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Sebastian`s Rückblick auf 10 Jahre Wesercarping!

Ein wunderschöner Tag bahnt sich an, es ist spät im August, glutrot steigt die Sonne über die Pappeln am wenig entfernten Kanal auf, feine Nebelschwaden treiben über das Wasser. Mit einem kaum hörbaren Glucksen, erscheint ein Haubentaucher, unweit des Punktes, an dem meine Schnur ins Wasser zeigt. Kann mir diesen Sonnenaufgang, wie so oft nicht entgehen lassen, und quäle mich noch leicht schlaftrunken aus meinem Schlafsack, die ersten warmen Strahlen der Sonne lassen das leichte, morgendliche Frösteln verschwinden.

Heute Morgen ist wieder viel los auf meinem Futterplatz, lasse schnell bei Olli, der hundert Meter weiter oberhalb sitzt, einmal das Handy klingeln, wenige Sekunden später, schaut eine blasse Nase aus dem Fox-Bivi, Olli winkt verschlafen rüber.

Ich winke zurück und widme mich wieder meinen Ruten, an den feinen Spitzen der Armalite, sehe ich jede Berührung in der Schnur, offensichtlich, macht sich eine Horde Brassen, über mein Futter her. Der Swinger bewegt sich merkbar auf und ab, ein feines Vibrieren geht durch die Schnur.

Mein Herz schlägt schneller :“ Da geht noch was !“, denke ich mir und knie mich neben die Ruten, plötzlich : Stille, keine Bewegung mehr, nichts, nur das sanfte, surrende Strömen der Weser ist zu hören. Mein Puls rast, kenne ich doch nur zu gut, was das bedeuten könnte : Große Fische in der Nähe des Futterplatzes, die selbigen haben die Weißfische aus dem Bombenkrater verscheucht, den ich mir gelotet habe.

Minuten vergehen, nichts passiert, gar nichts, nur für wenige Sekunden, habe ich mich abgewendet, um neue Stringer zu präparieren, da piept der Fox Micron 2x, ich drehe mich um und kann noch sehen wie der Swinger 2 cm fällt und dann mit einem dumpfen Tock wieder gen Rute schlägt. Ich liebe den Lärm, der nun folgt ! Nehme die Rute auf, stoppe die Spule und setzte einen kräftigen Anschlag, Baitrunner aus, ich spüre den Fisch, 2 Bewegungen des selbigen, die sich anfühlen, wie ein widerwilliges Schlagen und ich muss schon die Bremse öffnen…“Olli !“, rufe ich…

Viele dieser Erinnerungen verbinde ich mit „meiner“ Weser und möchte dieselben nicht missen. In folgenden Zeilen, werde ich ein wenig über das spannende und abwechslungsreiche Fischen auf Karpfen in der Weser berichten, einen kleinen Rückblick zeigen und euch ein wenig das Flair vermitteln zu versuchen, dass das Karpfenangeln an der Weser auszeichnet. Angefangen hat alles Ende der 80 er, damals fischte ich noch aktiv in der Wettkampfgruppe unseres kleinen Vereines. Zu diesem Zeitpunkt waren noch fast immer wundervolle Brassen, Zährten und große Rotaugen zu fangen. Einige Male geschah es, dass ich mit der Kopfrute offensichtlich große Fische hakte, die sich zunächst als vermeidliche Hänger maskierten und dann nicht mehr zu halten waren.

Das nervte natürlich ganz schön und ich stellte auf eine straffe Feederrute mit 18er Monofil um Leider dauerte es einige Angeltage, bis ich wieder „Kontakt“ haben sollte, aber diesen Tag werde ich nie vergessen, bis auf wenige Meter vors Ufer drillte ich einen ca. 25 Pfund schweren Spiegler, der mit mir und dem Gerät machte, was er wollte. Mit einem großen Schwall und einem aufgebogenem Haken,  verabschiedete sich dieser Kollege und ward nicht mehr gesehen. Minuten starrte ich mit dem vor mir baumelnden Futterkorb vor der Nase aufs Wasser und war völlig sprachlos.

Meine Versuche mit Tauwurm und Teig blieben relativ erfolglos, ich konnte nur wenige Karpfen landen. 1992 lernte ich durch eine Blinkeranzeige jemanden aus Vlotho kennen, der schon einige Zeit erfolgreich und professionell auf Karpfen fischte. Doc. S. wies mich in die Basics ein und wir fischten in der Saison 93 ein paar Mal zusammen. Ich erinnere mich noch gern an diese Zeit, war sie doch im Vergleich zu heute nicht so technisiert-stressig, d.h. ich fischte relativ einfach, ohne großes, kompliziertes Tackle und trotzdem sehr effektiv.

Zum damaligen Zeitpunkt leistete ich grad meinen Zivildienst und war jede Nacht am Wasser. So kamen an die 100 Nächte und mehr pro Jahr zu Stande. Die technische Aufrüstung ließ dann doch nicht lange auf sich warten und bald schlief ich anstatt unterm Schirm auch in einem Bivi, hatte ein Rod Pod, Microns und diverses Zubehör. Im Nachhinein bin ich mir fast sicher, dass obwohl die Fische mit der Zeit größer wurden, die ich fing, sich dieser Erfolg weniger auf das Tackle, sondern die Erfahrung und zum allergrößten Teil auf mein Glück zurückführen lässt.

Wie auch zu dieser Zeit haben sich Festbleimontagen mit nicht zu kurzen Vorfächern, kräftigen, relativ großen Haken und harten Boilies als sehr fängig erwiesen. Aufgrund vieler Muschelbänke (Dreikantmuscheln) sehe ich von multifiler Schlagschnur ab, fische lieber konische monofile Schlagschnüre oder nur dickes Monofil (Hauptschnur) von nicht unter 0,40mm.

Die Ruten werden meiner Erfahrung nach für die Weser zu kräftig gewählt, da man eh nicht den Fehler macht, einen großen Fisch gegen die Strömung zu pumpen, sondern nach Möglichkeit ein paar Meter mitläuft und sich der eigentliche Drill direkt vor dem Krautteppich abspielt, sind 13 Fuß Ruten mit einer TC von 2,5 – 3 lbs ratsam.

Große Vorfütteraktionen und übertriebenes Füttern wärend des Angelns haben sich auch als eher unnötig erwiesen. Wir befischen hauptsächlich Altarme der Weser die ca. 100 – 150 m breit sind und je nach Jahreszeit mäßige bis mittelstarke Strömungen aufweisen. Es gibt auch viele Buhnenfelder, die durch ihre besonderen Strömungsverhältnisse auch sehr interessant sind. Anhaltendes Hochdruckwetter bei mäßigen Wassereintrübungen sowie bedecktem Himmel, haben sich als beißträchtige Zeiten herausgestellt. Wichtig ist eine gute Location, die sich durch intensives Loten des Platzes auszeichnet.

Einfach nur an die Strecke hocken und warten geht meist nicht auf. Es gibt viele tiefe Löcher (Bombenkrater) und Kanten, die man ausfindig machen sollte, insbesondere die 2. Kante, die zur (ehemaligen) Fahrrinne führt, ist ein Hotspot.

Große Alande und Döbel legen des Öfteren einen Run und Drill hin, der so manchem Karpfen ebenbürtig ist, allerdings kann man recht gut an diesem Beifang verzweifeln, wenn man deswegen gar nicht zum Schlafen kommt. Hauptsächlich fingen wir schlanke Spiegler, die in guten Jahren Durchschnittsgewichte von 27 Pfund + hatten.

Die schweren Spiegler, meist Rogner, waren sehr „wannig“ und demnach deutlich schwerer. Ganz selten lassen sich noch ganz dunkle Schuppis fangen, mutmaßlich Wildbestände, „normale“ Schuppis sind mit ca. 1/3 in der Fangstatistik vertreten. Blässhühner, Haubentaucher, Schwäne und so mancher Eisvogel, der von den Ruten aus zum Brutfischfang startet, machen das Angeln zum Naturerlebnis. Ein Erlebnis anderer Art, sind die großen Wanderratten, die gerne auch mal im Zelt oder auf deinem Schlafsack sitzend nach dem Rechten sehen oder, ob sich was essbares finden lässt.

In den frühen 90 er Jahren war es ein echtes Erlebnis jeder Saison, wie sich Anfang / Ende Mai die großen Spiegler direkt vor der Krautkante zum Ablaichen trafen! In den frühen Morgenstunden klatschte es direkt vor unseren Füßen, große Rückenflossen durchfurchten das Wasser. Bis zu den Knien im Wasser stehend war man inmitten dieses Schauspiels- unvergesslich. Leider konnte man dieses Schauspiel im Laufe der Jahre immer weniger, bis dato gar nicht mehr auf unserer Strecke bewundern - genauso, wie wir über die Jahre immer weniger Fische fingen.

Über Gründe diesbezüglich kann man nur spekulieren – Fakt ist, dass der Angeldruck in den letzten 6 Jahren ums dreifache auf vielen Strecken zugenommen hat, teilweise Belagerungszustände an vielen Hotspots herrschten und leider auch viele große Laichfische „im Namen des Gesetzes“ getötet oder sogar umgesetzt wurden, ein eher dunkles Kapitel in der Geschichte der Weserfischerei.

Mit dieser Entwicklung ging auch eine deutlich spürbare Verschlechterung der Angelmöglichkeiten auf, man reglementierte das Karpfenangeln sehr stark.

Schlagwörter hierzu, ohne großartig drauf einzugehen: Wildes Camping, Überwürfe nur von Sonnenauf- bis –untergang, Nachtangelverbot, Boilieverbot, usw.

Nun ja…zurück zur Weser, habe einige Bilder mitgebracht, an denen man erkennen kann, dass selbst bei mehren Nächten ohne Run (was sehr, sehr häufig vorkommt !) die Weser einen gerade zu magisch in den Bann ziehen kann, wenn man das ganze noch mit einem Freund teilen kann und eine schöne Zeit verlebt, ist der Fang eines wunderschönen Weserspieglers „nur“ eine Extrazugabe, die natürlich gut ankommt.

Über die Jahre hinweg ist genau das auch immer mehr in den Vordergrund gerückt, man ist lange nicht mehr so verrückt, wie noch vor einigen Jahren, man kann sich wie ein Schneekönig freuen, selbst wenn der andere den Fisch fängt.

Ein Fazit aus den ganzen Jahren ist, dass wir in der letzten Zeit zwar deutlich weniger Fische gefangen haben, dafür aber deutlich größere und dies ist auch der Tenor vieler Kollegen, die auch die Weser befischen. Bekannter Maßen ist ja auch schon wieder ein Fünfziger aus der Weser gefangen worden, jedoch ist dies nicht wie angenommen der Weserrekord, sondern dieser Fisch nimmt „nur“ den 2. Platz ein.

Richtig ist -und das ist beweisbar- dass der Weserrekord aus den 80er Jahren stammt: Ein Angler aus der Nähe von Nienburg fing einen Karpfen, der deutlich schwerer war und lange Jahre die Blinker-Hitliste anführte.

Ich bin der Weser über all die Jahre trotz langer Blanks treu geblieben und so wird es wohl auch bleiben.

ich habe „meinen“ Fisch in der Weser gefangen (Danke an Olli für die exzellente Platzwahl !) und wünsche jedem, dass er ein ähnliches Erlebnis an dem Gewässer hat, an dem sein Herz hängt.

ich bin an der Weser groß geworden und möchte hier auch alt werden, na ja, noch älter werden, muss ich in meinem Alter schon sagen.

Tight lines

Euer Sebastian

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