news | germany | france | europe | team | Schalke04 | events | links | Impressum

Umleitung ins Glück

Mitte Oktober brachen Kai & ich auf, unser Ziel war die Vogelinsel im Mittellandkanal, die uns so manch schwere Überraschung bescherte. Kurz vor unserem Ziel war die Straße gesperrt und wir hätten eine Umleitung in Kauf nehmen müssen.

Spontan schlug ich Kai vor, eine andere Stelle aufzusuchen. Kai nickte und so fuhren wir weiter. An der Stelle angekommen erinnerte ich mich an die vielen erfolglosen Nächte vom Ufer des Kanals. Ich schlug Kai vor überzusetzen. Wieder nickte er ab und so pumpten wir unser mehr als klappriges Boot auf, das das Übersetzen zu einem echten Wagnis machte!

Glücklicherweise kamen wir beide mitsamt Tackle trocken auf der Insel an und suchten uns geeignete Stellen. Viel Alternativen hatten wir nicht, da alles komplett zugewuchert war und so blieben wir gleich am Anfang und bauten auf. Abenteuer pur! Unser erstes Übersetzen und die Spannung auf das was wohl passieren würde begeisterte uns für unser Tun. Wir diskutierten bis spät in die Nacht und hofften immer auf einen Dauerton.

Dieser blieb jedoch aus und so fielen wir in das Reich der Träume, wo die Karpfen so riesig, so greifbar nahe und doch sooo weit entfernt sind.

Samstagmorgen wachte ich mit dem für jeden Karpfenangler bekanntem Blankgesicht auf! Meine Laune passte sich sofort dem Ergebnis der Nacht an. Während Kai noch weiterträumte, erkundete ich die Insel, innerlich total unzufrieden und schimpfend über den Blank. Da Kai immer noch schlief, verzichtete ich auf das Einholen und Einpacken der Ruten.

Total zermürbt und frustriert konnte ich es nicht glauben, warum an dieser Top-Stelle, in dieser Einöde, wo kein Angler weit und breit sein Unwesen treibt, nichts lief. Bereits die 6.Nacht an diesem Sch.....Kanal ohne Aktion. Das gibt es doch garnicht!

Ob Kai meine Gedanken mitbekam weiss ich nicht. Er wachte auf, nahm mich in den Arm und meinte nur: Wird schon wieder. Ich beruhigte mich wieder, wir setzten Wasser für Kaffee auf und wollten uns dem Frühstück widmen, als meine linke Rute sich auf dem Rod Pod zu krümmen begann und der Bißanzeiger heftigen Dauerton von sich gab. Wir guckten uns ungläubig an und schnell nahm ich die Rute in die Hand, die sich sofort im rechten Winkel bog.

Mit einer enormen Kraft zog mein Gegenüber die Schnur von der Rolle und sofort wußte ich, daß dieses ein großer Fisch sein mußte. Gemächlich zog er seine Bahnen, mit einer gleichbleibenden Kraft und Ausdauer. Die Bahnen wurden kleiner und das Hafenbecken war ausreichend groß, so daß der Fisch nicht in den Kanal zog, wo reger Schiffverkehr herschte und unsere Träume hätten  platzen können. So langsam näherte sich der Fisch dem Ufer.

Nach ca. 20 Minuten war er über dem Kescher. Wir dachten, mensch, so riesig sieht er nicht aus. Beim Rausheben des Netzes wurde wir eines Besseren belehrt und uns das Gewicht verdeutlicht. Ich mußte mich erstmal setzen.

Wir wogen den Fisch und guckten uns ungläubig an, konnten es kaum fassen! Die Waage schwankte  zwischen 19,90 und 20,10 kg. Wir einigten uns auf 19,90 und bewunderten diesen prächtigen Schuppmann der so unverhofft aus den Weiten des Kanals auftauchte.

Wir konnten unser Glück kaum fassen und fragten uns immer wieder, welche Zufälle zu diesem Fang beitrugen. Wir philosphierten über die Mysthik dieses Ereignisses, als die gleiche Rute erneut abschoß. Nach erfolgreichem Anschlag, das gleiche Spiel. Iritiert guckten wir uns fragend an: Noch ein Kanalriese?! Doch dieser Fisch, ein schöner Spiegler, entpuppte sich als nicht ganz so ausdauernd, wie wir nach seinem kraftvollem Anfansspurt hofften.

Trotzdem freuten wir uns riesig über den 2.Fisch an dieser Stelle, der unsere Theorien endlich vollkommen bestätigte! Nachdem wir mit nichts mehr rechneten, kamen wie aus heiterem Himmel diese 2 wunderschönen Fische.

Es war dieses unbeschreibliche Gefühl, an diesen Ort, trotz vorheriger Blanks immer wieder zurückkehren zu müssen. Das dieser unglaubliche Zufall, die Umleitung, unsere Spontanität sowie der Drang immer wieder Neues entdecken zu müssen, entscheidend zu unserem Coup beitrug. Es war symptomatisch für diese Zeit, in der Kai und ich kreuz & quer Gewässer aufsuchten und quasi alles gelang.

Vollkommen zufrieden packten wir unser gesamtes Tackle ein, mit der Gewißheit, diese Stelle intensiver befischen zu wollen. Da an diesem Wochenende unser Dorffest Pollhans stattfand, nahmen wir uns richtig einen zur Brust und diskutierten bis morgens früh über unsere Erlebnisse der vergangenen Nacht, wie der Zufall eine entscheidende Rolle spielte und unser weiteres Vorgehen an dieser Stelle.

An diesem Abend war alles andere Nebensache und es drehte sich nur um die vergangenen Monate und um das, was in Zukunft noch passieren sollte.

Fortsetzung

Natürlich konnten wir die Ereignisse unserer 1.Nacht auf der Insel nicht toppen.

Auch erreichte unser Angeln dort nie wieder diese spannungsgeladene Atmosphäre, doch lag immer etwas mysthisches an dieser Stelle, etwas, was ich mit Worten nicht beschreiben kann.

Wir fingen regelmäßig schöne Fische und freuten uns wie kleine Kinder, wenn am Wochenende eine Reise zum Kanal anstand. Auch heute noch, erinnern wir uns liebend gern an unser 1.mal auf der Insel, diese Nacht hat sich wie ein Film in unseren Köpfen festgebrannt.

Leider blieben unsere Erfolge nicht verborgen, so daß heute ganze Horden die Insel bevölkern. Schade, daß geleistete Pionierarbeit nie ganz geheim bleibt. Viele Angler, die sich diese Mühe nie machen kommen dann zum Abstauben.

Doch wollen wir uns dadurch unser Hobby nicht verderben lassen und gehen neue Wege. Die Lust auf Erfolg ist zurückgekehrt und ich denke es wartet noch einiges darauf, entdeckt zu werden. Wir nehmen diese Herausforderung an und geben uns selbstverständlich nicht damit ab, uns mit fremden Lorbeeren zu schmücken!

 news | germany | france | europe | team | Schalke04 | events | links | Impressum