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Im Bann der Asiaten

Mittlerweile hatte ich viel über diese Graskarpfen gehört und gelesen, doch noch nie ernsthaft mit ihrem Fang beschäftigt. Ungeheure Kampfkraft, schlank, muskulös, temperamentvoll und wahnsinnig empfindlich sollen sie sein?! Nach den 1. Erfahrungen im Jahre `98 bestätige ich dieser Weißfischart all die oben aufgeführten Attribute. In meiner ganzen Anglerkarierre machte ich meine allerersten Erfahrungen mit dieser Fischart an einer deutschen Talsperre. Gezielt befischten wir diese heimlichen Graser und entdeckten den Reiz, den diese Fischart durchaus bietet. 

 

Nachdem wir geeignete Stellen fanden, fütterten wir diese mit reichlich Partikel an. Pop Ups und Partikel dienten als Hookbait.

In unserem 1. Ansitz fuhren wir ohne einen Piep Heim und grübelten, ob irgendetwas mit  unserer Taktik nicht stimmte.

Doch alles theoretische Grübeln und jede noch so gute Vorbereitung, bringt einen nicht weiter,  wenn die Fische nicht in Beißlaune sind.

Wir starteten eine Woche später einen erneuten Versuch, die Graser gezielt zu beangeln, änderteten an unserer Taktik vorerst nichts und sollten Erfolg haben! Bereits nach 4 Std. der erste Piep. Von Run war nicht die Rede, der Swinger ruckelte ein wenig hoch...und wieder runter.

Ich nahm die Rute vom Pod und nahm Kontakt auf. Die Rute krümmte sich, doch Widerstand war nicht wirklich zu spüren...?! Nach 10 Minuten pumpen, sahen wir in  10 m Entfernung einen goldigen, schlanken Fischkörper, ein Graskarpfen!

Und 30 Sekunden später ging der Tanz erst richtig los. Der Graskarpfen schoß auf einmal wie von Sinnen ab. Begleitet von einer Wahnsinns Welle. Einmalig spektakulär!!!

Die Flucht wollte überhaupt nicht enden.Nach 40 m stoppte der Fisch und das Heranpumpen begann erneut.

Sobald der Fisch auf Höhe Kescherkante war, ging das Spielchen wieder los. Die Fluchten wurden aber so ab der 3. deutlich kürzer, doch immer noch sehr vehement. Der 1. Graser wurde schließlich sicher gelandet.

Da lag er nun auf der Matte und wir bewunderten andächtig und respektvoll diesen Fisch.

Da Graser wahnsinnig empfindlich sind, auf gar keinen Fall eingesackt werden dürfen, beeilten wir uns mit dem Fotografieren und gaben diesen wunderschönen Fisch seinem Element zurück.

Über 20 Jahre angelte ich schon und nun mein erster Asiate, es war wunderbar! Wir stärkten uns anschließend mit einer lecker Steakpfanne und hofften auf weitere Aktionen.

Wir fingen viele weitere Graser, alle Drills gestalteten sich nach dem oben beschriebenen Schema. Ranpumpen und am Ufer ging der Tanz los. Teilweise haben wir die Fische auch vor dem Ufer mit dem Kescher “angestuppst”, damit sie explodieren. Keschert man sie sofort weg, ohne sie vollkommen müde zu drillen, ist ein anschließendes Fotografieren und bändigen der Fische nicht möglich.

Sie schlagen auf der Matte wild um sich und können sogar einem Herzinfarkt erliegen! Das ist übrigens kein Witz!

So “stuppsten” wir die Fische im Drill immer an, wenn sie sich nicht von selbst verausgabten. Im Rhein haben wir diese Erfahrungen nicht gemacht. Dort verausgabten sich die Fische von selbst, waren aber nicht weniger empfindlich. Also, bei Grasern ist nach dem Fang Eile mit dem Knipsen geboten. Lieber auf ein Bild verzichten, als das Leben des Fisches zu riskieren! Auch niemals einen Graskarpfen einsacken! Mit 100 % Sicherheit das Todesurteil für den Fisch.

Den heissesten Drill erlebte ich nachmittags. Ein wahnsinns Graskarpfen der mir nach langem Drill unerwartet ausschlitzte. Das Wasser kochte vor unseren Füßen und der Fisch floh, ohne dass wir ihn anstuppsen mussten. Der Graser zog vor unseren Augen mit einer ungeheuerlichen Power und Ausdauer seine Bahnen und floh mit einer Dynamik, wie ich sie seitdem nie wieder erlebte. Diesen Drill haben wir mit einer Video Kamera aufgenommen, wie die anderen Graser Drills auch. Wer Interesse hat, kann gern mit mir Kontakt aufnehmen. Leider war ich in diesem Fall nur 2. Sieger und bei jedem Video-Abend kommen wir auf diesen Fisch zu sprechen....that`s Carping!

War es dazu noch der einzige Fisch, der verloren ging. Da diese Fische sich untereinander sehr ähneln und einer dem anderen fast gleicht, war die Anfangseuphorie recht schnell verflogen und wir widmeten uns wieder unseren Spieglern und Schuppis!

Mittlerweile planen wir aber einmal im Jahr ein Graser-Wochenende fest ein. Darauf freuen wir uns immer wie kleine Kinder, denn ist es immer noch ein faszinierendes Spektakel besonderer Art, einen Graskarpfen zu fangen. Und eines Tages erwische ich ihn.

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