





Doppelfang 2 Wochen später, danach nie wieder gesehen






Die Vogelinsel





Der Mittellandkanal ist mit 324,4 km die längste künstliche Wasserstrasse Deutschlands. Er zweigt bei Bergeshövede in der Nähe von Rheine aus dem Dortmund-Ems Kanal ab und endet bei Magdeburg an der Elbe. Als zentraler Teil der einzigen West-Ost Wasserstrasse verbindet er die Stromgebiete des Rheins, der Ems, der Weser und der Elbe und stellt darüber hinaus die Verbindung nach Berlin und den osteuropäischen Wasserstrassen her.

Atmosphäre am Mittellandkanal
Bei Minden überquert der Mittellandkanal in 2 Brücken die Weser. Dem Kanal wird durch Verdunstung, Versickerung, Schleusenbetrieb sowie durch Entnahme von Verbrauchswasser durch Industrie und Landwirtschaft ständig Wasser entzogen.
Grundwasser und die wenigen natürlichen Einspeiser gleichen die Wasserverluste nicht aus. Daher versorgen von Minden aus 2 Speisungspumpwerke den Kanal mit Wasser aus der Weser. Drei Schleusen bilden zwei Verbindungen zwischen Weser und Mittellandkanal, die Schachtschleuse und der Südabstieg.
Den Bereich des Wasserstrassenkreuzes Minden, mit der Schachtschleuse und den Vorhäfen befischten wir damals recht intensiv. Eine ca. 120 lange Insel trennte den Bereich
des oberen Vorhafens mit 2 Einfahrten vom Kanal. Eine Stelle, die sich als wahrer Karpfenmagnet erwies. Bei jedem Schleusengang spülte das Wasser vor die Insel, so dass sich dort jegliche Sedimente und Schlamm ablagerten. Nur ca. 70 cm tief war der Bereich vor der Insel, wo sich die Karpfen sehr oft vergnügt springend zeigten. Direkt vor der Insel, war eine Rinne aus festem, harten, leicht kiesigen Boden. In dieser Rinne patroullierten die Fische auf und ab, auf der Suche nach Fressbarem.

In dieser Zone des Kanals hielten sich die Karpfen ganzjährig auf. Es war eine echte Traumstelle. Bereits ab Ende März fingen wir die ersten Fische, erwärmte sich doch das flache Wasser vor der Insel besonders schnell.
Im Herbst, wenn die Wassertemperaturen zu fallen begannen und die Fische weitere Wege gingen, erwiesen sich die Einfahrten und das eigene Ufer als Top Angelpätze.
Traumhafter Zeilenkarpfen
Die Ufer wurden von vorbeifahrenden Schiffen und vom Schleusenwasser freigespült, harter, fester Boden war die Folge, auf dem musste das Rig liegen. Da die Schleuse von der Schifffahrt häufig frequentiert wurde, war ein Absenken der Schnüre immens wichtig. Da die damaligen Europaschiffe bereits 1350 t entsprachen, waren richtige Bleie erforderlich, mindestens 120 g zum Absenken, ansonsten konnte man chancenlos den Kampf mit dem Stahlgiganten aufnehmen.
Ab Herbst versammelten sich allerlei Vögel für den anstrengenden Flug gen Süden auf der Insel, ein echtes Spektakel, Tag und Nacht kreischte und flatterte es. Daher gaben wir der Insel auch den Namen.
Leider wurde diese Oase, inmitten eines eher monotonen Kanalverlaufes, dann für den Ausbau des Wasserstrassenkreuzes Minden geopfert und weggebaggert. Grossmotorgüterschiffe der 2100 t Klasse, auch Europaschiffe genannt, sind nun der Maßstab für weitere Steuersubventionen aus der Tasche des Bürgers, der nach wie vor die defizitäre Binnenschifffahrt mit seinen mühsam verdienten Penunzen finanziert.
Wer einen Versuch am Mittellandkanal wagen möchte, sollte sich nach Unterbrechungen des monotonen Verlaufes umsehen, den Platz sorgfältig loten, nach Muschelbänken suchen und Sitzfleisch haben!
Die Bereitschaft, das Wasser genauestens zu erkunden und zu beobachten und auch mal die Stelle zu wechseln, sollte vorhanden sein.
Kanalfische sind oftmals Nomaden, doch entdeckt man ihr Winterlager oder ihren Stammplatz, werden diese Bemühungen oftmals mit sehr schönen Fischen in einer doch einzigartigen Atmosphäre belohnt!
Kanalangeln ist anders!
Traurig: Das Wegbaggern der Vogelinsel
Ob Kroki sich gerne an diesen 30 er erinnert?