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Die Weser

Die Weser, dieser verhexte, heiss & innig geliebte und zugleich verfluchte Strom bietet dem Angler alles, alles für was es sich zu suchen und zu leben lohnt. Vom grössten Triumph bis zur totalen Kapitulation, wirklich alles - versprochen! Dabei ist es ganz bestimmt nicht nur die Grossfischjagd, die einen immer wieder an die Ufer dieses Flusses zurückkehren lässt, sondern viel mehr die Suche nach Bestätigung, Abenteuern und die Erforschung der Zugrouten dieser geheimnisvollen unter der Wasseroberfläche verborgen lebenden Spezies, auch Flusskarpfen genannt!

Die Weser als Binnenschifffahrtsstrasse

Die Weserstrecke von Hann. Münden bis Minden wird als Oberweser, die Strecke von Minden bis Bremen als Mittelweser bezeichnet. Unterhalb Bremens folgen die Unterweser bis Bremerhaven und Außenweser wird die Fortsetzung des in Südost- Nordwest- Richtung verlaufenden Mündungstrichters der Weser im Wattenmeer der Nordsee genannt. Der Nullpunkt, also Kilometer Null der Binnengewässerkilometrierung der Weser, ist in Hannoversch Münden. Gezählt wird von der Quelle, im Fall der Weser von der Vereinigung von Werra und Fulda, stromab zur Mündung oder anders formuliert, auf der Fahrt zu Tal. Auch die Fahrrinnenmarkierung mit Tonnen oder Spieren, bezieht sich auf Binnenwasserstrassen auf die Fahrt zu Tal. Wobei die rechte Flussseite mit roten oder rot- weissen Tonnen und die linke Seite mit grün oder grün- weissen Tonnen gekennzeichnet ist.

Hilfreich ist dieses Wissen beispielsweise, wenn ich mich als ortsfremder mit Hilfe des Fischereierlaubnisscheines anhand der Kilometer- und Weserseitenangaben orientieren möchte/ muss. Da wir uns auf der Weser in voller Länge auf einer Bundeswasserstrasse bewegen, möglicherweise auch mit einem Schlauchboot – amtsdeutsch Kleinfahrzeug, ist es zwingend erforderlich, sich im Vorfeld auch ĂĽber die gĂĽltigen Gesetze und Verordnungen zu informieren. Es gilt die Binnenschifffahrtsstrassen Ordnung und diese sieht beispielsweise auch vor, dass Kleinfahrzeuge und motorisierte Boote ab 2,21 kW der Kennzeichnungspflicht unterliegen. FĂĽr kleinere und schwächer motorisierte Boote, wie wir sie zum Beispiel zum FĂĽttern oder Ablegen benutzen, muss der Name und die Anschrift an gut sichtbarer Stelle leserlich angebracht werden. Zur eigenen Sicherheit schadet es auch ganz sicher nicht, sich zudem mit den gängigen Hinweisschildern, Beleuchtungen etc. auseinander zu setzen. Bild 5 Obwohl die gesamte Weser schiffbar ist, beginnt die Hauptberufsschifffahrt erst ab der Mittelweser. Zwischen Minden und Bremen kreuzen Europaschiffe sowie Schubverbände den Fluss. Ein maximaler Tiefgang von 2,50 m darf nicht ĂĽberschritten werden. Planungen zu Folge sollen in naher Zukunft auch GrossmotorgĂĽterschiffe von Kilometer 204,5 in Minden bis km 360,7 Fuldahafen Bremen befahren dĂĽrfen. Aufgrund der relativ geringen Strömung, ist die Weser auch fĂĽr die Sportschifffahrt ein sehr beliebtes Revier.

Die Weser im Wandel

Früher war alles besser, so behauptet es jedenfalls oftmals der Volksmund. Auf alle Fälle trifft das für den Fischreichtum und die Wasserqualität unserer Flüsse vollkommen zu. Insbesondere der Kaliabbau und die damit verbundene Einleitung salzhaltiger Abwässer in Thüringen und Hessen sorgten für die Gewässergüteklasse III – IV (sehr stark verschmutzt) bis sogar zu streckenweisen Urteil IV – übermässig verschmutzt! Obwohl sich die Wasserqualität vor allem durch den Ausbau der kommunalen und industriellen Kläranlagen allmählich wieder auf Güteklasse II-III (mässig bis kritisch) verbesserte, erhitzt weiterhin der DAX- Konzern Kali + Salz mit seiner Salzlaugeneinleitung die Gemüter der Anrainer und vor allem auch der politischen Ebenen. So fordert der „Wesertag 2009“ bis spätestens 2020 eine vollständige Einstellung der Einleitung, um Werra und Weser schrittweise wieder zu naturnahen Gewässern zu entwickeln. Laut Erklärung der Weser- Ministerkonferenz vom Dezember 2009 wurden folgende 3 überregionalen Handlungsfelder als bedeutend eingestuft:

Die nachhaltige Senkung des Eintrages von Nährstoffen die aus der Fläche über Erosion, Zufluss über Drainage oder das Grundwasser erfolgt. (Überdüngung). Die Salzlastreduzierung und neben der Verbesserung der Wasserqualität, ist vor allem auch die Aufwertung der Gewässerstruktur erforderlich, Stichwort Durchgängigkeit.

Hinter all diesen nachhaltigen Massnahmen für den Gewässerschutz stehen Menschen, die bereit sind für ihre Visionen zu kämpfen, von denen letztendlich wir alle profitieren. Wäre es nicht ein wunderbarer Traum der in Erfüllung geht, wenn Wanderfische wie Aal, Lachs und Meerforelle wieder auf funktionierende Auf- und Abstiegsanlagen treffen und in der Weser wieder heimisch werden?! Wir sind gespannt, ob und bis wann die ehrgeizigen Vorhaben der Weserdurchgängigkeit und die Vorgaben der EG- Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt werden.

Staustufen der Mittelweser

Durch die Stauregulierung der Mittelweser wurde erreicht, dass der Binnenschifffahrt zwischen Minden und Bremen ganzjährig eine Fahrrinnentiefe von 2,50 Meter zur Verfügung steht. Jeweils am oberen Ende der alten Weserarme wurden diese errichtet, während die Schleusen am unteren Ende der neu gebauten Schleusen- oder Umgehungskanäle gebaut wurden. Durch den Bau dieser Kanäle verkürzte sich die Weserstrecke für die Schifffahrt um sagenhafte 22 Km. Das Gefälle zwischen der obersten Staustufe Petershagen und der untersten in Bremen- Hemelingen beträgt 32,50 Meter und verteilt sich auf die einzelnen Staustufen Petershagen, Schlüsselburg, Landesbergen, Drakenburg, Dörverden, Langwedel und Bremen auf Fallhöhen zwischen 3,60 und 6,40 Meter. Gleichzeitig dient der Höhenunterschied des aufgestauten Wassers der Energiegewinnung durch Wasserkraftwerke.

Und endlich, endlich sind wir nach diesem Exkurs beim Karpfenangeln angekommen! Betrachten wir die Weserkilometrierung linksseitig von km 180,35 Vlotho- Valdorf bis km 238,72 Petershagen- Schlüsselburg sind wir zu Gast in dem Gewässerabschnitt der Mindener Interessengemeinschaft der Sportfischervereine e.V.. Die Mindener IG gibt als Pächter die Fischereierlaubnisscheine aus und bewirtschaftet diese Weserstrecke. Angeschlossen sind der Mindener IG die Angelvereine Minden, Petershagen, Lahde, Vlotho, Wesertal, Leteln, Windheim, Schlüsselburg, Porta Westfalica, Frille und Ravensberg. Verpächter ist die Weserfischereigenossenschaft. Den Mitgliedern der aufgezählten Vereine sowie den Gastanglern stehen also annähernd ca. 72 Flusskilometer zur Verfügung. Die nächsten 70 Flusskilometer bewirtschaftet der Nienburger Verein und für die sich anschliessenden 50 km bis zur Landesgrenze Bremen, zeichnet sich der Verdener Verein verantwortlich. Die verbleibende Weserstrecke bis zur Mündung ist in Bremer Hand.

Wer die Strömungsangelei liebt, findet an der Weser alle erdenklichen Gegebenheiten der unterschiedlichsten Art der (Karpfen-) Angelei vor. Sei es das Fischen an Strömungskanten, im Buhnenkopf, im Durchstichsee, vor Schleuseneinfahrten, in Umgehungskanälen, in Häfen, in Warmwasserausläufen, auf Strecke, vor Stauwehren oder im Naturschutzgebiet. Es ist und war nie ein Geheimnis, dass die Weser kapitale Karpfen beherbergt. Und Schluss mit der Mär des geheimnisvollen unbekannten Grosskarpfens! Mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit ist er es eben nicht, dieser Karpfen, den man da im prall gefüllten Unterfangkescher vorsichtig über die Steinpackung wuchtet. Eher wahrscheinlich ist es, dass dieser schuppige Geselle schon in irgendeinem Fotoalbum verewigt ist. Ich bin sicherlich der Meinung, dass es auch in der Weser noch grosse unbekannte Karpfen gibt, die möglicherweise nicht mit Boilie fangbar sind, da sie diese Nahrung gänzlich verweigern. Auf den bekannten Abschnitten gibt es aber nur sehr wenig Ausnahmen, die das Gegenteil bestätigen. Und auch bei diesen „Ausnahmen“ kommt sicherlich noch erschwerend der Faktor hinzu, dass die Foto Vergleichsmöglichkeiten bei der Vielzahl der Angler eher beschränkt sind.

Abseits des Mainstreams

Seit Anfang der 90 er Jahre ist ein Grossteil der Weser unter Dauerfeuer. Belagert von Karpfensüchtigen, die mitunter Stellen so penetrant befischen, dass diese auf Jahre hinaus regelrecht verbrennen. Dieses ist ein Phänomen, welches in der Weser in regelmässigen Abständen kontinuierlich, immer wieder aufs Neue schön zu beobachten ist. Bleiben die Fischaktionen erstmal gänzlich aus, dauert es lange, sehr lange, bis die Fische an den überfischten Plätzen wieder fangbar sind. Manchmal sind und bleiben die Karpfen an diesen Plätzen aber auch einfach gänzlich verschwunden. Ich erlebte es einmal an einer überfischten Stelle, dass die Fische 2 Tage durchgehend in der Fahrrinne topten. Richtige und fast ausschliesslich nur Kanonen! Aber allen Künsten zum Trotz nicht ans Band zu bekommen waren. Fast wäre ich verrückt geworden. Nach 2 Tagen war der Spuk zu Ende und ich blank! Meistens, aber auch nicht immer gilt an der Weser das Phänomen: Besser du siehst sie nicht toppen, dann kannst du sie fangen! Diese Erfahrung habe ich vor allem im Frühjahr gemacht. Konkret heisst das, dass auch wenn wir die Fische gefunden haben, dieses nicht gleichzeitig einer Fanggarantie gleichkommt. Da sich die Fische eher selten durch toppen zeigen, wir an der Weser aber viele bisslose Stunden erleben, heisst das im Umkehrschluss nicht gleichzeitig, dass die Fische nicht anwesend sind! Schizophren? Ja, sehr - leider! Wir glauben, wir haben die Fische gefunden, sehen sie nicht und fangen sie nicht, also wissen wir es auch nicht wirklich. Oder wir sehen die Fische und fangen sie trotzdem nicht? Ja was denn jetzt? Wirklich crazy, Stelle wechseln, in beiden Fällen, auch wenn es schwerfällt toppende Karpfen allein zu lassen. Sie fressen an einer anderen Stelle, möglicherweise nur 100 Meter stromauf und da müssen die Ruten liegen!

Auch aus eigener Erfahrung kann ich es beinahe garantieren, dass es an den Plätzen, an denen es im Vorjahr noch so schön funktionierte, im darauf folgenden Jahr, hundertprozentig, deutlich, wenn nicht sogar drastisch schlechter wird! Selbst, wenn man seine ertragreichen Plätze nicht überstrapaziert und häufig die Stellen wechselt, verlieren diese langfristig stetig an Attraktivität. Schliesslich ist man nie so ganz alleine, so dass man seine Angelplätze nach eigenem Gutdünken hegen und pflegen kann. Ein weiterer Grund ist die Dynamik an unseren Flüssen, welche uns mit der Suche nach den Karpfenfischen zwangsläufig immer wieder von vorne anfangen lässt, insbesondere dann, wenn wir besser abschneiden wollen als der Durchschnitt.

Ständig verändert sich der Flussverlauf, ob durch Baggerarbeiten oder das nächste Hochwasser. Natürliche Fressfelder verschwinden und siedeln sich anderswo wieder an und mit ihnen verschieben sich ebenso die Fressplätze der Karpfen. Es gibt sie zuhauf, die Geschichten der Karpfenangler die auszogen, um an der Weser Karpfen zu fangen. 1000-2000 Stunden per Anno verflogen wie im Nu - ohne auch nur einen einzigen Biss. Übrig blieben oftmals Frustration, Enttäuschung und geplatzte Träume. Das muss nicht sein, wenn man seine Erwartungen und Ziele nicht gleich in unerreichbare Höhen schraubt, aus Misserfolgen die richtigen Schlüsse zieht, seinen eigenen Weg sucht und ihn konsequent geht. Es gibt am Fluss keinen bequemen Königsweg, auf dem man mal eben eincheckt und einfach nur folgt. Nein, möchte man das Geheimnis der Flusskarpfen entdecken, zahlen sich Mobilität, Knochenarbeit und Zeiteinsatz aus – irgendwann. Doch all diese Mühen und Zeit, sowie das investierte Lehrgeld summieren sich eines Tages zu einem Erfahrungsschatz von unschätzbarem Wert. Aus diesem wird man, ganz gleich welches Flussufer man in seinem Leben noch betritt, immer wieder profitieren. Wie oft habe ich es in meinem Karpfenanglerleben schon gehört: „Hier möchtest du Karpfen fangen?“ Mit dem Zeigefinger tippend an der Stirn, die Augen verdreht, verabschiedet sich ungläubig der eben noch nette Gesprächspartner. Und immer dann wusste ich, hier, genau hier bist du goldrichtig! Und meist waren es eben diese Plätze, an denen ich die hellsten Sternstunden erlebte!

440 Flusskilometer, puh, wo denn nun anfangen? Logischerweise kann man weder die Weser noch andere Gewässer neu erfinden und Karpfen lassen sich schliesslich fast überall fangen, nicht nur an der Stelle, wo Mister X oder Y einen gefangen hat. Es kristallisieren sich aber mit der Zeit immer wieder Stellen heraus, die ein bisschen besser geeignet zu sein scheinen. Das müssen nicht immer strategische Stellen, wie Wehre, Hafeneinfahrten oder Inseln sein. Nein, manchmal sind es auch einfache, leicht kiesige Stellen auf Strecke oder leichte Vertiefungen mit Schlammablagerungen. Es ist oftmals nicht so ganz einfach oder nachvollziehbar, die wahren Gründe zu erkennen, warum die Karpfen genau an diesem oder jenen Platz bevorzugt fressen und fangbar sind. Eines jedoch ist nachweisbar, je mehr Stellen ich befische, desto höher die Chance, einen solchen bevorzugten Platz zu finden. So ganz nebenbei lerne ich auf dieser Suche das Gewässer wirklich sehr gut kennen und baue mir nach geraumer Zeit einen wahren Pool an top Plätzen auf. Übrigens habe ich es selbst immer, auch wenn es noch so bombastisch lief (gerade dann!), so gehalten, dass ich bei unangenehmen plötzlich auftauchenden Nachbarn meine sieben Sachen zusammen gepackt habe! Dieses stumpfe „Plopp“ des Futterkorbes, genauso wie das Rasseln der Aalglocken bis weit hinein in die späten Nachtstunden, hat tiefe Narben auf meinem Nervenkostüm hinterlassen.

Dieses plötzliche Auftauchen verhindert leider auch das Fischen vor und hinter den Wehren. Diese sind auf jeden Fall strategisch erstklassige Stellen. Zum einen, weil dort „Schluss“ ist, Wanderfische 2 mal vorbeiziehen, zum anderen auch, weil es dort tiefe und je nach Strömungsverhältnissen fast schon stehende Bereiche mit Ablagerungen gibt, die kapitale Stammfische ansprechen. Auch Versuche hinter den Wehren können jahreszeitabhängig wahre Sternstunden produzieren. Leider sind diese Plätze fast ganzjährig von Anglern besetzt, so dass es mir stets sinnvoller erschien, diese nur in Ausnahmefällen unter der Woche zu beangeln und wenn sich dann trotzdem jemand in die Nachbarschaft hockte – siehe oben.

Deutlich weniger beangelt wird beispielsweise der Schleusenkanal Petershagen. Erstmals befischte ich diesen Weserumgehungskanal 1995. Für diesen Kanal wird ein gesonderter Erlaubnisschein ausgegeben, der den Mitgliedern der in der Mindener IG zugehörigen Angelvereine vorbehalten ist. Es sind keine Tages- oder Wochenscheine für Gastangler erhältlich. Dieser Kanal unterlag in den vergangenen Jahren zahlreichen baulichen Veränderungen. Da die meisten Weserfische echte Nomaden sind, pflügen sie auch diesen Kanal auf der Suche nach Ruhestätten oder Fressbarem um. Das Bild zeigt den Kraftwerkshafen des Steinkohlekraftwerks Heyden. Dieses Kraftwerk ist für den Einsatz in der Mittellast ausgelegt, also für den Bereich der Tageslastkurve, wenn über die Grundlast hinaus zusätzlicher Strom verbraucht wird.

Das erwärmte Kühlwasser wird über einen unterirdischen Kanal mehrere hundert Meter weiter, kurz vor der Fischtreppe am Lahder Damm in die Weser geleitet. Natürlich kühlt sich dieses Wasser auf seinem weiten Weg in die Weser bereits deutlich ab. Das Angeln ist 50 Meter oberhalb bis 50 Meter unterhalb des Warmwasserkanaleinlaufes verboten. Ich selbst probierte es ein einziges mal ca. 1997 vom gegenüberliegenden Ufer, dort eine Rute zu platzieren. Da es aber schon damals ewiges Genörgel gab, fischte ich vom Ufer dort nie wieder! Erstens ist es die breiteste Stelle der Weser, mit je nach Wehrstellung fast stehender oder sehr heftiger Strömung mit sehr geringer Chance, den Fisch überhaupt zu landen. Immerhin müssen wir diesen quer über die Weser drillen?! Zweitens schadet es den Fischen ganz sicherlich nicht, wenn sie eine Ruhezone haben und drittens ist es ein russischer Ganzjahresplatz und dieses ewige Gebimmel- siehe oben!

Naturschutzgebiete am Beispiel der Staustufe SchlĂĽsselburg

Eine der landschaftlich reizvollsten Gegenden sind sicherlich die Naturschutzgebiete an der Weser. Hier schieben wohl mit Abstand die kapitalsten Karpfen umher. Warum ist das so und was prädestiniert diesen Abschnitt dafür? Durch den Umgehungskanal Schlüsselburg wird die Berufsschiffahrt umgeleitet, so dass auf dem gesamten Bereich des „Grossen Weserbogens“, bis auf einige wenige Segelboote, kein Schiffsverkehr herrscht. Das NSG- Gebiet „Grosser Weserbogen“ ist zudem ein Naturschutzgebiet von internationaler Bedeutung. Es ist ein bedeutsamer Lebensraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Aufgrund der Staustufe erreicht die Weser in diesem Abschnitt nur eine mässige Strömungsgeschwindigkeit. Zudem ist dieses umfangreiche Marschgebiet Überwinterungsort für zahlreiche nordische Enten- und Gänsevögel. Es sollte jedem klar sein, dass dieses ein äusserst sensibles Territorium für Angler ist und die Einschränkungen auf dem jeweils gültigen Fischereischein zwingend eingehalten werden müssen!

Hier treffen Interessenskollisionen geballt auf einander und nur allzu gerne wünschten einige Organisationen, dass das Angeln in diesen Gebieten gänzlichst untersagt wird. Wollen wir hier weiterhin angeln dürfen, ist es unbedingt erforderlich, das ein jeder Angler zu Recht als Umweltschützer an der Front angesprochen werden kann! Wer diese Abschnitte befischen möchte muss sich im Vorfeld umfangreich über das Befahren der Wiesen, Parkmöglichkeiten etc. informieren und diese einhalten, möchte er nicht Wasser auf die Mühlen derer schütten, die die Angler nur allzu gern aus diesen Gebieten fern halten möchten.

Futtertaktiken

Im Verlaufe eines Jahres verändert der Fluss sowie auch sein natürliches Nahrungsaufkommen sein Gesicht. Es gibt und gab von daher noch nie eine allgemeingültige Regel für Futtertaktiken, die Erfolg garantieren. Mein Handling mit Futter ist sehr differenziert und ich versuche in der Regel am Fluss ohne viel Futtereintrag auszukommen. Auch fütter ich lieber bei gutem Beissverhalten nach, als mit viel Aufwand von vornherein Fische an den Platz zu füttern, sofern das überhaupt gelingen mag. Ich bevorzuge die aktive Flussangelei, welche zwar sehr anstrengend ist, Boiliesmachen aber auch. Spass beiseite, wem die diesjährige explosionsartige Vermehrung der Bachflohkrebse in der Weser aufgefallen ist, wird sich eingestehen müssen, niemals in Konkurrenz gegen die natürliche Nahrung bestehen zu können.

So betrachte und baue ich meinen Köder lieber mit dem gewissen Extra, quasi als Praline für den Karpfen auf. Und rückblickend fällt mir ein für mich sehr abschreckendes Beispiel ein, als ich eine Top- Stelle intensiv 14 Tage lang zur besten Jahreszeit vorfütterte. Mit riesiger Vorfreude im Bauch, durchlebte ich 3 Nächte den super Flop! Ein einziger Karpfen, den ich aller Voraussicht nach auch ohne diese Aktion erwischt hätte war das äusserst bescheidene Ergebnis. Seitdem habe ich die Zeit, die Fahrt- und Futterkosten sinnvoller investiert und nie wieder an der Weser vorgefüttert! Auch stellte ich für meine Angelei klar fest, dass meine besten Fangtage an der Weser niemals mit viel Futter im Einklang standen! Eher das Gegenteil war der Fall und so ist es ja auch ganz simpel, am Ende des Jahres seine eigene Bilanz zu ziehen: Verbrachte Angelstunden – Futteraufwand – erzieltes Ergebnis. Sehr interessant zu sehen, wie viel Stunden man durchschnittlich auf einen Fisch wartet und jeder wievielte Fisch die 20 kg Marke sprengt. Diese Bilanz ist allgemein hochinteressant, nicht nur auf das Weserfischen bezogen. Lassen sich daraus doch schliesslich auch Massnahmen für eine zukünftig erfolgreichere und effizientere Fischerei ableiten. Denn bedauerlicherweise wird man älter und die Zeit knapper.

Die Fische

Die Weserkarpfen sind recht markant und trotzdem in ihrer Vielfalt kaum zu überbieten. So gibt es die Bild Klassische Weserform typische Weser Spiegelkarpfenform. Bullig und massiv gebaut mit gelegentlichem Hang zur Wampe und oftmals vernarbt. Diese Art Karpfen ist es, die richtig kapital werden kann. Manchmal tauchen auch lange, kräftige Spiegelkarpfen auf, die einem im Drill alles abverlangen. In dieser Truppe schwimmen auch einige beachtliche Exemplare, allerdings erscheinen sie sehr selten. Nicht selten zu beobachten hingegen ist, dass der etwas widerstandsfähigere Schuppenkarpfen die Spiegler verdrängt. Schuppenkarpfen wachsen in der Weser zu kapitalen Grössen ab. Hin und wieder taucht auch Bild Wildform die reine Wildform auf. Diese Fische sind vermutlich bei Gewichten so um die 16 Kg schon im letzten Drittel ihres Lebens. Insgesamt ist es schon eine erstaunliche Artenvielfalt und auch dieses macht den Reiz des Weserangelns aus.

Tackle & Co.

Bei meiner Flussfischerei haben sich einfache aber stabile Gerätschaften bewährt. So verwende ich eine 0,40 mm monofile Hauptschnur mit davor geschalteten 0,50 mm Shockleader und Inlinebleien von 140 bis 220 Gramm, je nach Strömungsverhältnissen. In der Glaubensfrage monofil oder geflochtenen Shockleader, habe ich mich seit jeher für die geflochtene Variante entschieden. Als Haken benutze ich gern die Fox XS- Serie. Dieses ist ein kräftiger und sehr robuster Haken, der guten Halt im Fischmaul findet. Ein gutes, mit mindestens 5 PS motorisiertes Boot ist aus Mobilitätsgründen unerlässlich. Plane ich nur kurze Sitzungen, habe ich zumindest ein kleines Schlauchboot mit E- Motor dabei. Das hilft zum Lösen von Hängern ebenso wie zum Rausbringen der Ruten und des Futters.

Zu guter Letzt

Für mich bedeutet Flussangeln in der Regel konzentriertes Angeln und ich gehe bevorzugt allein angeln. Warum? Es gibt nur sehr sehr wenig Angelstellen, die ein effektives Flussangeln für 2 Personen ermöglichen! Da ich angeln und nicht diskutieren möchte und auch beim Moven meinen Part konsequent durchziehe, habe ich mich für diese Art des Angelns entschieden. Möchte man lieber zu zweit fischen, so ist es empfehlenswert, sich auf 2 Ufer zu verteilen. So teilt man sich zwar die Fahrrinne, hat aber jeder eine Uferkante für sich allein. Die Fahrrinne ist meist breit genug, so dass man sich nicht wirklich ins Gehege kommt.

Irgendwann, und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, kommt der Zeitpunkt des Motivationsproblems. Es nervt einen dann auch alles, wirklich alles! Sei es das Motorengeräusch des Schiffsdiesels oder dieses lebensgefährliche Gekraxel auf der ewig schlüpfrigen Packlage. So ist es dann nur eine logische Konsequenz, dass auf dieser nie endenden Suche der Elan und die Kraft irgendwann nachlässt. Spätestens dann wird es Zeit, die Segel zu streichen. Man erliegt dem Reiz des Neuen und nichtsdestotrotz weiss man es bereits zum Zeitpunkt des Abschiedes ganz genau, dass man ihm in ferner Zukunft wieder folgen wird, dem unwiderstehlichen Lockruf der Weser mit seinen fantastischen Fischen!

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