Kracher und ich war  euphorisch, nach so langer Blankzeit. Ich hoffte nun, dass in der Zukunft alles besser würde.
Aber leider wechselte das Herbstwetter auf Sonnenschein und Dauerhoch und die Sitzungen bis Saisonende brachten keine weitere Karpfen

Das zweite Jahr 2006

Also, alles auf ein Neues und ich startete meine 2. Saisonvorbereitung wie jedes Jahr im Februar mit dem Abrollen der Mixe. Dieses Jahr wollte ich Birdfood Mix von Christian testen und rollte erstmal 40 kg auf Vorrat.

Im Frühjahr wollte ich versuchen, die Fische die aus dem Altteil in die beiden anderen Teile ziehen auf ihrer Strecke abzufangen. Dazu fütterte ich eine breite Strasse in 30-50 Meter Entfernung in dem Delta, in dem alle Rinnen aufeinander treffen.

Doch der Erfolg blieb wieder trotz vieler Nächte aus. Die Karpfen wollten, obwohl man sie unter der Brücke und dem Futterplatz herziehen sah, keine Nahrung aufnehmen. Mitte Mai, konnte ich an der breitesten Stelle des Sees, in 400 Meter Entfernung, die Karpfen vor dem gesperrten Schilfgürtel beobachten.

Also sag noch jemand, Karpfen seien dumm oder nicht lernfähig.

Ich zog den Fischen hinterher und versuchte mit dem Köderboot an einer 250 Meter breiten Stelle rechts vom Uferschilf die Ruten auf dem anderen Ufer abzulegen, was mit meinem Köderboot und 200 Gramm Bleien und Strammziehen des Schnurbogens auch gelang. Nach 15 erfolglosen Nächten dann ein Lauf auf der linken Uferrute.

Wieder liess sich ein alter Spiegelkarpfen zum Landgang bewegen und ich hatte nun drei Karpfen auf dem Konto. Bei diesem Stand blieb es auch erst mal und alle weiteren Versuche waren erfolglos.

Im August meldete Kachelmann eine Schlechtwetterfront an und es war Zeit, an die Stelle mit dem Marathonmarsch zu wechseln.

Nachdem ich mit dem Trolley alles für 7 Nächte an Platz gehievt hatte, begann es zu regen und zu stürmen. Und das blieb auch die gesamte Sitzung so. Die Ruten fuhr ich mit mächtig Schlagseite des Köderbootes raus und als ich das Bivi abspannen wollte, gab der Bissanzeiger einen Piep ab.

Na ja, das wird der Wind sein. Nach 30 Minuten fiel der Swinger runter und ich schlug an. Leider nur kurz Kontakt und ich dachte mir nichts dabei. In der Nacht wieder das gleiche. Am Morgen grübelte ich über die Fehlbisse. Hatte das mit Fischaktivitäten am Futterplatz zu tun oder hatte ich die falsche Montage? Ich ersetzte die 112 Gramm Inliner Bleie durch 170 Gramm Bleie mit Clip und hoffte, durch mehr Gewicht und andere Präsentation auf Besserung.

In der nächsten Nacht dann ein Sturm mit Weltuntergangsstimmung und mitten im größten Gedonner ein Abzug. Ich sprintete aus dem Schlafsack zur Rute und war bald bis auf die Knochen nass. Es folgte einer der spektakulärsten Drille in meiner 16 jährigen Karpfensucht mit etlichen Blitzen, die die Nacht taghell erleuchteten und monsumartigem Niederschlag und einem wie der Teufel kämpfenden Karpfen.

Dieser stellte sich dann als der größte bisher heraus und ich war „Over the Moon“, wie die Engländer sagen. In der Session folgte noch ein Karpfen und in einer kalten Oktobernacht noch ein weiterer, so dass sich die Bilanz auf ganze sechs Karpfen summierte. Diese aber hatten eine Durchschnittsgewicht von weit über 30 Pfund!

Das dritte Jahr 2007

Nun befinde ich mich im dritten Jahr und wir haben Oktober und die Lage hat sich drastisch verschlechtert. Aufgrund des nicht vorhanden Winters und des extrem warmen Aprils hat der See nun bis 3 Meter Wassertiefe und an den bisher interessanten Stellen Kraut - und zwar von der übelsten Sorte.

Das Plateau, sowie die weit entfernte Stelle sind komplett verkrautet und zwar so, wie ich es nur vom Lac de Amance aus Frankreich kenne.

Nach langer Suche fand ich doch eine Stelle in der Nähe eines ehemaligen Hot Spots. Ein langgezogenes Sichelplateau in 120 Meter Entfernung, wo es von 7 Metern bis auf 3,5 Meter und wieder auf 7 Meter abfällt Dieser Streifen ist ca. 80 Meter lang und krautfrei.

Also eine Rute davor und eine darüber und eine hinter dem Streifen. In den ersten 8 Nächten nicht mal ein Brassenpiep. Völlige Ratlosigkeit bei mir und allen anderen Karpfenanglern in meinem Umfeld. Wo sind die Fische?

Die Fische ziehen nomadenhaft durch den grossen See und sind scheinbar nicht standorttreu, wie ich es oft an anderen Gewässern beobachten konnte. Da ich fast alle Fische bei schlechtem Wetter oder vor einem drastischen Wetterwechsel gefangen habe, denke ich, dass hier ein Schlüssel zum Erfolg liegt. Scheinbar löst starker Wind und Regen bei diesen Karpfen Fresslaune aus. Ein weiterer Aspekt sind harte und hochwertige Köder. Die Karpfen - mit natürlichen Futter überversorgt - akzeptieren unser Futter nur als Ergänzung oder aus Neugierde.

Aufgrund der großen Wasserfläche und des Fehlens von Besatzmaßnahmen in den letzten Jahren, ist der Karpfenbestand recht niedrig einzuschätzen. Viele Jungkarpfen fallen außerdem den Kormoranen zum Opfer. Aus diesem Grund muss man einfach Glück haben, um die Karpfen zu lokalisieren.

Mittlerweile habe ich den Verdacht, dass die Karpfen durch das mit dem Köderboot eingebrachte, punktuelle Futter sofort Gefahr wittern und lieber weit verbreitetes Futter aufnehmen.

Aber dafür ist das Naturerlebnis, die Ruhe und die tolle Tierwelt absolut überwältigend.

Trotzdem komme ich an diesem See immer wieder zu der Einsicht, dass ich trotz aller Versuche und Technik und Erfahrung doch noch nichts genau weiß.

Wieso, weshalb, warum?

Ove

Team Successful Baits

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