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2006 “French River Hunting”  Part I

Seit der französischen Revolution 1789, ist Frankreich in 100 Departments eingeteilt, 96 zählt das Mutterland. Die meisten Departments wurden nach einem Fluss, einige aber auch nach Gebirgen benannt. Eines dieser Gebirge ist das Zentralmassiv und umfasst mit ca. 80 000 km2 etwa ein siebtel der Gesamtfläche Frankreichs. Die zahlreichen Flüsse bilden eine Art Fächer, dessen Zentrum eben in diesem Zentralmassiv liegt.

Nicht ein Fluss durchquert das ganze Land. Um als Transportweg zu dienen, wurde der Bau mehrerer Kanäle notwendig, die zum Teil auch heute noch genutzt werden. Unrentable Wasserstrassen, werden vom aufkeimenden Flusstourismus genutzt und so trifft man auf den meisten Flüssen lediglich langsam dahinschippernde Hausboote an.

Die Loire, mit 1020 km Frankreichs längster Fluss, entspringt in den Cevennen im Zentralmassiv und mündet im Atlantik. Nebenflüsse der Loire sind: Maine, Nievre, La Cisse und linksseitig Allier, Cher und Vienne. Die Loire ist für den Güterverkehr nicht schiffbar und ist der einzige grosse, freifliessende Fluss in Europa.

Die Rhone entspringt in der Schweiz, fliesst durch den Genfer See und anschliessend 522 km durch Frankreich und mündet in einem Delta nahe Arles und Marseille im Mittelmeer. Die recht populäre Saone, ist als rechter Nebenfluss der Rhone, der bedeutenste Nebenfluss und vereinigt sich bei Lyon mit der Rhone.

Durch Paris fliesst die Seine. Sie entspringt in Burgund, im Hochland von Langres und mündet nach 776 km bei Le Havre in den Ärmelkanal. In Paris und Rouen befinden sich die wichtigsten Binnenhäfen Frankreichs. Rechte Nebenflüsse der Seine sind: Aube, Marne und Oise, linke Nebenflüsse die Yonne und die Eure. Wichtige Verbindungen der Seine über Kanäle bestehen zur Schelde, Maas, Saone, Loire und zum Rhein. 

Am Unterlauf, im Gebiet der Normandie, bildeten sich riesige Schleifen. Schiffbar ist die Seine 560 km und Ozeanriesen können bis zu 120 km stromauf in das Landesinnere vordringen.  Der Rhein bildet eine 190 km lange natürliche Grenze zwischen Frankreich und Deutschland und wird unter anderem von der Mosel, dem 2. grössten Nebenfluss des Rheins, gespeist.

Die Garonne im Südwesten Frankreichs, entspringt im Arantal in den spanischen Pyrenäen, überquert nach wenigen km die Grenze zu Frankreich und fliesst an Toulouse vorbei nach Bourdeaux, wo sie sich mit der Dordogne zur Gironde vereinigt und in den Atlantik mündet. Rechte Nebenflüsse der Garonne sind der Ariege, Lot, Tarn und die Dordogne. Von links kommen: Neste, Gers und BaiseEine Menge zur Verfügung stehendes, fliessendes Wasser, welches dem versierten Hunter, nach dieser kurzen geografischen Nachhilfestunde, die Entscheidung zur Wahl seines Angelortes schwermacht!

Die meisten Fischer versuchen, sich aus den mittlerweile, im 21. Jahrhundert zur Verfügung stehenden Medien, sprich World-Wide-Web, Publikationen in Print-Medien usw. die Qual der Wahl zu erleichtern. Oft wird eine Wahl getroffen, die gelinde gesagt, die bequemste ist. In Rue de la Charotte bekomme ich die erforderlichen Lizenzen, in Nachtangelzone Electric Point wurden bisher 6 Fische über x kg gefangen etc.

Was aber passiert, wenn man seinem Tatendrang freien Lauf lässt und auf Entdeckungsreise geht? Vieles ist Ungewiss, bestimmt unbequem und doch ist der Lohn dieser Bemühungen, für mich persönlich, viel erfüllender, auch wenn es mit den Fängen mal nicht so klappt. Auch Corinna erfreute sich, zwar gelegentlich nörgelnd, da ein halber Tag im Auto suchend nicht wirklich prickelnd ist, doch immer wieder an der Abgeschiedenheit in freier Natur. Hat man erstmal einen geeigneten Platz gefunden, hat man mehr oder weniger absolute Wildnis und Ruhe.

Wir befischten in 6 Tagen, 2 Stellen, an 2 unterschiedlichen Flüssen, für jeweils 3 Nächte. Beide Flüsse hatten eines gemeinsam: In ihnen wurde heftigst geraubt! Überall spritzten die Rotaugen, Lauben und kleinen Brassen über die Wasseroberfläche. Gierige Mäuler schmatzten hinter ihnen her und wollten ihren schier unbändigen Appetit an ihnen laben.

Trübes Wasser, flach abfallendes, schlammiges Ufer, mit Kraut dicht bewachsen, keine Steinschüttung und nicht vom Holz befreit. Das war Stelle Nr. 1.

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In diesem munteren Treiben wollten wir mitmischen! Wir fingen 2 schöne Karauschen, die sich für unser Vorhaben eigneten. Guter Dinge und der Meinung für die Nacht gewappnet zu sein, genossen wir die untergehende Sonne und ein feudales Mahl!

Welsangeln artet in Schwerstarbeit aus

Gegen 20.15 Uhr verschwand die Sonne vollends und es ward stockdustere Nacht. Bereits 50 Minuten nach Auslegen der Karausche, die erste Attacke eines Welses. Leider ein Fehlbiss, doch nach erneutem Ablegen, bereits nach 30 Minuten wiederholt ein Biss. Nach kurzem Drill war mein erster französischer Wels gelandet.

Das Stippen war recht mühsam, vom Boot aus, festgemacht an einem versunkenen Baum. Viele kleine Brassen, gelegentlich eine grosse Karausche und eher selten: 2-3 pfündige Brassen. Wahrscheinlich bedingt durch das trübe Wasser, waren die Welse auch tagsüber sehr aktiv.

Ich kam mit dem Stippen nicht wirklich nach und kaum hatte ich mich mit dem Boot festgemacht, stand Corinna mit mächtig krummer Rute, mit beiden Händen fest umklammert, am Ufer und rief...

Bedingt durch die flachen Ufer und den dichten Krautdschungel und viel treibende Pflanzenreste in Flussmitte, machte ein Karpfenangeln nicht wirklich viel Sinn. Nur ein Lauf und ewiges Abtreiben der Bleie durch Riesenschnurbögen mit kiloweise Pflanzengut, verdarben mir die Lust daran.

Das Schmatzen und Ballern, sowie das Schlagen der Schwänze im trüben Wasser, erinnerte mich stark an die magischen Nächte am Ebro. Karpfen Aktionen beobachteten wir kaum und so reichte uns diese ganze Rödelei nach 3 Tagen, um den Rest des “Urlaubs” an einem etwas gemächlicheren Fluss zu verbringen und die Chance auf Karpfen zu erhöhen. 5 Welse in 3 Nächten waren ein respektables Ergebnis und zufrieden packten wir das ganze Tackle zusammen.

Alles schön sauber schrubben, der Wallerschleim ist recht hartnäckig, doch eine illuminated Method Stealth Bürste vom Aldi reinigt das Neopren gründlich.

Weiter ging es an einen anderen Fluss, Tackel zusammengepackt, verstaut und hindurch durch die engen Gassen der französischen Dörfchen, mit einem Zwischenstopp im L`eclerc. Rote Landweine der Gegend sind ein echter Geheimtipp, dazu ein frisches Baguette, lässt die Suche nach einer neuen Stelle angenehmer werden.

Geschafft, endlich ein lauschiges Plätzchen gefunden. Garnicht so einfach, einen Kompromiss aus gnadenloser Angelstelle und möglichst viel Sonne für Madame zu finden. Dieser Fluss ist ein Traum, schlangenlinienförmig schlängelt sich das tiefe, stille Wasser durch die teilweise felsige Landschaft.

Zufrieden mit der Platzwahl las Corinna ihr Buch!

Ein ständiger Kontrast zwischen felsigen Hochebenen und fruchtbaren Tälern. Ein faszinierendes Landschaftsbild, in dieser von verträumter Romantik geprägten Gegend Frankreichs. Etwas mystisches umgibt dieses Gewässer. An manchen Stellen wagt man es nicht, sich in normal Lautstärke zu unterhalten.

Vier Ruten mit Boilies bestückt lagen im Wasser. Das Ufer fällt recht schnell steil ab, viel angeschwemmtes Holz und umgestürzte Bäume erschweren nicht das Ablegen, bestimmt aber das Drillen. Teilweise Kraut am Ufer und auch an diesem gemächlichen Flüsschen raubte es gierig an der Wasseroberfläche.

Nicht ganz so aufdringlich wie an dem vorherigen Fluss, doch auch hier durchbrachen, immer wieder, um ihr Leben fliehende Fische die Wasseroberfläche. In der ersten Nacht konzentrierte ich mich noch ganz auf die Boilieruten, endlich mal etwas Ruhe und nun konnte ich auch meine 4 Tage alte Zeitung lesen.

Doch so ganz befriedigend war die ganze Geschichte nach der ersten ruhigen Nacht auch nicht. Coco schmunzelte, als ich den Winkelpicker montierte. Viele kleine Brassen und gelegentlich 2 pfündige. Mal sehen, was in diesem gemächlich fliessenden Fluss passiert, wenn man so einen Fisch einfach mal präsentiert.

Der Biss erfolgte 2 Stunden später, kein Riese, trotzdem war die Freude gross, ein weiterer Wels, aus einem weiteren Fluss Europas!


Merke: Wo Lauben und Rotaugen ausserhalb der Uferzone an der Oberfläche spielen, da sind Räuber nicht weit.

Tagsüber lief nichts, die Pieper schwiegen, kein Karpfen, kein Wels. Unsere letzte Nacht brach an, wir kredenzten ein letztes Weinchen und gingen früh schlafen. Um 1 Uhr der langersehnte erste Karpfen. Nicht schwer aber furchtbar lang. Ein Schuppenkarpfen in seiner ursprünglichen Wildform.

Endlich der langersehnte Karpfen!

Ein weiterer Lauf der nicht hakte und eine Attacke auf der Stellfischrute, besiegelten das Ergebnis der 2. Nachthälfte.

Meine Wünsche waren soweit erfüllt und so war es Corinnas Wunsch, den Urlaub am Atlantik ausklingen zu lassen.

Ulli & Corinna

Weiter geht es mit Flusangeln in Frankreich im Part II

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