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Graskarpfenangeln am Fluss

Ein kompakter Artikel für die Pilotausgabe des carp hunters magazine - August 2008

Graskarpfen, weisser Armur, wissenschaftlicher Name "Ctenopharyngodon idella" oder unter den Anglern kurz Graser genannt, erreichen in unseren hiesigen Flüssen mittlerweile kapitale Grössen. Exemplare von 15 kg + sind fast schon Schnitt, Grössere bis 20 kg werden gelegentlich gefangen und die 30 kg Marke wurde auch schon gesprengt. Diese enormen Abwachsraten zeigen, dass sich der Asiate, der Anfang der 70 er Jahre zur Regulierung der aufgrund Eutrophierung stark wachsenden Wasserpflanzenbestände in Europa eingeführt wude, mittlerweile ziemlich heimisch fühlt.

Graskarpfen haben einen langgestreckten, dem Döbel ähnlichen Körper und erreichen Längen bis 120 cm. Trotz seines Namens, ist er mit den Karpfen nicht verwandt. Er gehört als einzigster Fisch der monotypischen Gattung Ctenopharyngodon der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) an.  Somit ist er in Gesellschaft mit etwa 2500 Arten und bildet die größte Familie der Knochenfische.

Ein Weissfisch in XXL-Format also, der Graskarpfen, ein Heimlichtuer und scheuer Geselle dazu. Oftmals werden Graskarpfen zufällig, als Beifang beim Karpfenangeln erwischt. Es kann aber gerade in den wärmeren Monaten Juni bis August, sehr viel Freude bereiten, diese Fischart gezielt zu befischen.

Gerade unsere Flüsse eignen sich bestens für die Graskarpfenangelei, sie verbergen kapitale Fische und runden das Angeln mit gelegentlichen Überraschungen ab.

Als wärs ein einziger Muskel - 21,60 kg Graskarpfen

Der Graskarpfen ist eine wärmeliebende Art, ab Wassertemperaturen von 20° aufwärts fängt er an, sich richtig wohl zu fühlen. Das zeigt sich dann in seinem ungeheuren Appetit. Bis zu 120 % seines eigenen Körpergewichts vermag er an nur einem Tage zu sich zu nehmen. Ein wahrer Vielfrass. Beachtet man nun seine bevorzugte Nahrung, ist man mit der Stellenwahl schon fast am Ziel seiner Träume.

Graser sind wahre Pflanzenvernichter, man kann hier schon vom Abweiden von Pflanzenfeldern sprechen. Flachabfallende sandige Ufer, Altarme und Stromkanten der Buhnenköpfe sind bevorzugte, kraftsparende Standplätze dieser Fische.

Diese werden immer wieder von kleinen Trupps aufgesucht und hier können wir ihn gezielt und erfolgreich befischen. Oftmals ist es bei vorsichtiger Vorgehensweise sogar möglich, die Fische in den Krautfeldern beim Fressen oder Sonnenbaden zu beobachten.

Ungern verwende ich beim Flussangeln Partikel, Graser jedoch lieben grosse Futterteppiche mit kleinsten Ködern wie Mais, Hanf und Miniboilies. Der rege Weissfischverkehr auf dem Futterplatz, hat spätestens nach Eintreffen der langen Riesen ein Ende. Recht aggressiv gehen sie vor und verdrängen übrige Fischarten vom gedeckten Tisch. Hat man die ersten Fische gehakt, heisst es nachfüttern, je mehr desto besser. Das ist nicht immer die Devise, beim Graskarpfenangeln am Fluss jedoch, trifft das alte Motto: Viel hilft viel, oft voll und ganz zu.

Unverwechselbar schlägt die Rute bei einem Graserbiss aus, bevor der Hanger auf und ab wandert wie bei einem Weissfischbiss. Ist man auf Beobachtungsposten, kann man diese Aktionen schon im Vorfeld genaustens erkennen. Selten hatten wir Vollabzüge, was wahrscheinlich mit der Nahrungsaufnahme der Graser zusammenhängt. Nun muss er sitzen, der Haken! Montagen mit 170 g Festblei, kurze Vorfächer von 10 bis 15 cm Länge und nadelscharfe Haken in den Grössen 2 bis 6 finden Verwendung und sollten sich im spröden Grasermaul festsetzen.

Aufgepoppte Köder, wie beispielsweise eine kleine Maiskette mit 4-5 Körnern, 18 mm Pop Ups oder Schneemann sind erfolgsversprechend. Graskarpfen haben keinen vorstülpbaren Rüssel, um den Köder vom Grund aufsaugen zu können und so kommen ihnen die aufgepoppten Körner oder Boilies bei der Nahrungsaufnahme im wahrsten Sinne des Wortes entgegen. Trotzdem fingen wir auch schon Graser mit XL-Boilies liegend auf dem Boden, mit Durchmessern von 30 mm und grösser, was aber eher die Ausnahme war.

Hat man einen kapitalen Grasfisch gehakt, geht die Post am Ufer erst so richtig ab. Sie scheinen erst kurz vor dem Kescher zu merken, dass sie am Haken hängen. Lassen sie sich anfangs noch geduldig herankurbeln, heisst es nun Achtung, Bremse lockern.

Rasende Fluchten über 30 – 40 Meter in einem Atemzug. Im Affentempo reisst es die Schnur von der Rolle, wenn ein Grasfisch am Ufer förmlich explodiert. Ein atemberaubender Drill, unbeschreiblich und spektakulär und genau das ist es, welches mich immer mal wieder gern zum Ansitz auf diese Fische verleiten lässt.

Gefangen in 2007 - 124 cm & 22,50 kg

Ist der Grasfisch im Netz, ist Eile geboten! Graskarpfen sind äusserst empfindliche Fische, sie haben sich im Drill meist völlig verausgabt und liegen matt im Kescher. Bitte die Fotoprozedur so kurz wie möglich, sacken ist ein NO GO und vermutlich ein Todesurteil für den Fisch. Auch in diesem Bericht sind einige Fotos per Fernbedienung geknipst. Nicht immer perfekt, jedoch blitzschnell durchgeführt, ohne den Fisch hältern zu müssen. Bei uns in Deutschland ist es ohnehin verboten, doch auch im Ausland ist Rücksicht geboten. 


Viel Spass & Erfolg beim Ansitz auf die rasenden Riesen!


Ulrich Gloger

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