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“Frühjahrsgedanken im Wonnemonat Mai”

Der Wonnemonat Mai neigt sich dem Ende und damit auch der meteorologische Frühling.  Zeit für uns, einmal mehr, etwas tiefer in die faszinierende, frühlingshafte  Natur abzutauchen.

Endlich endlich werden die Tage wieder länger, vorbei sind sie, die bleischwer auf`s Gemüt drückenden, schier unendlichen Stunden der Finsternis. Die Vögel zwitschern, neues Leben reift heran, alles blüht, die Natur erwacht und wir sind heilfroh, dass dem Winter endlich die Puste ausgeht. Auch, wenn im Frühjahr das Wetter von einem auf den anderen Tag extrem schwankt, steigt das Stimmungsbarometer mit zunehmenden Temperaturen doch deutlich an.

Schmeckten wir eben noch anregende Sonnenstrahlen mit zarten Winden, peitschen oftmals nur Stunden später polare Kaltluftvorstösse Regen-, Schnee- und Graupelschauer durch das Land.

Mittlerweile war es Mitte April und das Fangbuch dreistellig, spanischer Winter, French River Hunting und der Cassien hinterliessen Spuren, doch in Deutschland fischten wir bis dato noch nicht eine Minute.

Wie auch, wenn man abenteuerlustig in die Ferne schweift?

Müll-Idylle bei Hochwasser-mit Tannenbaum?!

GEduldiges Warten  führt zum Erfolg

Da wir Abwechslung bevorzugen und dicke Karpfen wollten, fuhren Martin und ich Mitte April los und gleich die erste Pleite ein, als wir nach 180 km Fahrt an einem Gewässer ankamen, das aufgrund von Hochwasser nicht befischbar war.

Kein angeln - keine Karpfen, lediglich eine Menge Wohlstandsmüll kam zum Vorschein.

Warum achten die Menschen die Natur nicht? Ist es in Deutschland im 21. Jahrhundert wirklich so schwer, seinen Unrat umweltgerecht zu entsorgen? Wir traten etwas entnervt die Heimreise an, denn Alternativen gab es leider keine.”

Gegen Anfang Mai, spielte sich ein lebhaftes Schauspiel mit Maikäfern, in der Abenddämmerung exakt neben meiner Liege ab. Eine Invasion dieser Käferchen, grub sich aus der Erde, fingen an sich mit den Flügeln aufzupumpen,  um sich anschliessend schwerfällig und dumpf brummend in die Luft zu erheben. Meist 4 Jahre benötigt der frischgeschlüpfte Engerling bis zur vollständigen Metamorphose zum geschlechtsreifen Tier, um anschliessend viel zu fressen und nur wenige Tage zu leben.

Der Wasserstand der hiesigen Fllüsse war Anfang Mai wieder auf Normalpegel. Unsere Erkundungstouren waren ein Volltreffer, viele markante Stellen prägen diesen Flussverlauf und oftmals ist es von Vorteil, fernab der überfischten Plätze, einfach mal einen Versuch zu wagen. Möchte man das Geheimnis der Flussfische entdecken, zahlt sich Mobilität, Flexibilität und die Gabe, ein Gewässer lesen zu können aus. Diese Gabe wird den wenigsten Anglern in den Schoss gelegt, sondern ist, meiner Meinung nach, eher das Produkt aus jahrelanger Erfahrung an unterschiedlichsten Gewässern, Beobachtungen, Experimentieren, harter Arbeit und Zeiteinsatz. Selbstverständlich müssen Schlüsse gezogen werden und zwar die richtigen.

Doch bevor dieses alles zusammenkommt, hat man sicherlich auch viel, sehr sehr viel Lehrgeld bezahlt. Das begleichen dieser Rechnung, geschieht mit dem Einsatz, den ein jeder bereit ist, dafür zu bezahlen und genau das, bekommt man irgendwann auch wieder heraus!

Ein altes Sprichwort sagt, dass Abkupfern noch nie auf die Überholspur führte und so vergleiche ich Angler immer gerne mit Börsianern, wo alle Schäfchen brav der Herde folgen, obwohl bekannt ist, dass die Masse meistens irrt?!

Wasserblüte, Ostwind und Vollmond erlebte ich erstmalig in dieser Kombination, so dass es trotz Stellenwechsels nach 2 erfolglosen Nächten, auch nach 3 Nächten nur zu einem lupenreinen Blank reichte!

Prägnante Frühjahrsstellen und nicht eine einzige Aktion und das,  obwohl der Sensor des Echolotgebers das Oberflächenwasser mit echter Wohlfühltemperatur anzeigte oder gerade deswegen? Es biss nichts aber auch rein garnichts, nicht mal ein Weissfisch.

Ein Höckerschwan sorgte für etwas Abwechslung und watschelte stolzen Blickes, etwas ungelenk wirkend neugierig in mein Zelt.

Die Beissflauten nutze ich immer gerne, um die Natur um mir herum etwas genauer zu inspizieren und entdeckte so diese kleinen Delikatessen,  wie sie ihre schleimige Spur am Wegesrand zogen.

Die Versuchung war gross, einige dieser genüsslichen Weinbergschnecken einzusammeln, doch irgendwie wirkten sie auch majestätisch und ich glaube, in Zukunft werde ich auf diese Vorspeise verzichten!

Ein Blank ist kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken und man sollte auch keine endlos Debatten über warum wieso weshalb führen. Ein neuer Versuch, ein neues Ziel, doch irgendwas animierte mich, auf dem Weg zum neuen Ziel plötzlich abzubiegen, um einen kurzen Blick, auf eine mir bekannte Stelle zu werfen.  In nur 5 Minuten drehten sich 3 Karpfen ufernah an der Wasseroberfläche! Noch nie, zeigten sich hier Fische, ein absolutes Novum! So überlegte ich nicht lange und schleppte spontan das nötigste Tackle ans Ufer, um einen Versuch zu wagen. Beisst es nicht, so werde ich morgen früh gleich weiterfahren, war die feste Vorgabe.

Jeder Karpfenangler kennt es, dass morgendliche Aufwachen, mit dem direkten Blick auf die Ruten, die Euphorie des Vortages ist verschwunden, aufgelöst in Nebelschwaden, die sanftmütig über die spiegelglatte Wasseroberfläche tanzen und sich verflüchtigen, genauso wie die Hoffnung auf einen Fisch. Nichts, wieder nichts, noch vor dem ersten Kaffee die üblichen, nicht druckreifen Gedanken, die in üblen Beleidigungen des Gewässers ihren triumphalen Höhepunkt erreichten.

Es regnete, die ganze Nacht regnete es, alles ist nass, nun gut, noch frühstücken, dann einpacken, um anschliessend weiterzufahren, versuche ich, den Neandertaler in mir wieder zu beruhigen. Das schmeckte mir in keinster Weise, nasse Klamotten einpacken, wie sehr ich das hasse, bäh, alles feucht und klamm. Meine wirklich üble Laune näherte sich dem Höhepunkt, komm Ulli fang an, dann wirst du auch fertig. Doch schnell noch ein paar wüste Beschimpfungen Richtung Gewässer- Gedanken sind frei. Schlafsack und Boiliebag schleppte ich bereits ins Auto, schnell zurück ins trockene Zelt, schliesslich wollte ich noch weiterfischen und nicht triefnass am nächsten Gewässer ankommen.

Der erste “Deutsche” in 2007

Es war eine Mischung aus Ungläubigkeit und Lethargie, die mich im Titan stumpf verharrend auf besseres Wetter warten liess. Ich hatte sie doch gesehen, sie waren da! Und inmitten dieser Weltuntergangsstimmung, plötzlich dieser sehnsüchtig erwartete Vollrun! Ein wohliger Schauer lief mir den Rücken hinunter und das ganze negative Gedankengut wandelte sich schlagartig ins krasse Gegenteil.

15 Minuten später lag er auf der Matte, ein wohlgenährter Schuppenkarpfen, mit einem Maul wie ein Scheunentor! Niemals zuvor, sah ich ein solch grosses Karpfenmaul!

Selbstredend, dass ich Abbitte leistete, das Gewässer um Verzeihung bat und pflugs den Schlafsack und das Boiliebag wiederholte.

Mir selbst war es aber auch etwas unheimlich, unerklärlich, ja vielleicht sogar schon mystisch, hatte ich ähnliches doch schon einmal erlebt, damals mit Kai auf der Insel und wieder war es ein Schuppenkarpfen...

Die etwas andere Form-lang & schlank

Das Angeln im Frühjahr fasziniert, eindrucksvoll erwacht die Natur im Wasser und wo zuerst? Richtig, in flachen Uferbereichen. Macht man sich einmal die Mühe, die Uferpartien etwas genauer zu durchleuchten, stellt man schnell fest, dass es überall krabbelt und fleucht.

Die ersten Sprosse des Unterwasserdschungels, sei es nun Wasserknöterich, Laichkraut oder Schilfrohr, dienen den Klein- und Kleinstlebewesen als Unterschlupf. Hier finden Würmer, Schnecken, Larven, Muscheln und Krebse geeigneten Lebensraum.

2,04 Meter Riese Jens mit dickem Spiegler

Sumpfschwertlilie

Und genau diese Plätze suchen unsere Freunde auf, um sich ihre winterleeren Mägen zu füllen und Kraft für das bevorstehende, kräftezehrende Laichgeschäft zu sammeln.

Das Anfangsstadium des Lebens beginnt mit klein, im Frühling beginnt Leben- überall und die Frage, die sich daraus ableitet: Wie können wir diese Symptome für eine erfolgreiche Fischerei nutzen? Möglicherweise mit der richtigen Wahl des Köders, doch was ist klein? Ein Maiskorn? Zwei Hanfkörner? Eine Tigernuss? Ein 24 er Boilie? Ein 18 er Boilie? Ein 12 er Boilie?

Wer kann das genau sagen, was Karpfen als klein empfinden?

Jedenfalls kann ich mir vorstellen, dass beispielsweise 2 Meter 04 Riese Jensemann, ein anderes Verständnis von klein oder gross hat, als ich mit meinen 1,84 - oder? Ob das auf Fische übertragbar ist, weiss ich nicht, jedenfalls ist es hochinteressant, damit zu experimentieren, vor allem im Frühjahr!

Gelege im Schilfrohr

Nichts und Niemand ist immun gegen die Mächte der wechselnden Jahreszeiten und des jährlich wiederkehrenden Zyklus von Wachstum und Zerfall! Sehen wir unten die sterblichen Überreste eines gewaltigen Karpfens, dessen Leben im Frühjahr ein trauriges Ende fand, ist es für andere Tierchen, in diesem Fall die Nachkommen der gemeinen Fleischfliege, ein Beginn.

Die Eiablage findet in Aas statt und der Nachwuchs, hier in Form von Maden lässt nichts aber auch rein garnichts vom toten Fisch übrig. Bis auf die Gräten wird er von der gierigen, immer hungrigen Nachkommenschaft verspeist.

Die Maden atmen im ersten Stadium ihres Lebens über die Haut und haben die Metamorphose noch vor sich. Nach einigen Tagen unbändigen Fressens, verpuppen sie sich, um anschliessend Fliege zu werden, eventuell als Vogelnahrung zu dienen oder den Menschen zu nerven, Auf jeden Fall erfüllen auch sie, ihre Aufgabe in der Natur! Das linke Bild zeigt andere Fischüberreste mit ähnlichem Schicksal.

Game Over, nix geht mehr!

Für unser Angeln bedeutet das, fange den Fisch, solange er noch lebt! (oder noch nicht umgesetzt wurde!) Ein jeder von uns ist dafür verantwortlich, dass ein Fisch auch nach dem Fang sein Leben geniessen kann. Die Regeln für den Umgang mit Fischen, sollte jeder ernsthafte Hunter beherzigen, verinnerlichen und vorleben.

Ein Thema, welches mich jedesmal nachhaltig in Rage bringt, ist das Umsetzen von Karpfen. Mit aller Deutlichkeit: Ich verurteile es auf das Schärfste!

Es gibt nur in den seltensten Fällen Ausnahmen, die ein solches Handeln rechtfertigen!

Tauwürmer sind Zwitter. Das bedeutet konkret, das so ein Tierchen sowohl männliche (Hoden) als auch weibliche (Eierstöcke) Geschlechtsorgane besitzt. In Ausnahmefällen sind sie in der Lage, sich selbst zu befruchten. Bevorzugt suchen sie sich jedoch einen Partner, um Samenzellen auszutauschen. Die beiden Kameraden rechts, erwischte ich des Morgens. Engumschlungen fröhnten sie der freien Liebe unter freiem Himmel. Der Paarungsvorgang dauert mehrere Stunden (wer wünscht sich das nicht?), doch die eigentliche Befruchtung findet erst Tage später statt.

Gelbe Teichrose

Liebe unter freiem Himmel-kopulierende Tauwürmer

Seerosenfelder sind immer ein Garant für Fische. In den meisten Fällen lohnt sich ein Versuch. Wichtig, dass man gehakte Fische nicht unbedingt in den Unterwasserdschungel flüchten lässt. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals im Mai, frierend im Zelt gesessen zu haben. Alles war feucht & nass, so war ich froh, die Wäsche wechseln zu können und etwas wohlige Wärme des Kochers im verriegelten Bivy zu spüren.

Tagelang regnete es und regnete - furchtbar.

Tomi würde “Two Tone” sagen

4 kg Schleie

In den flachen Schilfzonen war mächtig was los, kleinere Hechte lauerten auf liebestolle Weissfische, Barsche preschten in riesige Kaulquappenschwärme und verschlangen in nimmersatt Manier den wehrlosen Froschnachwuchs.

Raupe des Eichenspinners?

lang- mit enormer Kampfkraft

Hecht im Flachwasserbereich des Schilfes in Lauerstellung

Fressen und gefressen werden, lautet ein altes Naturgesetz, nur wer schnell und viel frisst, wird auch schnell gross und überlebt.

Teichfrosch

Lediglich gelegentliche Dauertöne “störten” diese traumhafte Idylle empfindlich, überall hüpften die Frösche hektisch ins Wasser während ich ans Rod Pod eilte. Es war kein “Fangen wie im Traum”, vereinzelt verirrten sich Fische auf dem Futterplatz, räumten alles ab und einer hing.

Als beste Fangzeiten erwiesen sich die Tagesstunden, nachts piepte und sprang nichts, es schien so, als wäre die Morgensonne der Weckruf.

“Kleinere” Schwester des 1.Schuppis?

Eine wunderbare Vielfalt unterschiedlichster Fische kam zum Vorschein, lange, schlanke Kämpfer, kurze hohe, pummelige, Schuppenkarpfen und die von mir so sehr geliebten Spiegler in vielen Variationen.

Der Frühjahrshöhepunkt mit 25,4 kg

Gegen Ende Mai war es dann auch endlich soweit, ein vehementer Biss im flachen Wasser und ein Ereignis, welches man im Leben leider, leider nur einmal erfährt.

Schon nach dem ersten Sichtkontakt, erahnte ich die ungefähren Ausmasse dieses Fisches.

Es dauerte zwar noch ein paar Minütchen bis zum Keschern aber schon beim beidhändigen Herausheben des Netzes wusste ich, dass dieser Kumpel wohl die magische 25 kg Marke sprengt.

Die Waage bestätigte es und blieb exakt bei 25.4 kg stehen.

Auf diesen Moment musste ich lange, sehr lange warten, erst 2 Karpfen über 25 kg habe ich in meiner wahrlich nicht kurzen Anglerlaufbahn in natura gesehen (kenne ich eigentlich die falschen Leute??), Christians am Lac du Der und Sebastians am Cassien.

Mein alter Schwur damals lautete: Den 3. 50 er, den sehe ich in meinem Kescher!

Er ging in Erfüllung und um Schumis Forderung, nach mehr Emotionalität in Angelberichten nachzukommen:

Ja, es liefen Freudentränen und wohlige Schauer den Rücken hinunter!

Frühjahrsatmosphäre - Pollen im Wasser

Vierflecklibelle im Schlupf

Seitenansicht

Es ist ein Augenblick, den man sich sehnsüchtigst wünscht, davon träumt und ihn anschliessend mit jeder Faser seines Körpers geniesst (na ja, vielleicht nicht mit jeder...aber mit fast jeder...)

Es sind diese Momente im Leben, die kommen nie wieder, hat man sie einmal durchlebt, brennen sie sich unwiderruflich auf die innere Festplatte, dem geistigen Auge fest und man wird sie nie wieder vergessen!

Es gibt diese Meilensteine im Leben eines Anglers, die man gerne erreichen möchte, ein Meter Hecht, gehört für mich genauso dazu, wie ein 25 kg Karpfen! (Diese Meilensteine gibt es übrigens auch für Schalke Fans...)

Spuren im Sand, nicht immer ganz einfach zu deuten und so hoffe ich, dass wir die unsrigen sorgfältig verwischt haben?!

Es war ein sehr beeindruckendes Frühjahr 2007, mit vielen unvergesslichen Momenten in frühlingshafter Natur und genau die, machen das Angeln so ungemein wertvoll!

Spuren im Sand-Schwan oder Graugans?

Einige Wünsche gibt es noch und ich freue mich schon jetzt, auf die hoffentlich vielen neuen Gewässer, die wir in Zukunft noch befischen werden, doch vielleicht wird es in absehbarer Zeit, auch mal wieder einen kleinen Überraschungsreport geben?

                                       Warten wir es ab!

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