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Part II  Warum wir nie an Pay-Lakes angeln würden!

oder unsere Interpretation des Karpfenangelns...

Es war dieses Sonderheft Stippen, in dem ich damals las wie in einer Bibel. Wahre Cracks wie Wolf-Rüdiger Kremkus, Jean-Pierre Fougeat, Milo und Trabucco gaben tiefe Einblicke in ihre Passion. In sehr unterhaltsamer Manier gab es Rückblicke vergangener Weltmeisterschaften mit Interviews der Protagonisten, in denen sie den Laien in ihre Techniken und Taktiken einweihten. Hochinteressant und amüsant geschrieben.

In jeder Zeile und mit jedem Buchstaben spürte man die Leidenschaft und Kompetenz der stippangelnden Elite. Ich erinnere mich genau, es ging beispielsweise um eine Zutat für weltbestes Rotaugenfutter im kalten Wasser, Taubenkot! Klaro musste ich das ausprobieren, bedauerlicherweise gab es abgepackten Taubenkot damals nicht so einfach beim Tackledealer um die Ecke zu kaufen.

Also kratzte ich den Kot vom Boden eines Taubenschlags, mahlte ihn in der Kaffeemühle staubfein und mischte ihn ins Stippfutter. Zugegeben, keine schöne Angelegenheit, jedoch gerieten die Rotaugen auf meinem Futterplatz geradezu in Ekstase! Ungewöhnliche Massnahmen, ungewöhnliche Erfolge, nur, man muss es probieren! Auch experimentierte ich damals gern mit Gewürzen unterschiedlichster Art, sei es Koriander, Fenchel, Curry, Lebkuchen oder ähnliches und es stellte sich schnell heraus, dass bestimmte Fischarten schon die ein oder andere Vorliebe haben. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Konsistenz des Futters, leichtes breischwammiges für Oberflächenangeln auf Ukelei oder festes, mit Lehm oder Kies beschwertes Brassenfutter am Fluss. Man musste also das Gewässer und die Fischarten schon sehr genau kennen, um am glorreichen Tag mit perfekt abgestimmten Futter glänzen zu können. Aus dieser Zeit erhielt ich folgende Kriterien als “must be” ohne jegliche Diskussionen bis heute aufrecht: Frische Mehle, oftmals mahle ich diese sogar selbst. Hochwertige Zutaten, was nicht heisst, das ein Kilo Mix 10 Euro kosten muss.

Auch versuche ich immer, meine Boilies dem zu beangelnden Gewässer kategorisch anzupassen. Es macht mir Spass, mit Futter zu experimentieren und dieses zu perfektionieren. Es ist auch gar nicht so schwer und man muss dieses Thema ganz bestimmt nicht aus ernährungswissenschaftlicher Perspektive betrachten. Es gibt auch sehr gute Fertigmixe zu kaufen, die sich noch etwas veredeln oder den Gewässerbedingungen anpassen lassen. Es käme für mich niemals in Frage, eine Tüte Fertigboilies zu kaufen! Ich habe den Anspruch, den für meine Angelei besten Boilie im Wasser zu haben und den, kann ich nur selbst drehen. Ob er es denn dann auch tatsächlich ist, werde ich selbstredend nie mit Gewissheit erfahren, jedoch ist der Vertrauensfaktor erfüllt und auch bei einem Blank zweifel ich an allem aber bestimmt nicht am Boilie!

Also, fassen wir zusammen, gutes Futter ist ein enorm wichtiger Faktor auf dem Weg zum Erfolg. Wir können gute Fertigmixe kaufen, diese noch selbst veredeln oder aber wir haben Spass daran verschiedene Mixturen auszuprobieren und dem jeweiligen Gewässer perfekt anzupassen und mischen komplett selbst. Ein Fertigboilie kommt für uns nicht in Frage, denn in den meisten Fällen kaufen wir echten Schund und in den haben wir kein Vertrauen, schliesslich wollen wir Fische fangen!

Jetzt aber los, standen wir eben noch schwer schuftend und schwitzend in der Boilieküche, ist es nun endlich soweit, dass wir die neuen Wunderkugeln an den Karpfen bringen können. Einen wesentlichen Bestandteil des Erfolges haben wir mit dem guten Futter im Gepäck bereits erledigt. Ein weiterer ist unser Instinkt. Leider eine Gabe, die einem mehr oder weniger auch so ein bisschen in den Schoss gelegt wird. Es gibt dieses übersinnliche beim Angeln, dieses magische, unerklärlich mystische, nicht in Worte zu fassende gewisse Etwas. Auf der Insel heisst es watercraft, abgeleitet von witchcraft, was so viel wie Hexerei bedeutet. Sei es nun Hexerei, Glück oder wie auch immer, auf jeden Fall sollte man versuchen, ein Gewässer zu lesen und intuitiv spüren, was in ihm so vor sich geht. Wir sind fast angekommen, ein letzter scheuer Blick, es nieselt, furchtbar, keine schöne Aussicht, im Nassen aufzubauen?!

Oft ist es so, dass ich mir 2-3 Stellen anschaue und dann entscheide. Die Wahl des Angelplatzes ist natürlich ein weiteres ganz wichtiges Kriterium, hatten wir gestern noch Erfolg, bleiben wir heute möglicherweise Schneider. Ich las einmal einen Artikel über Flussfische, in dem der Autor schrieb, dass diese dumm sind, in meinen Augen ein völliger Trugschluss und absoluter Blödsinn.

Flusskarpfen nutzen die ihnen zur Verfügung stehende unendliche Weite sehr geschickt aus. Sie merken es unverzüglich, wenn ihnen zu nah auf die Pelle gerückt wird und suchen dann schleunigst das Weite. Man sollte eine aussichtsreiche Stelle nicht überstrapazieren. Auch dieses unnachahmliche Plopp eines Futterkorbes verbinden die Fische recht schnell mit Gefahr und so empfehle ich bei übermässigem Plopp, die Uferseite zu wechseln oder gar ganz zu verschwinden.

Auch die Meinung lieber mehr, dafür minderwertiges Futter, hält sich hartnäckig in den Köpfen zahlreicher Sinnesgenossen. Ein Trugschluss, jedoch sollte jeder auf seinen eigenen Erfahrungen aufbauen. (Wobei minderwertig genau zu definieren wäre, ich meine den 25 kg Restesack für 49,-- €)
Ich selbst würde nie auf die Idee kommen, minderwertiges Futter einzusetzen, wäre doch wirklich jammerschade, wenn die schönen dicken Flusskarpfen unsere Boilies ignorieren und einfach weiterziehen. Klar werden wir das nie im Detail erfahren, ich jedoch betrachte billiges Futter als verpass(tzt)e Chance! Allerdings bestimmt ein jeder seinen Einsatz selbst und genau das, bekommt er auch irgendwann wieder heraus!

Wir werfen einen kritischen Blick über den reparaturbedürftigen Weidezaun und entschliessen uns für Weiterfahrt. Vorbei an glücklichen Kühen, artgerecht gehalten und mit gesunder Milch prall gefüllten Eutern. Ja, dafür geben wir doch gern 10 Cent mehr pro Liter aus! Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, eine weite Marschenlandschaft mit vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Strukturen und teilweise hohem Waldanteil. Heide und Moore sind für diesen Flussabschnitt ebenfalls charakteristisch.

Traumhaft schön und perfekt in die Landschaft eingebettet schlängelt sich das Wasser in seinem natürlichen Flussbett unaufhaltsam seiner Bestimmung entgegen. Hier wollen wir bleiben und die Nacht verbringen. Furchtlos und entschlossen versuchen, diesem magischen Wasser einen seiner Schätze zu entlocken!

Dieser ufernahe Lebensraum für Tier und Pflanze, alles undurchdringlich zugewuchert, zeugt davon, dass hier wohl noch nie ein Bivi stand. Behutsam bauen wir auf, vorwärts, Ruten raus und abwarten, ob unser Riecher bestätigt wird.

Hier hüpft Coco´s grosses Pferdeherz höher

Pustekuchen, nix war es mit fangen wie im Traum und krummen Ruten. Nix, kein Piep, nicht mal ein Weissfisch, kein gutes Zeichen.

Frühstücken und weiter geht`s, einpacken und volle Kraft voraus.

Vorbei an endlosen Wiesen, argwöhnisch beäugt von neugierigen Pferdeaugen. Zu unserer linken eine Schafherde, die sich schiedlich friedlich an saftigen Gräsern labt. Ja, hier ist die Welt noch in Ordnung, hier sagen sich Fuchs & Hase gute Nacht! Wofür entscheiden wir uns, rechtes Ufer? Oder linkes? Wir studieren den Flussverlauf, überlegen, Strömungsverhältnisse, hm, Innenkurve, Aussenkurve? Ok, wir probieren es und sitzen eine weitere Nacht an.

Morgens um 7 dann die Erlösung, Dauerton und ein schöner Schuppmann landet im Kescher. Schnelles Bild und noch ein Stündchen weitergeschlafen. Aktives Flussangeln ist anstrengend, nix für kleine Jungs, immer auf der Suche, rastlos, dem Erschöpfungszustand nahe und über jedes Stündchen Schlaf dankbar.

Ein weiterer Run kurz vor 9, ein kompromissloser Kampf in harter Strömung und nach 20 Minuten kescher ich einen langen, muskulösen Spiegler. Ein spannender Drill, der dem Gerät und dem Angler einiges abverlangt. Wer hier mit leichtem Geschirr unterwegs ist, bleibt 2. Sieger.

Die Fische kennen ihr Revier, schubbern am Ufer an der mit Muscheln übersähten Steinpackung entlang und reissen in wilden Fluchten Richtung Strommitte immer wieder die mühsam abgerungenen Meter Schnur von der Rolle.

keine Kraft mehr!

Ein Spektakel sondergleichen! Endlich liegt er besiegt auf der Matte, ein echter Traumfisch! Ich freue mich, schnell das Stativ aufgebaut und ich bekomme den 37 er nach dem kräftezehrenden Drill nicht mehr gehoben, egal, mir reichen ein zwei Bilder und es heisst Abschied nehmen.

Nun wird es Zeit, Corinna wartet, die Sonne wird auch ohne mich untergehen, obwohl es immer ein liebreizender Anblick mit betörender Wirkung ist und ich wohl auch den 1000 Sonnenuntergang mit voller Hingabe fotografiere.

Ein irres Wochenende am Fluss klingt aus und der Abenteuerhunger ist für kurze Zeit erstmal gestillt.

Das mysteriöse, rätselhafte, unergründliche und unerforschliche ist es, was mich immer wieder gerne an die hiesigen Flüsse zurückkehren lässt. Es müssen aber nicht immer die grossen Ströme Europas sein, nein, auch die auf der Landkarte als unbedeutend erscheinenden Fliessgewässer halten Schätze für uns bereit. Einige hübsche Bilder hat uns unser “alter” Horst freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Auch Horst ist jemand, dem es nie im Traum einfallen würde, es sich an irgendeinem langweiligen Pay-Tümpel gemütlich zu machen, um möglicherweise die Brötchen am Wasser serviert zu bekommen.

Ein heimatnaher Fluss, der es mit den Fischgewichten eines Neckars oder Rheins nicht aufnehmen kann, trotzdem hat das Angeln dort durchaus seinen Charme! Im idyllischen grün eingebettet, schlängelt sich auch dieser Fluss durch die Landschaft. Auch hier müssen unsere Freunde erstmal gesucht, gefunden und natürlich gefangen werden.

Wohlproportonierte Spiegelkarpfen und kampfstarke Schuppies können Lohn intensiver Bemühungen sein. Wer es einmal hautnah miterlebt, wie diese wilden Flusskarpfen ihre enorme Kraft an gekrümmter Rute entfalten, wird es so schnell nicht wieder vergessen.

Ganz egal, ob Rhein, Neckar, Main oder Ruhr, Flusskarpfen sind anders, sie wollen gefunden, entdeckt und intelligent beangelt werden. Sie, die Flusskarpfen, zu Hause in den unendlichen Weiten des strömenden oder langsam fliessenden Wassers sind heute hier und morgen da. Sie sind Nomaden, die imstande sind, die grenzenlose Freiheit, die Weite, die ganze Dimension des ihnen zur Verfügung stehenden Territoriums für sich auszunutzen. Ihr Hoheitsgebiet möchte explizit erkundet werden. Macht man sich einmal auf die Suche, ist es eine Suche, die höchstwahrscheinlich nie endet! Das Unüberschaubare, das Mysterium, das Rätsel, das Geheimnis, welches unsere Flusskarpfen umgibt, wollen wir lösen und entdecken.

Die unwiderstehliche Ausstrahlung, der Reiz des Verborgenen, geheimnisumwittert, undurchdringlich, unergründlich, abstrus und nebulös und nur schwer zu erforschen und genau das ist sie, die Verlockung, die Verführung, die Anziehungskraft, die Attraktivität die sie verbreiten, die Flusskarpfen, deren Versuchung wir erlegen sind, wie sonst der des ewig lockenden Weibes, welches ebenso eingenommen, erkämpft und erobert werden möchte. Im Stile einer Diva, immer launisch und stets unberechenbar! Wir unterwerfen uns ihren Zugrouten, sind Unterjochte, Unterdrückte, geknebelt und gefangen in der Heimlichkeit dieser Fische. Ein ebenbürtiger Partner, dem wir Respekt zollen und in einer atemberaubenden, nie enden wollenden Jagd versuchen auf die Schliche zu kommen...

Unendliche Freiheit am Fluss...

Man kann diese Sätze auch als Hommage an unsere Flusskarpfen verstehen, denn genau so sind sie auch gemeint. Christoph hält rechts den verdienten Lohn intensivster Bemühungen in Händen.

Ein kolossaler Schuppmann mit stolzen 21 kg. Ein Fisch, wie man ihn nicht alltäglich fängt und Christoph ist auch einer dieser Auserwählten, Erkorenen, die dieses “gewisse Etwas” welches der Brite mit watercraft bezeichnet sein Eigen nennen darf.

Manchmal sind es diese klitzekleinen, unscheinbar und unbedeutend wirkenden Belanglosigkeiten, die über Sein oder Nichtsein entscheiden. Ein Mancher schiebt sie als Bagatelle, Geringfügigkeit oder Nichtigkeit beiseite und erkennt den Sinn nicht. Es ist jedoch immer besser, dass ein jeder weiss oder wissen sollte was er denn da treibt und einsetzt und vor allem auch warum!

Phantasieloses angeln oder mal was gelesen zu haben und nachzuahmen, ohne Hintergründe zu kennen, ist nicht wirklich nachhaltig und eher kontraproduktiv und führt in der Regel zu Misserfolg und Frustration.

nur fliegen ist schöner...

Christoph hat es: Watercraftkarpfen mit 21 kg!

Nebensächlichkeiten beachten und genau beobachten!

Nette Überleitung zu Punkt 3: Technik!

Ein jeder, der mich etwas besser kennt, weiss auch, dass mein Motto eher “keep it simple” ist. Klar gibt es Gewässer, die einen etwas tieferen Griff in die Trickkiste erfordern, meistens reicht aber Standard.

Idylle am Fluss

Hauptaugenmerk lege ich auf Zuverlässigkeit und Haltbarkeit, beispielsweise gewissenhaft gebundene Knoten. Halten muss das Material, halten, gebrochene Haken sind bei mir mittlerweile Schwachstelle Nr. 1! Ja, ja, sehr ärgerlich, wenn man einen Schlitzer vermutet und am Ende nur noch der halbe Haken am Vorfach baumelt. Eher als Belustigung nehme ich beispielsweise das Fox Rig-Book zur Kenntnis (die wollen für diese Dauerwerbelektüre auch noch Geld?)

Immer wieder nett festzustellen, mit welcher Kreativität die Briten innovative Rigs basteln, an deren Ende dann der Karo-Einfach Nash Fertigboilie baumelt! Ein Köder muss dem Fisch schmecken, er muss in Gier, ja, beim Fressen verzückt sein und geradezu in Ekstase geraten, so dass er jegliche Scheu verliert...

3. Rindersorte Kuh stillt Kalb

Stolzer Binnenschiffer

Schon irgendwie merkwürdig, darf ich meinen Lesern verraten, dass ich in meinem Leben noch nie ein D-Rig gefischt habe? Hoffentlich nimmt mir das keiner krumm, aber keine Bange, ich bin schon “state of the art” wende es aber nur an, wenn es tatsächlich unbedingt sein muss!

Nur soviel: Ein Angler sollte in der Lage sein, zu erkennen (und auch wissen warum!!!) er wann welche Technik zu seinem Nutzen einsetzt!

unvermindert blasender Wind am Fluss

Weniger ist mehr!

Schwanenkolonie

Wir haben jetzt also erfahren, dass es 3 Dinge braucht, die mühsam in Einklang gebracht werden müssen, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Die da wären: Gutes Futter, Instinkt und Technik! Schaffen wir das, klappt es auch ganz bestimmt mit den Karpfen. Mit viel Enthusiasmus und echter Begeisterung ist auch Anwar mit seinen Freunden am Werk, das Geheimnis der Flusskarpfen zu entschlüsseln. Ich habe mich über die e-mail vom 11.Juli sehr gefreut! Ein 24 kg Spiegelkarpfen, gefangen in potenter Rheinstömung verdient wahrhaftig Respekt & Hochachtung!

Martin mit dickem 24 kg Rheinspiegler

Ein ausserordentlicher Fisch, zu dem ich nachträglich auch dem Fänger meine Anerkennung ausspreche! Echte Freude & Emotionen beim Angeln, deutlich zu erkennen im linken Bild!

Super, einen Glückwunsch Richtung Martin & Anwar! Eine imposante Belohnung für beschwerliche Arbeit und unbarmherzige Plackerei, Quälerei und Schinderei! Wie weggeblasen sind sie, die mühseligen Stunden der Anstrengung und Knochenarbeit, beim Betrachten eines solchen Fotos!

Unberechenbar sind sie, unsere Flüsse! Gigantische Wassermassen, immer in Bewegung, launisch, unkalkulierbar und empfindlich mit ständig wechselnden Wasserständen und Bedingungen. Es schlaucht und kostet enorm viel Kraft und Energie, eine ganze Saison hartnäckig am Fluss zu angeln, bleiben dann noch Erfolgserlebnisse aus, ist die Frage nach dem Sinn einer solchen Tortur schnell gestellt. Ja, ja, im nächsten Jahr, da machen wir alles anders und bereits nach 2-3 missglückten Versuchen sitzt man wieder da, wo es vorher doch so schön funktioniert hat...

Flusskarpfen wollen erarbeitet werden, viel Angeln wenig Fisch, dafür aber die Gewissheit, zu jeder Zeit einen wahren Giganten erwischen zu können.

Wer diesen Leidensweg einschlägt und all diese Strapazen auf sich nimmt, es konsequent und unaufhaltsam immer wieder versucht, der wird eines Tages den Lohn, die süssen Früchte in Form von atemberaubenden Drills und kapitalen Karpfen ernten.

Sommerhöhepunkt mit 26,3 kg

Unsere Reise neigt sich dem Ende und der geneigte Leser, der es bis hierhin ausgehalten hat, wird sich eventuell fragen, was es denn nun mit unserer provokativen Headline auf sich hat?

Ich denke, dass im Part I bereits in aller Deutlichkeit die angeprangerten Missstände zur Sprache kamen.

Dem angesprochenen Personenkreis und denjenigen, die an diesen Pay-Lakes mit Fischen zweifelhafter Herkunft angeln, ist eh nicht mehr zu helfen, wat solls, sollen sie doch...

Es scheint so, als gingen mir langsam die Meilensteine aus. Ein Meter Zander wäre noch so einer, auch ein Albino Wels, ebenso ein kapitaler  deutscher Flusswels und dann wäre da noch ein gaaaaanz besonderer Karpfen, den ich noch unbedingt gerne fangen möchte...

Also doch noch einiges an Wünschen vorhanden, wäre ja auch jammerschade.

Sehr schön, wie man sich das selbst rechtfertigen kann und neue Ziele, Wünsche kreiert. 

Eine anmutige Anekdote zum Abschluss:

Unverhofft kommt oft! (gerade an Fliessgewässern)

Da angelte ich doch am Rhein immer gerne auf diese Graskarpfen und einer meiner Meilensteine und geheimsten Wünsche war ein Graser mit über 20 kg! Es war mir aber einfach nicht vergönnt, ein solch kapitales Exemplar in Händen halten zu dürfen.

19 kg sind nicht 20 und so kescherte ich zufällig des Morgens einen ca. 17 kg Graskarpfen. Der Fisch im Kescher und die nächste Rute meldete Biss, schnell den Haken gelöst, Graser auf Nimmerwiedersehen verabschiedet und hastig zur Rute.

Der Drill dauerte knappe 30 Minuten, das Wasser kochte, am Ufer Fluchten von bis zu 30-40 Meter, Wahnsinn!

Traumfisch: 1,24 Meter & 22,50 kg

Ich bekam ihn kaum in den Kescher, ein Prachtstück mit 124 cm Länge und 22,50 kg Gewicht. Nun war guter Rat teuer, sacke niemals nie einen Graser, ich war allein und mächtig beeindruckt von diesem irren Fisch. Kurze Überlegung und fix das Stativ aufgebaut, nicht ganz einfach bei dieser Fischgrösse, doch es klappte wunderbar und nach 4-5 Minuten war der Drops gelutscht!

Merke (auch für alle Umsetzer): Nicht du, sondern das Leben des Fisches hat Priorität!

PS: Ein wie grosses A...loch muss ich eigentlich sein, Flussfische umzusetzen?!

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