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Lac de St. Cassien Part II

Nun war es also endlich geschafft, eines der angehenden “Wallermonster” dem Cassien zu entlocken. Eine mittlere Brasse hatte ich noch, schnell das Vorfach von klein Rotauge auf mittlere Brasse neu gebunden und jetzt aber hinaus mit ihr, hinaus ins tiefe Wasser. So befand ich mich gerade im Boot, dokumentierte multimedial die ganze Geschichte, mit Echolot zeigend, Tiefen- und Kantenverlauf und fand überraschenderweise die Pose nicht wieder?

Eben war sie doch noch da, ein ungläubiger Blick zum Pod, die Rute begann sich zu krümmen, Bremse lief und Dauerton. Geschwind zurückgerudert, hing schon der nächste Wels an der Angel! Die Brasse überlebte bedauerlicherweise (oder zum Glück) keine halbe Stunde.

Auch dieser Fisch war eher ein Wels`chen, als ein ernst zu nehmender Drillpartner. Doch das macht nichts, mir persönlich bedeutet es viel mehr, den 2. Wels aus einem, was das Welsangeln angeht, neuem Gewässer zu fangen, als den 20. 2 Meter Wels, aus einem mir bekannten. Fabian machte schnell ein Bildchen und mit der Gewissheit, noch Potenzial für die Zukunft nach oben zu haben, beendete ich mit diesem Fisch das Raubfischangeln für diesen Trip. Auf den Geschmack gekommen, wollte Fabian nun auch, endlich mal einen dieser Heimlichtuer fangen.

Lassen wir ihn am Besten selbst erzählen:

Wo ist der Schwanz geblieben? Tadel dem Fotografen!

“Dieser Trip im März an den “heiligen” Cassien, war mit nicht zu hohen Erwartungen verbunden, denn auch im zeitigen Frühjahr, können die Cassienfische sehr launisch sein, das war von vornherein klar, doch rechneten wir zumindest mit ein paar Aktionen. Die ersten Tage verliefen ruhig, nur auf die immerzu gegenwärtigen Brassen war verlass. Wir überlegten die weitere Vorgehensweise, moven mussten wir, soviel war klar, aber die Top-Stellen waren wie immer schon alle belegt. Generell war recht viel los am See und gefangen wurde sehr schlecht. Wir entschieden uns dazu, den Rest des Urlaubs auf der ersten Nordarmspitze auszusitzen. Das schöne daran ist, dass man in dem Fall wirklich mal von Urlaub sprechen kann, da der ganze Auf- und Abbaustress wegfällt. Abergläubisch, wie wir Karpfenangler nun mal sind, wurde noch schnell das Cassien- Boilie- Orakel erbaut, geziert von einer schönen Frau und den Erfolgsködern. Eingenordet durch einen Wall schönsten Cassien Gesteins, sollte das Orakel die Karpfengötter besänftigen.

Am zweiten Abend auf dem neuen Platz, ich stand gerade neben meinen Ruten, lief plötzlich Schnur von einer Rolle und der Delkim unterbrach die abendliche Stille. Sofort nahm ich die Rute und sprang ins Boot, der Fisch hatte gut Speed drauf und so dauerte es etwas, bis ich ihn eingeholt hatte. Dann war er unter dem Boot und die Rute verneigte sich zum Halbkreis, während der Karpfen  immer weiter in die Tiefe zog. Das war ein „guter“, ging es mir durch den Kopf und die Beine zitterten immer stärker. Endlich  tauchte der Fisch auf und ich zog ihn über den Kescher, wobei ich mir einen kleinen Jubelschrei nicht verkneifen konnte. Da lag er vor mir, ein Traum von einem Schuppi.

Am nächsten Morgen meldete sich auch Lars Bissanzeiger, doch der Fisch ging leider verloren. Wir hatten zwei Bisse in 12 Stunden, Hoffnung kam auf.

Nach ein paar Tagen erreichte dann Ulli den See und setzte sich in unsere Nähe. Brassen fingen wir genug  und so versorgte ich ihn mit den angeforderten Köderfischen. Es dauerte auch nicht lange, bis ich mir einen Wels in natura ansehen konnte. Zwar ein kleineres Exemplar, doch von einer faszinierenden Schönheit und als über Tag noch ein Wels an Ullis Rute ablief, da musste ich auch mal einen Versuch starten.

Für uns war es die letzte Nacht, deshalb wurde meine vierte Karpfenrute einfach mal zum Welsangeln umfunktioniert. Gegen Abend kam immer mehr Leben in die Köfi- Rute. Lars ruderte gerade seine Montagen raus, als ich ihm zurief, dass wohl ein Wels in der Nähe sein müsste.

Klasse! Glückwunsch zum 1. Wels

Keine fünf Minuten später, gab der Delkim mehrere einzelne Piepser von sich, welche dann urplötzlich immer schneller wurden. Die Schnur lief von der Rolle, wie ich es nie zuvor erlebte. Der Bootsdrill war spektakulär, der Wels drehte mit einer enormen Kraft seine Bahnen unter dem Boot. Allerdings musste er sich einige Minuten später geschlagen geben. Natürlich wurde anschliessend die Wallerrute wieder ausgelegt, doch am Morgen bekamen wir  nur noch einen Fehlbiss und dann wurde es auch Zeit, alles zusammen zu packen und den Heimweg anzutreten.

Der Abschied fiel uns beiden ziemlich schwer, waren wir doch die ganze Zeit mit Sonne und Temperaturen bis 30 Grad verwöhnt worden, es  blieb uns leider nichts anderes übrig, als Ulli mit den Riesen des Cassiens allein zu lassen.”

Es war diese Woche im Februar, mit spürbarem Frühlingswetter aber noch recht kaltem Wasser, in der es mir endlich gelang, am Cassien die 20 kg Marke zu knacken.

19,7; 19,5 und 19 kg waren bis dato die gewichtigsten Karpfen aus diesem See und manchmal ist es einfach so, dass es aus irgendwelchen imaginären oder “höheren” Gründen nicht sein soll, warum auch immer, es gibt dafür keine rationelle Erklärung.Am Ball bleiben wurde also belohnt und ist es nicht so, dass zum Angeln auch immer dieser klitzekleine, kaum wahrnehmbare Glücksfaktor gehört?

Das Maul war in bester Ordnung

Manche Gewässer lieben einen von Anfang an, es gelingt einfach alles, sofort. Dann wiederum gibt es Gewässer, an denen muss sich das “Glück”  und die Liebe hart erarbeitet werden. Frust & Zweifel müssen verarbeitet werden, neue Strategien erprobt werden, neue Boilierezepte müssen her, kurz gesagt, eine echte Herausforderung. Hat man Erfolg und fängt, ist der eingeschlagene Weg schon in Ordnung. Nun heisst es, am Feintuning arbeiten und abwarten, das der ersehnte Fisch kommt, irgendwann! Wir haben und hatten mit unserer Fischerei noch nie den Anspruch, immer und überall, die grössten Fische fangen zu müssen! Den Anspruch, den wir aber an uns selbst stellen, ist der, Fische zu fangen und das, so viele wie möglich, in der Hoffnung, einen guten dabei zu haben! Natürlich freuen auch wir uns über grosse Fische, allerdings soll angeln Spass machen und nicht in Leistungsdruck ausarten. Meiner Meinung nach ist es auch völliger Blödsinn und mittlerweile wuchert es in Wahn aus, anglerische Qualitäten, auf die blosse Stückzahl gefangener Grossfische zu reduzieren. 

Zu später Stunde, ich löste gerade einen Hänger, weit draussen im See und hörte diesen unnachahmlichen Ton, der mir vom 2. Pod entgegenschallte. Wirklich ungünstig, gerade jetzt, also hastig zurückgerudert. Es hörte nicht auf, die Rolle lief und lief und lief. Am Ufer angekommen, rasch die Rute in die Hand, ins Boot und Kontakt aufnehmen. Kurze Tuchfühlung- weg, sch....?!

Hm, was hing da noch am Haken? Eine Brasse, übelst zugerichtet. Nein, oder ja, einen einzigen Piep hatte ich, vor ca. 2 Stunden, die Rute lag aber nur in 5 Meter Entfernung und so schenkte ich dieser Aktion keine weitere Bedeutung. Die Brasse musste sich jedoch, schon am Haken festgedreht haben? Sie verharrte wohl stumpf vor Ehrfurcht zitternd, wohl wissend, dass ein mächtiger Räuber ganz in der Nähe auf dem felsigen Grund lauert?

Das wars, eine Woche, 2 Aktionen, schönes Wetter, nette Leute, dicker Fisch, Cassien halt!

So, nun wollen wir einfach mal ausbrechen, ausbrechen aus dieser Monologlangweiliggeschichtenerzählversion!

Boh, was für ein Wortungetüm, nicht schlecht- oder?

Wir wollen uns jetzt einfach mal, in einer Art Dialog oder Diskussion versuchen, schieben die ein oder andere Anekdote noch mit ein und hoffen, dass es gefällt. Vielleicht kommen gar einige nützliche Informationen dabei heraus?! Was wir nicht wollen ist, in diese mancherorts vorherrschende, wirklich nicht mehr auszuhaltende, unsägliche Besserwisserei abzudriften, fürchterlich, kaum zu ertragen!

Ist es nicht trivial, ob Einzelbankstick, Viererauflage, Rod Pod, High Pod, 2 Pods, Edelstahlpod, Goal Post oder einfach nur die gute alte Astgabel? Ist es nicht eine Frage des individuellen Geschmacks, des Geldbeutels, der Laune, des Trends oder was weiss ich was?! Ist es, lieber Leser? Ich persönlich, akzeptiere und respektiere jegliche Variante, mit der Anglerkollegen am Wasser erscheinen, schliesslich blamiert sich jeder so gut er kann und mir ist es dabei auch völlig egal, ob sie von Kopf bis Fuss getarnt sind, Jack Wolfskin tragen oder nackt daher wandeln. Ist es nicht genau diese Vielfalt, unterschiedlichster Angler, aller Herren (Bundes-) Länder, die den Reiz des (Cassien-) angelns auch ausmachen?

Prolet bleibt Prolet, ob in Anzug und Krawatte oder in Advantage Timber und ich frage mich oftmals wirklich, was für Sorgen manche Menschen haben und bin besorgt?! Und ich frage mich tatsächlich, ob es wirklich jemanden gibt, der ernsthaft glaubt, dass ein Einzelbankstick Fische fängt? Wir dachten immer, es wäre der Köder im Wasser. Nun ja, wie man sich doch irren kann und deshalb bin ich jetzt sehr glücklich und dankbar, endlich aufgeklärt worden zu sein (tatsächlich oder nun wirklich oder doch eher nicht?) und genau deshalb lehne ich ihn kategorisch ab und sage: Einzelbankstick? Nein Danke!  

Ist doch herrlich, dass wir über uns selbst noch lachen können, oder? Starker Tobak? Hm, nö, vielleicht wird es beim 2. Lesen verständlicher...

Jetzt aber los, zurück zu unserem Vorhaben, komm Fabian, wir fangen an!

Ulli: Fabian, über den Cassien ist ja mehr oder weniger alles geschrieben worden und auch tausendfach berichtet worden. Im Prinzip ist es doch so, dass alles bekannt ist. Was aber könnten oder sind deine Beweggründe, dieses Gewässer trotzdem immer wieder zu besuchen? Was ist es, was dich reizt?

Achtung: Erhöhte Aufmerksamkeit

Fabian: Natürlich sind es die Fische, weshalb es mich immer mal wieder an den Cassien zieht. Das milde Klima, das türkis-blaue Wasser mit dem Blick auf die Alpen, auch das sind Gründe, dem Cassien den Vorrang zu geben.

Ich liebe das Angeln dort während der Wintermonate, die Temperaturen sind meist angenehm und wenn man die winterliche Tristesse in Deutschland verlassen hat und dort die immergrünen Wälder im „Winter“ sieht,  steigert sich das Allgemeinempfinden ungemein.

Ulli: Die Krüppelkiefern? Ja Fabian, stimme voll zu, wie ich im Part I bereits erwähnte, ist es so, dass kein See der Welt, einem zur Winterjahreszeit einfach das Gefühl gibt, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort zu sein. Oftmals höre ich, wieso nach Frankreich fahren, grosse Fische gibt es auch in Deutschland?! Ja, das ist tatsächlich so, keine Frage.

Auch in deutschen Gewässern ist die Möglichkeit gegeben grosse Fische zu fangen. Doch erstens packt einen immer mal wieder das Fernweh. 2. Ist es das Flair und der Reiz des Neuen. Reisen bildet, auch beim Angeln! Aus jeder Reise nimmt man irgendetwas mit, ein stetiger Prozess des Lernens, der nie aufhört!

Fabian: Du angelst ja gerne auch alleine, also völlig allein, ohne jegliche Angler in der Nachbarschaft. Wie bist du damit am Cassien zurecht gekommen?

Ulli: Ui, ja, man fischt allein einfach konzentrierter, aktiver und effektiver. So versuche ich, einen Cassienurlaub nach Möglichkeit so zu legen, dass der See nicht komplett überbevölkert ist. Ich war erstaunt, über die vielen wirklich guten, netten und vor allem hilfsbereiten Mitangler.

Ich war absolut positiv überrascht, hatte da auch einige Vorurteile im Hinterkopf, die sich aber in keinster Weise bestätigt haben. Positiv empfand ich auch die junge französische Generation der Karpfenangler, unkompliziert & gastfreundlich und mittlerweile nicht mehr bereit, sich im eigenen Land vorführen zu lassen! Insgesamt gesehen: Es hat Spass gemacht!

Ulli: Wir sind ja nun nicht die grossen Cassien-Experten, da gibt es ganz sicherlich viele andere Angler, die sich ihre Sporen an diesem See verdient haben. Wollen wir trotzdem einige Anregungen geben?

Eine echte Bereicherung: Der Rotkopf

Nette Leute am Cassien,me,Marco,Chris & der Ausreisser

Fabian: Ja Ulli, das machen wir. Der Cassien ist bekannt für seine großen Fische, doch auch wenn dort eine hohe Anzahl an Karpfen über 20 kg wiegt, ist es nicht einfach, diese zu fangen und das ganze gleicht meiner Meinung nach einem Lotteriespiel. Viele Leute denken, dass man nur  hinfahren muss und die dicken Fische springen einem  in den Kescher, das ist eine absolute Fehleinschätzung. Viele Angler blanken am Cassien und das sagt nichts darüber aus, wie gut man angeln kann, es ist halt wirklich ein schwieriges Gewässer und die Fische müssen erst einmal gefunden werden.

Oft höre ich auch von Leuten, welche noch nicht lange auf Karpfen angeln, dass sie einen Trip zu diesem See planen, doch kann ich nur jedem raten, erst hin zu fahren, wenn man über einen gewissen Erfahrungsschatz verfügt, denn das Angeln dort ist nicht vergleichbar, mit dem was man von Deutschland so kennt bzw. macht.

Viele haben bei ihrem ersten Trip zum Cassien am Wasser gestanden und wussten nicht, wo sie die Ruten ablegen sollen. Ein anderes Thema ist die mangelhafte Ausrüstung: Zu kleine, bzw. nicht stabile Boote, beim Winterangeln ein schlechter Schlafsack, ein Zelt, welches beim ersten Sturm gleich zusammenbricht oder einfach nur eine undichte Regenjacke. Das Tackle muss wirklich optimiert sein, sonst kann solch eine Aktion schnell zum Höllentrip werden. Man sollte immer bedenken, dass am Cassien oft starker Wind herrscht, aber es kann auch zum Mistral kommen und dann gibt es nichts mehr zu lachen.

Genau so ist es mit dem Regen, manchmal fängt es dort an zu Regnen und hört erst nach drei Tagen wieder auf, da sind schon so einige Leute, im wahrsten Sinne des Wortes „abgesoffen“. Was wir auf jeden fall empfehlen können, sind wasserdichte Packsäcke, wie sie im Outdoorhandel angeboten werden. In diesen kann man wichtige Utensilien, wie Fotoapparat, Schlafsack und Anziehsachen sicher und trocken verstauen.

Gutes Teamwork, Marcel und Fabian

Schön!

Ulli: Ha ha Fabian, ich wusste es bei meinem ersten Besuch auch nicht, wo ich ablegen sollte...Aber ist es nun mal nicht so, dass man irgendwann überall zum 1. Mal ist? Und Erfahrung auch nur am Wasser sammeln kann? Zu Anfang des Frankreich Hypes dachte ich auch immer, was wollen die da alle nur? Sollen doch erstmal in Deutschland Fische fangen! Das sehe ich heute komplett anders, Reisen bildet, auf den Reisen werden Erfahrungen gesammelt, nicht am heimischen Vereinstümpel, den man schon urzeiten beangelt. Sicherlich ist es von Vorteil, wenn eventuell ein erfahrener Angler einem das so ein bischen zeigen kann, doch es schadet auch nicht, einfach mal loszufahren und sich selbst versuchen durchzubeissen. Elementare Kenntnisse sollten selbstredend schon vorhanden sein!

Zu dem Punkt schwierige Gewässer, habe ich eine ganz eigene Meinung. Mal einfach in den Raum gestellt, gibt es heute noch einfache Gewässer, anspruchslose Paylakes mit geklauten Fischen mal aussen vor gelassen?

Oder Bemühen wir die Statistik! Nehmen wir mal an, du angelst am Ebro und fängst 60 Karpfen in 2 Wochen, der grösste ist 17,5 kg. Jetzt nehmen wir mal an, du angelst am Cassien 2 Wochen und fängst einen Karpfen mit 24,7 kg.

Frage nr. 1: Wo ist es schwieriger, einen 20 kg Fisch zu fangen?
Frage nr. 2: Was ist schwieriger, 60 Karpfen am Ebro zu fangen oder einen am Cassien?
Frage nr. 3 nur rein rethorisch: Was macht mehr Spass?

In den Ausrüstungsfragen stimme ich dir voll & ganz zu! Stabilität & Funkionalität sind die entscheidenden Faktoren und weniger ist mehr!

Französischer Landwein - unbedingt probieren

Wasserstand hoch- viele Plätze nicht oder

nur eingeschränkt befischbar

Fabian: Reisen bildet, da hast du ganz Recht und am heimischen Tümpel versauert man, doch sollte man nicht gleich von null auf hundert gehen. Man kann ja erstmal damit beginnen, innerhalb Deutschlands zu reisen und so Erfahrungen sammeln.

Ausserdem benutzt du das Wort „Urzeiten“, genau das ist der springende Punkt, denn nur, wenn ich seit längerer Zeit fische, habe ich einen gewissen Erfahrungsschatz, der mir bei einer Auslandstour hilfreich sein kann und wenn ich erst zehn Karpfen in meiner kurzen Angelkarriere gefangen habe, muss man dann schon an ein Gewässer wie den Cassien fahren?

Anspielen möchte ich hiermit auf einen Reise-Hype, der durch die Angelmedien hervorgerufen wird und durch den Anfänger dazu verleitet werden, vorschnell an Gewässer zu fahren, an denen sie verzweifeln können!

Ja, hinter deinen drei Fragen steckt wieder der unbändige Wille, zu so später Stunde noch philosophieren zu wollen, das bekomme ich jetzt nicht mehr auf die Reihe! Das aber holen wir das nächste mal am Wasser nach, wenn die Ruten auf den Plätzen liegen, bei einem Gläschen fruchtigen Rotwein!

Natürlich stehen die Chancen, an einem Gewässer wie dem Cassien deutlich höher, aber letztendlich braucht man einfach nur die Extraportion Glück und dann ist es völlig egal wo man fischt...

Schalke-Stuttgart live am Handy - Danke Matze!

Ulli: Hm, du meinst deine Krabbelgruppe?! Hoffentlich haben wir keinen allzu grossen Anteil an diesem “Reise-Hype” ...

In dem Zusammenhang mit schwierig und einfach, erinner ich mich immer gern, an die wirklich gute, ins Trivialuniversum abgeglittene Diskussion mit Wörner und vielleicht überrede ich ihn mal, so in etwa in dieser Form, eine öffentliche Debatte, so nach dem Motto “Ich weiss, das ich nichts weiss” oder “Was ist  gerecht, was ist gut” über “schwierig und einfach” beim Karpfenangeln zu führen!

Nun gut, wir wollen es jetzt nicht auf die Spitze treiben, auch wenn wir gerne wollten!

Nur ganz kurz noch ein Satz dazu: Jeder gefangene Fisch verdient Anerkennung, egal wo auf dieser Welt gefangen und egal, ob wir den Fänger mögen oder nicht! (Ausgenommen Paylakes mit geklauten Fischen- Ätsch!)

Fabian: Ebenfalls einzigartig ist auch die Tierwelt in Südfrankreich und wenn man diese zum ersten mal erlebt, kann man schon das ein oder andere mal etwas erschrocken reagieren, ist doch alles etwas größer, als zu Hause.

Das fängt ganz harmlos bei den Ameisen an, doch gibt es dort noch riesige Kröten und Spinnen. Gerade auch im Steilufer, wird man Nachts des Öfteren von Wildschweinen besucht und durch die hohe Anzahl an Anglern, sind die Tiere schon sehr an den Menschen gewöhnt.

Da gibt es zum Beispiel Erlebnisse mit Füchsen, die tagsüber ins Zelt schleichen und mal was zu Essen suchen.

Im Sommer kann man auch viele kleine bunte Wasserschlangen sehen, welche bei unserer Junisession leider noch nicht so aktiv waren. Allerdings gibt es dann noch die Tiere, auf die man gerne verzichten kann.

Ich denke da vor allem an die zwei Skorpione, die in meinem Zelt Unterschlupf gesucht haben.

Wirklich toll fand ich den Rotkopf, der mir auf dem „Rotkehlchen“ – Platz Gesellschaft geleistet hat.

Wie siehst du das? Hattest du auch Kontakt mit Skorpionen und welche Tiere haben dich am Cassien schon immer beeindruckt, ausser den Karpfen natürlich?

Ulli: Nun hatte ich dieses Jahr, erstmalig das Vergnügen, diesen See im Frühling und zu sommerlicher Jahreszeit befischen zu können. Da ich sonst nur im Spätherbst oder im Winter am Cassien fischte, bekam ich die Tierwelt nicht ganz so eindrucksvoll mit.

Beeindruckend auf jeden Fall die Skorpione, die ich niemals zuvor in freier Wildbahn erlebte. Wäre auf jeden Fall interessant, mal zu erfahren, wie oder ob diese giftig sind? Auch der Rotkopf war klasse und auch die vielen bunten Eidechsen.

Wir hatten mit unseren Fischen Glück, alle waren makellos, ohne irgendwelchen Verletzungen, Drillspuren oder sonstiges. Gerade im Cassien soll es aber auch das krasse Gegenteil geben. Ist das, das Los der Fische in überangelten Gewässern?

Fabian: Mit unseren Fischen hatten wir zwar Glück, ja, aber leider gibt es die „verangelten“  Fische in vielen Kultgewässern.

Aber auch in normalen Gewässern sind sie zu finden. Machen kann man dagegen bei der Vielzahl an Anglern fast nichts, ausser stets darauf hinzuweisen, das man doch versuchen sollte, das Material auf die Platzverhältnisse anzupassen und selbst dann, kann immer noch was schief gehen.

Es ist immer besser, Fische bei Hindernissen vom Boot aus zu drillen, versuchen Abrisse zu vermeiden, so dass keine beköderten Montagen auf dem Gewässergrund zurückbleiben.

Ein anderes Beispiel ist, an Steiluferplätzen möglichst die Fische nahe am oder im Wasser zu versorgen. Eine dicke, sichere Abhakmatte sollte selbstverständlich sein. 

Ulli: Das sind ganz wichtige Punkte, es sollte auch unbedingt vermieden werden, dass das Gewicht der Fische, beim Wiegen auf einer umgeklappten Flosse liegt, damit diese nicht beschädigt wird.

Auch das Schlagen der Fische auf der Matte, kann man meistens mit einem nassen Sack über den Augen etwas mildern. Denn auch auf der Matte, können sich Karpfen, wenn sie heftig schlagen, verletzen.

Eine Sache, die mir immer wieder auffällt ist, bitte dem Fisch Wasser über den Körper giessen, diesen nicht an trockene Kleidung zu sich herandrücken und schon gar nicht an Fleece Pullis, das sieht man selbst auf Videos, schrecklich, ich traute meinen Augen kaum! Klar möchte ein Angler schöne Fotos, doch bitte so kurz wie möglich, nicht 30 Fotos von 20 Pfündern, muss das sein?

In Paparazzimanier schon wieder 2 erwischt...

Tackleoptimierung-nur noch ein Boot

Ulli: Nun zum Schlussakkord, Dur oder Moll? Wir haben ja nun unten die neuen Regeln aufgeführt. Was meinst du, hat die Angelei am Cassien noch eine Zukunft oder sind das die Vorboten für eine Stillegung der Karpfenfischerei am Cassien in seiner aktuellen Form?

Fabian: Das liegt ganz klar daran, unter welchem Aspekt man die Geschichte betrachtet. Im Bezug auf die Fische, hat der Cassien auch in Zukunft noch viel zu bieten, werden doch jedes Jahr große Mengen an Karpfen aus besonders schönen Zuchtformen besetzt ( Zeiler, Fully- Scales, etc…), dann gibt es ja auch noch einige Koi´s im See, von den vielen großen Karpfen, welche natürlich noch weiter wachsen, ganz zu schweigen und wie man gemerkt hat, ist das Wallerangeln auch interessant!

Das alles sind Gründe, auch weiterhin zum Cassien zu fahren. Doch vom Aspekt des Angelns betrachtet, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.

Ein Faktor, welcher immer nervt ist, dass man meist nicht die Plätze befischen kann, die man gerne möchte. Der Angler ist in seiner Freiheit irgendwie eingeschränkt.

Dann kommt noch die Kosten/ Nutzen- Rechnung dazu, d.h. man investiert eine Menge Zeit und Geld für solch einen Trip aber hat nicht die Gewissheit, überhaupt was zu fangen, die hat man zwar nie, allerdings ist ein Blank innerhalb Deutschlands viel günstiger :-)

Eine weitere Rolle spielen die Verbote, natürlich macht es Sinn, die Ruten mit dem Boot rauszufahren und wie soll man ohne Gaskocher 14 Tage überleben?

Diese Verbote sind meiner Meinung nach Schikane, um Angler vom See zu vergraulen. Allerdings gibt es sie und das macht das Angeln nicht angenehmer, denn man fühlt sich auf Schritt und Tritt beobachtet, nicht wahr Ulli?

Ob diese Verbote dazu führen, dass das Karpfenangeln am Cassien bald Geschichte ist, wage ich zu bezweifeln, denn diese Verbote gibt es nun schon seit ganz vielen Jahren und geändert hat sich nichts, ausser vielleicht das Verhalten mancher Angler und wenn diese Leute, ihre Schnüre nicht mehr auf 300 m Distanz durch den See ziehen, dann hat es ja sogar was gebracht. Denn das ist es doch, warum überhaupt solche Gesetze entworfen werden.

Ein freundlicher Umgang mit den einheimischen Anglern, ist immer hilfreich und vielleicht ist eines Tages, ein neuer Fischereipräsident im Amt, welcher sagt: „Was habt ihr  für Probleme mit den Karpfenanglern, sind doch alles nette Leute?!“

Wenn dieser jemand auf Grund positiver Erfahrungen, in solch ein Amt kommt, dann wird er sich bei der Gesetzerschaffung mehr Gedanken über deren Inhalt machen.

Das einige der Regeln wirklich nützlich sind, muss man natürlich auch sagen. So sollte doch jeder in der Lage sein, eine kleine Schaufel dabei zu haben und diese auch zu benutzen!

Ferner ist für die Raucher ein Aschenbecher von Nutzen und die Kippen sollten nicht brennend weggeschmissen werden, denn durch so etwas entstehen Waldbrände, nicht durch Gaskocher! (generell bin ich der Meinung, dass Spaten und Aschenbecher überall zum Standard- Tackle gehören sollten!!!)

Mein Fazit über den Cassien ist, dass ich immer gerne dort gefischt habe und auch in Zukunft weiterhin dort angeln will, denn wie heißt es doch so schön: Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn – und ich liebe ihn!

Zur Abwechslung mal wieder ein Schuppi

Regen, Regen, Regen

Ulli: Für mich steht auch ganz klar fest: Trotz vieler negativer Begleiterscheinugen, fahre ich immer mal wieder gerne zum Cassien. Mein Hauptaugenmerk lege ich jedoch auf andere Gewässertypen. Jedoch, sehe ich schon die Vorboten kommen, mit den, für ein Karpfenkultgewässer, doch recht ungewöhnlichen Verboten. An anderen Gewässern fing es ähnlich an und ging dann recht schnell.

Den Südfranzosen zolle ich auf jeden Fall höchsten Respekt, dass sie es überhaupt, so lange über sich ergehen lassen haben, was vielleicht auch an deren Mentalität liegt?!

Man möge sich den Cassien in Deutschland vorstellen und sich bitte diese Geschichte selbst beantworten!

Wir alle sollten dazu beitragen, dass ein Angeln in unserem Stile, auch morgen noch möglich ist, nicht nur am Cassien, sondern überall!

Puh, das war es, jede Menge Text, Fabi, hat es Spass gemacht?

Fabian: Es war wirklich unglaublich viel Arbeit und wenn unsere Leser sich gut unterhalten fühlten und jemand etwas Nützliches aus diesen Ausführungen gewinnen konnte, hat es sich gelohnt!

Wir hoffen das und freuen uns jederzeit über Anregungen, Diskussionspunkte, konstruktive Kritik, Lob und Grüsse im Gästebuch!


Tight Lines

Fabian & Ulli

PS: Das nächste mal, wenn wir die gaaaaaaanz Dicken am Cassien gefangen haben, wird es bestimmt nur ne Fotostrecke geben, ganz bestimmt...

Marcel mit klasse Schuppmann

Liebe Grüsse an:

Janusz- und Glückwunsch zum 60 er aus dem Cassien (wo bleibt das Foto für uns?)
Schmidti & Friends- sehr bedauerlich, dass ich die fränkischen Rouladen nicht mehr probieren konnte, holen wir das nach?
Chris, Marco & den Ausreisser- treibt es nicht zu “Dicke”!
Den jungen Studenten aus Hamm- Kopf hoch, beim nächsten Versuch klappt es!
Mark & Linda- All the best, greetings from germany and tight lines
Micha & Tackle -
Wo blieb die Fangmeldung? Da müssen doch Fische sein...?!
Marcel & Sabrina
- Danke für die hervorragende Bewirtung!
Die Heidelberger Tackleminimalisten
Robert aus Regensburg
Lars-
dem wir auch für einige gelungene Bilder danken
Matthias- nicht nur für die königsblaue Telefonkonferenz, sondern auch für jegliche Hilfen!
Martin- für alle Infos rund um den aktuellen Bundesligaspieltag
Corinna- für die vielen entbehrlichen Stunden, die sie selbstlos & nicht klagend hinnimmt und deshalb ist sie mein bisher grösster “Fang”!

und alle, die uns wohlwollend begegnet sind...
 

Original Text eines Flyers, welches allen Anglern am See, am Wochenende vor dem Nachtangelverbot im Juni 2007 übergeben wurde.

Die “Steilufersprotte”

   Angelbedingungen auf Karpfen am Lac de St. Cassien

- Jeder Angler muss einen gültigen Angelschein besitzen
- Das Angeln in der Nacht und das Nächtigen am See de St. Cassien ist vom 11. Juni bis 7.September       einschliesslich verboten
- Das Angeln auf Karpfen ist oberhalb des Ruderhauses vom 1. Januar bis 30. Juni jeweils einschl.          verboten
- Das Angeln vom Boot aus ist verboten. Es darf nur vom Ufer aus mit einer Angelrute geangelt werden
- Die gefangenen Karpfen müssen unmittelbar nach dem Fangen und eventuellem Fotografieren in den See        zurückgesetzt werden
- Das Zurückhalten der Karpfen und deren Transport ist strengstens verboten
- Während des Angelns muss jeder Angler seine Angel im Auge behalten
- Der Angelplatz muss sauber hinterlassen werden
- Die Angler werden gebeten ihre Notdurft zu vergraben
- Das Feuermachen und die Benutzung eines Gaskochers ist verboten
- Hunde müssen an der Leine gehalten werde

Alle Personen, die diese Regeln nicht beachten; riskieren eine Strafe, die durch die Aufsichtspersonen erhoben werden kann.

Für umfangreichere Informationen kontaktieren sie die Fischereiförderation von Var: 0494-690556 oder www.fedepechevar.com

Wir rechnen mit ihrem Bürgersinn, damit der See von St. Cassien sein mythisches Bild behält!

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