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Karpfenangeln in unterschiedlichen Gewässern |
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...erschienen im Carp Hunters Magazine September 2009 |
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Teich, Bächlein, See, Fluss und Karpfenmeer üben einen gewaltigen Reiz des Entdeckens aus und beherbergen mitunter kapitale Karpfen. Möchte man sie erfolgreich befischen, erfordert jedes Gewässer, je nach Jahreszeit, eine differenzierte Vorgehensweise. Vier Fische, gefangen in See, Fluss und Karpfenmeer, erzählen vier Geschichten von Frühling bis Spätsommer. |
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Und genau das ist es doch, wonach sich das Karpfenanglerherz im Frühjahr sehnt! Der Frühling ist eine faszinierende Jahreszeit. Die Natur über und unter Wasser erwacht allmählich aus ihrem Winterschlaf. Erste Triebe und Knospen hauchen den Pflanzen neues Leben ein und in den Flachwasserzonen versammeln sich oftmals als erstes die liebestollen Weissfische. |
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Für meine Futterstrategie bedeutet das, das ich mit sehr wenig Futter viel erreiche, erreichen kann. Für Seen dieser Grössenordnung verwende ich bei diesen Bedingungen sehr gerne Kleinstpartikel, Weizen gemischt mit Hanf. Boilies fütter ich sparsam, so um die 10 Stück pro ausgelegter Rute und Partikel lediglich 2 Kellen. Das Wenigfüttern hat den Vorteil, nicht scharenweise Weissfische anzulocken und trotzdem den Karpfen das anzubieten, was sie zu dieser Jahreszeit natürlich vorfinden – Kleinstfutter. |
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Der Frühlingsbulle aus der Flachwasserzone |
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Und wie es manchmal so ist im Leben, rannte genau diese Rute morgens um 3.34 Uhr abermals ab. Ein anstrengender Drillverlauf, vor allem im Uferbereich mit immer neuen Fluchten, liessen mich auf einen guten Fisch spekulieren. Im trüben Kopflampenlicht erkannte ich einen traumhaften Schuppenkarpfen. Schön dunkel mit kräftigem Körperbau und mächtigen Flossen, kam selbst ich als eingefleischter Spieglerfan ins Schwärmen. Prima, gleich der zweite Fisch der vermutlich grösste des Sees. |
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Flussangeln auf Karpfen ist meines Erachtens sicherlich eine der Königsdisziplinen beim Karpfenfischen. Gigantische Wassermassen, immer in Bewegung, launisch, unkalkulierbar und dynamisch mit ständig wechselnden Pegeln und Bedingungen. Flusskarpfen wollen erarbeitet werden und es kostet enorm viel Kraft und Energie, die ganze Saison am Fluss erfolgreich zu fischen. Da ich Abwechslung bevorzuge, habe ich mir diesen einen Frühlingsmonat für dieses Unterfangen reserviert. Es gibt zahlreiche Flüsse, an denen es sehr viel Freude bereiten kann, Karpfen zu fangen. Es müssen nicht immer die gigantischen Ströme Europas sein, nein, auch kleinere Flüsse haben durchaus ihren Charme. Das deutsche Wasserstrassennetz verfügt über 7500 schiffbare Kilometer! |
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Das Grundgerüst des deutschen Wasserstrassensystems bildet der Rhein mit seinen Nebenflüssen Mosel, Main und Neckar sowie die Flüsse Weser, Elbe, Donau und Oder. Durch den Bau von Kanälen und den Zufluss kleinerer Flüsse, ergibt das ein regelrechtes Verkehrsnetz. Dieses Verkehrsnetz nutzt nicht nur die Binnenschifffahrt, sondern natürlich auch unsere Karpfen. Es findet in diesem Verkehrsnetz also ein reger Austausch statt, den nicht nur die gemeine Wollhandkrabbe eindrucksvoll demonstriert. So entschied ich mich für ein kleineres Flüsschen, welches aber Verbindung zu einem grösseren hat. |
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An diesem Fluss ist es erforderlich, die Wettervorhersage und auch die Pegelstände unbedingt im Auge zu behalten. Nur allzu schnell geht es bei fallendem Pegel, dass unsere gefundene Stelle trocken liegt und nur noch ein monotones Flussbett als Spott übrig bleibt. Es ist dieses dynamische an unseren Flüssen, welches die Suche nach den Karpfen erschwert. |
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Aussichtsreiche Plätze können schon nach dem nächsten Hochwasser wahrlich weggespült sein. Ständig ändern sich Kleinigkeiten im Flussverlauf und so richtig einzuschätzen vermag man es nur, wenn man viel und oft beobachtet. So passe ich gerne meine Angelei dieser Dynamik an und suche mit kleinem Tackle mobil den Flussverlauf ab. Irgendwann ist der Erfahrungsschatz an Fliessgewässern so ausgeprägt, dass man diese Gewässer lesen kann und etwas schneller zum Fisch kommt. Sicherlich kann man auch penetrant an Stellen hocken bleiben, bis dass der Bart unendliche Längen erreicht hat und klar, irgendwann kommen auch die Karpfen. Richtig kennen, lernt man ein Gewässer so aber nicht und was hätte man während der langen Zeit des stumpfen Verharrens alles fangen können? |
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Wir packen ein und steuern die nächste Stelle an. So lernen wir nach und nach das Gewässer wirklich gut kennen und oftmals ist der Stellenwechsel produktiv. Ein Platz mit ähnlicher Charakteristik bescherte dann in der zweiten Nacht mehrere Läufe, darunter ein mächtiger alter Flussrecke mit 19,70 kg. Anglerherz was willst du mehr? Der Wonnemonat neigte sich dem Ende und nach zahlreichen wunderbaren Flusskarpfen sollte es nun zum verdienten Sommerurlaub ans Karpfenmeer gehen. Die Zeiten, in denen ich das ganze Jahr fast überwiegend an Flüssen geangelt habe, möchte ich nicht missen, jedoch ist es eine sehr intensive und anstrengende Art zu angeln, so dass ein wenig Abwechslung mehr als willkommen ist! |
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Was liegt da näher, als der Besuch eines Karpfenmeeres? |
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Leider ist unser Leben viel zu kurz, um auch nur einen Bruchteil dieser oftmals traumhaften Gewässer zu befischen. Ein Urlaub im Jahr an einem dieser Karpfenmeere für mindestens 10 Tage reicht in den wenigsten Fällen aus, ein solches Meer kennen und lesen zu lernen. Wie also vorgehen? In der Regel gibt es für alle diese Binnengewässer geeignetes Kartenmaterial mit Tiefenangaben, so dass man bereits im Vorfeld eine erste Auswahl geeigneter Angelplätze treffen kann. Ein weiteres Medium zur Orientierung ist sicherlich das allseits beliebte Google Earth. Weitere Kriterien, wie beispielsweise die Hauptwindrichtung schränken die Auswahl weiterhin etwas ein. |
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Eines jedoch ist sicher, Sternstunden sind möglich und es ist dieses aussergewöhnliche Gefühl der totalen inneren Zufriedenheit, wenn man an einem Gewässer dieser Grössenkategorie erfolgreich war. Auch ist es eher unwahrscheinlich, dass Kumpel Bert beim Betrachten der Bilder die Stirn runzelt und selbstherrlich anmerkt: “Den hatte ich aber auch schon, mit 21 kg.“ Jedem das Seine und schlussendlich ist es natürlich auch so, dass jeder mit sich selbst ins Reine kommen muss. |
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Durch ihre Präsenz und das aktive Umwühlen des Bodens steigen immer wieder Sedimente und kleine Wolken auf. Sie wühlen und fressen, nur, es muss immer Futter nachgeschoben werden! Bis zu dreimal täglich bediene ich anfangs den Futterplatz grosszügig in der Fläche. Man muss es klar sagen, es ist nicht wirklich möglich, diese riesigen Schwärme ständig unter Futter zu halten. Die harten Boilies sind aber so leicht nicht zu knacken und so zupfen und lutschen die Weissfische ständig daran herum, bis Maisnachschub kommt. Und irgendwann kommen hoffentlich die Karpfen, aufmerksam gemacht durch die ständige Wühlerei und Aktivität der Brassen und Rotaugen. |
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Sommertraum mit 22,50 kg |
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Schön zu beobachten war auch, dass die Karpfen sich von dem Futterplatz nicht mehr allzu weit entfernten, es ist nur zwingend Nachschub beim Futter erforderlich. Ist der Platz richtig aktiv, bekommt man mitunter 3-5 Läufe pro Nacht. Oft ist es dann auch so, dass die Karpfen als Platzhirsche die Brassen komplett verdrängen. Man mag es sich in einem solchen Fall kaum vorstellen, wie viele Karpfen ein solcher Schwarm wohl beherbergt? Oder sind es unterschiedliche Schwärme? |
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Und als die ersten Windungen Schlagschnur die Rolle füllten, sahen wir ihn, im trüben Schein der Kopflampe, wie ein Brett an der Wasseroberfläche liegen – unglaublich. Über einen Meter lang, erschrak er und tauchte dann vehement ab. 20 Minuten später lag er im Kescher, ein gewaltiger Spiegelkarpfen. |
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