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Rheinangeln

Termine, Termine, Termine und wenig Zeit zum Fischen. Doch dieser Termin passte genau! Es ist Ende Juni und wir können ein verlängertes Wochenende Rheinangeln. Die letzten Tage schwitzten wir bei fantastischem Sonnenschein im Büro, genau das Wetter, welches die Graskarpfen in die flachen Buchten und Buhnen ziehen lässt.

Am Wasser angekommen, schien das Wetter umzuschlagen. Wir beeilten uns mit dem Übersetzen und bauten schnell die Zelte auf. Wind kam auf und vereinzelte Regenschauer liessen uns an unserem Vorhaben etwas zweifeln. In der 1. Nacht wurde es dann auch richtig stürmisch. Orkanböen rissen uns aus dem Schlaf und mit Müh und Not sicherten wir unser Tackle.

Unbeschadet überstanden wir die 1. Nacht, doch von Sonnenschein keine Spur. Morgens um 8 der 1. Run, doch der Anschlag ging ins Nichts. Ich überprüfte die Montage, doch alles schien in Ordnung. Kleine, dünndrähtige, messerscharfe Haken in Verbindung mit 200 g Blei sollten sich doch im spröden Grasermaul festsetzen können?! Doch mussten wir uns erstmal mit kleineren Schuppenkarpfen in der typischen Rhein-Wildform zufrieden geben, bevor der 1. Graskarpfen im Kescher lag.

Tagsüber waren die Fische recht aktiv und wir konnten jederzeit mit Aktionen rechnen.

So endete unser 1. Rheinausflug 2005 mit einigen schönen Fischen.

Fortsetzung Rheinangeln Teil 2

Die Sonne scheint unerbittlich, Temperaturen bis 33° lassen uns schwitzen. Wir haben Urlaub, wollen gerne angeln und diskutieren über Ziele. Flussangeln scheint am Aussichtsreichsten zu sein, am Rhein waren wir vor 2 Wochen, das Ergebnis war gut. Was gibt es für Alternativen? Wir überlegen, die Weser in unserer unmittelbaren Nähe, doch irgendwie ist sie schon seit längerer Zeit wie ausgestorben. Früher gab es beim Karpfenangeln immer Aktionen von Barben, Döbeln, Zährten, Brassen und großen Rotaugen. Das jedoch war vor der grossen Invasion der zahlreichen Angler jenseits des Urals. 30 Sitzungen und eventuell ein Run? Nein, keine gute Idee, wir wollen Dauertöne, fangen wie im Traum und krumme Ruten...Die Entscheidung ist gefallen, wir fahren wieder zum Rhein. Kai hat noch eine Rechnung offen und die möchte er begleichen, mit aller Gewalt!

“Ctenopharyngogon idella” dieser Heimlichtuer, der bis zu 120 % seines eigenen Körpergewichtes am Tag fressen kann! Ungeheuerlich, seine Heimat ist Ostasien, Anfang der 70 er Jahre kam er nach Europa zur Regulierung der aufgrund Eutrophierung stark wachsenden Wasserpflanzenbestände der Seen und Weiher. Einige schöne Exemplare konnten wir schon überlisten und so nahmen wir die Strapazen erneut auf uns und fuhren los.

Diese Rheinstelle ist ein Traum.

Flach fällt das Wasser ab, Strandboden wie am Mittelmeer, fester Boden, teilweise mit Algen bewachsen. Graser lieben diese flachabfallenden Uferpartien. Immer wieder suchen sie diese Stellen zum Fressen auf. Das Ufer bewachsen, die Baumwurzeln vom Hochwasser unterspült, teilweise morsch, Holzauge sei wachsam.

Nicht überall wo es schön ist, gehört ein Bivy hin!

Wir bauen auf, den Sonnenuntergang mittlerweile vor Augen, schön, traumhaft schön!

Das Beladen der Boote war echte Puckelei, schweissüberströmt schleppten wir das ganze Gerödel ans Ufer. Kleines Tackle war die Devise. Diese ganzen unnötigen Carryalls & Bags, alles Ballast. Die Zeiten des “nice to have” sind bei mir endgültig vorbei und so beschränke ich mein Tackle auf das Nötigste.

Jedes Gramm Gewicht schränkt unsere Mobilität ein. Faul & träge werden die Angler, die sich ihr Bivy nach Wohnzimmermentalität einrichten! Wir stechen in den Rhein, auf gehts. Stromab macht es immer besonders Spass. Wir kommen fast ins Gleiten und geben immer acht, dass wir die Wellen der Supertanker auch richtig ausnutzen. Kai navigiert geschickt das Boot. Auch hat er ein glückliches Händchen für den Startvorgang des Aussenborders...

Die Fallen sind ausgelegt, es kann losgehen. Fangen wie im Traum wollen wir, Dauertöne und nur krumme Ruten. Ein Punkt den wir nicht begreifen: Schuppenkarpfen, Spiegelkarpfen! Warum haben wir hier noch nicht einen Spiegler zu Gesicht bekommen? Schuppenkarpfen, Vollruns in 150 m Entfernung, die Rute schon beim Biss krumm bis ins Handteil, ziehen nach dem Anschlag 20-30 Meter Schnur von der Rolle und veranstalten riesiges Spektakel! Unser Grösster: 12 kg?! Wo sind die großen Karpfen?

Wir haben es uns abgeschminkt, an diesem Rheinabschnitt grosse Karpfen zu fangen, unser Ziel ist der Graskarpfen. Es ist sinnlos, wir finden keine Antworten...

5.30 Uhr Dauerton. Nach 5 Minuten Drill piepte auch Kais Rute ab! Wieder so ein Punkt. Ganz oft schiessen innerhalb von 5 Minuten mehrere Ruten ab, obwohl sie ca. 150 m entfernt voneinander abgelegt wurden. Beide Fische konnten wir sicher landen. Wir fotografierten die beiden Schmurchler und anschliessend ist Frühstückszeit. Piep, schnell laufe ich zum Pod und sehe wie die Rutenspitze zittert, der Wasp hat sich nur einen mm nach unten bewegt. Das sind sie, die feinen Bisse der Graskarpfen.

Anschlag- die Rute krümmt sich- sitzt! Diese Bisse gilt es zu haken, entpuppen sie sich doch allzuoft als kapitale Graser! Kai macht die Kamera klar. Schnell kurbeln, der Graser kommt, wie so oft gefolgsam mit, doch wehe er spürt am Ufer den Kescherstiel- explosionsartig schiesst er mit irren Bugwellen wieder ab. Die Bremse der Tournament arbeitet wie immer präzise und auch die Rute meistert diese Fluchten vorbildlich. Der Graser gibt sich geschlagen und landet im Netz. Jetzt ist Eile geboten. Kai hat das ganze multimediale Equipment schon zur Hand, schiesst Bilder, filmt und schwupps ist der Fisch wieder in seine Freiheit entlassen.

MERKE:

Graskarpfen sind hochsensible Fische!

Beim Fotografieren ist Eile geboten!

Sacke den Fisch niemals nie ein!

Das ganze Wiege- und Fotoprozedere - so schnell wie möglich!

Drille den Graskarpfen aus, stupse ihn notfalls vor dem Keschern mit der Stange an!

Eine Safety Weigh Sling (gibt es von Fox oder Ultimate) mit verstärkten Wiegestangen und Reissverschluss, hat sich bei uns zum Wiegen der Fische bestens bewährt. Sie hat eine PVC beschichtete Innenhaut und schützt den Fisch vor Schleimverlust, natürlich bitte nur nass benutzen.

Auch ist sie durch die seitlichen Reissverschlüsse hervorragend für den Transport der Karpfen geeignet (Natürlich nicht zum Transport in die heimische Küche, auch nicht zum Umsetzen in eigene Seen, sondern in tieferes Wasser!)

Am Tage biss es richtig gut und wir kamen unserem “Fangen wie im Traum” schon recht nahe. Lassen einem am Rhein die Fische nachts doch recht gemütlich ausschlafen, so ist es tagsüber harte Arbeit.

So langsam dämmerte es und wir gingen zum gemütlichen Teil über - Abendessen. Etwas KO von den Strapazen des Tages begaben wir uns etwas früher in das Reich der Träume, doch war es Kai`s linke Rute, die das sanfte Schlummern jäh beendete. Im Schein der Kopflampe kam ein mächtiger Fischkörper zum Vorschein. Die Fluchten parierte Kai meisterhaft und endlich war es soweit, ein sehr massiver Rhein Graser lag im Kescher.

Ein prächtiger Fisch mit ordentlich Masse. Klasse! Die restliche Nacht schliefen wir durch, doch pünktlich um 6 Uhr der nächste Run. Das sollte dann auch für diesen Tag der letzte Fisch gewesen sein. Irgendetwas war im Busch, die Sonne kam nicht richtig raus und es deutete alles auf ein Gewitter hin. So kam es dann auch, mit einer Wucht, wie wir es seltenst erlebt haben. Binnen Sekunden verdunkelte sich der Himmel, Blitze zuckten und es begann fürchterlich zu regnen. Anfangs blies der Wind noch, doch es wurde so fürchterlich, dass sich der Himmel vollends verfinsterte und eine wahre Orkanböe über uns hinwegfegte.

Kai überlebte diesen Orkan ausserhalb seines Zeltes, hielt dieses krampfhaft mit beiden Händen fest und sah rechts wie links die Bäume reihenweise umkrachen.

Ich hingegen hockte in meinem Titan und wurde immer kleiner, gequetscht von einem Baum, der immer tiefer sank und das Zelt völlig demolierte. Binnen 10 Minuten war der ganze Spuk vorbei. Massenhaft umgekrachte Bäume, unsere Ruten wurden aus den Pods geschleudert und mein Titan hatte es nun vollends hinter sich...

Doch blieben wir unbeschadet, leckten unsere Wunden und angelten noch eine Nacht, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten.

MERKE:

Nicht überall wo es schön ist, gehört ein Bivy hin!

Idylle am Rhein, als wäre nichts gewesen?

Sichtlich angeschlagen-Carphunting pur!

Kai & Ulli

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