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Lac du Der Chantecoq im Sommer

Zuerst wusste ich nicht so recht, was ich davon halten sollte. Ove rief mich vom Lac du Der an und sprach davon, ich solle kommen und die Stelle übernehmen. Da ich damals der Meinung war, erst in Deutschland große Fische fangen zu müssen und vom damaligen Frankreich Hype überhaupt nichts hielt, grübelte ich, fahren oder nicht!

Das ewige Theater mit meiner damaligen Freundin war wohl ausschlaggebend, daß ich mich dafür entschied zu fahren. Im Nachhinein nochmal Danke JB!

Nicht wirklich wissend, was mich erwartet, war ich mittlerweile doch irgendwie neugierig geworden, was denn an dem Angeln in Frankreich so anders ist, das es eine Vielzahl mir bekannter Angler immer wieder dort hinzog. Es konnte nicht nur allein die Fischgröße sein. Nach ca. 6 Std. Fahrt am See angekommen, war ich sofort begeistert von dem riesigen See und der Atmosphäre in den Nachtangelzonen. Der See hatte mich sofort in seinen Bann gezogen. Es war fantastisch! Super Wetter, blaues Wasser und in ca. 400 m eine Insel! 400 m? Nach den ersten Gesprächen mit Frank & Ove klärten mich die beiden auf.

Die Rolle fast leer, wurden die Ausläufer der Insel befischt. Nach einer gründlichen Echolottour machten wir es uns für unsere letzte gemeinsame Nacht gemütlich.

Morgens vernahm ich ein zaghaftes Piepen, von Run konnte man nicht sprechen. Ove brabbelte was von 10 pfündigen Schleien...Und so fuhr ich mitsamt Rute dem Rig entgegen.

In weiser Voraussicht nahm ich den Kescher mit und die Schleie erwies sich als mein 1. französischer Karpfen. Ich war baff & begeistert zugleich. Nach anschliessendem Fotografieren, packten Frank & Ove ein und liessen mich in Frankreich allein zurück.

Das sollte sich bereits des Nachmittags ändern. Ein Twingo mit Kennzeichen PB näherte sich meinem Bivy und ein mir bekanntes Gesicht fragte höflich, ob was geht und ob wir zusammen fischen wollen.

Wir kannten uns nur sporadisch, da wir uns in einer Disco kurz austauschten. Da wir aber irgendwie nicht den selben Horizont hatten, fiel das Gespräch nur sehr kurz aus und jeder ging seines Weges.

Mein 1. Franzose - 13 kg Lac du Der Karpfen

Das sollte sich nach diesem gemeinsamen Angeln ändern, denn heute sind wir die dicksten Freunde & betreiben ja bekanntlich diese Webseite gemeinsam.

Olli baute direkt neben mir auf und fischte vor und neben der Insel. Bedingt durch seine Studiererei und der wahnsinnig vielen Freizeit, war er in Frankreich schon viel herumgekommen und wusste allerhand zu erzählen. Erwähnenswert auch seine Allzweckschüssel, die nicht nur zum Salat mischen, sondern auch als Kaffeetasse diente. Wir verstanden uns auf Anhieb blendend und konnten es nicht begreifen, warum wir bei unserem ersten kurzen Kennenlernen nicht zueinander fanden. So hilft der Zufall manchmal auf die Sprünge.

Wir quatschten bis tief in die Nacht und gegen Mitternacht lief Ollis Rute los. Gemeinsam gingen wir ins Boot und fuhren dem Fisch entgegen. Ein schöner Spiegler tauchte unweit des Bootes auf und Olli drillte ihn sicher aus. Was für ein Fisch! Wir ruderten zurück und wogen den Spiegler. Was für ein Auftakt für Olli! Ich selbst konnte es auch nicht fassen. Wir legten uns auf unsere Liegen, schlummerten langsam ein und die Fische wuchsen im Traum ins Unermeßliche. Am frühen Morgen gegen 5 Uhr, Dauerton auf meinem Rod Pod. Schnell sprang ich auf, ab ins Boot und zum Fisch! Nach unvergeßlichem Bootsdrill, kescherte auch ich einen super Spiegler.

Am Ufer angekommen wartete Olli schon auf meine Beute & mich und guckte erstaunt. Wir wogen den Fisch und er war genauso schwer, wie Ollis Fisch um Mitternacht. So hatten wir bereits nach unserer 1. Nacht eine weitere Gemeinsamkeit! Ein gutes Omen für unsere zukünftige Freundschaft. Stolz machten wir schöne Bilder und erfreuten uns, an unserem gelungenen Auftakt. Die Freude sollte nicht lange währen, da gegen Mittag französische Guard du Peche ihren Einsatz in unserer Nachtangelzone hatte.

Perfekter Auftakt, 2 Der Karpfen von 35 Pfund

Sie meckerten über unsere allzu leeren Spulen und wir hielten es für besser einzupacken. Wir erkundeten den See und grübelten und beratschlagten, wie wir das Beste aus der uns noch verbleibenden Zeit rausholen können. Wir beschlossen, uns nicht einschüchtern zu lassen und fuhren zu unserer alten Stelle zurück, bauten wieder auf und fischten wie zuvor einfach weiter. Was sollte uns schon passieren?! Es passierte auch nichts mehr, ausser, dass noch einige schöne Fische im Netz landeten.

Ein wenig ärgerten wir uns über unsere Angsthasenmentalität, denn nachdem wir zurückkehrten, kam kein Aufseher mehr und wir hatten unsere Ruhe. Wir philosophierten über das Leben, die Frauen und wie wunderschön es doch ist, einfach am Wasser zu sitzen, diesen fantastischen See vor Augen und Fische zu fangen. Diese Unbekümmertheit hatte dann leider nach einer Woche ein Ende, so daß wir einpackten und Richtung Heimat düsten.

Nun konnte ich diesen ganzen Frankreich-Hype nachvollziehen und wusste genau, so schnell wie irgendwie möglich nutzt du die nächste Gelegenheit, um zurückzukehren, zurück zum Lac Du Der.

Es war eine tolle Zeit und Frankreich hatte mich völligst begeistert! Obwohl ich ja erst das 1. Gewässer befischte, wollte ich mehr!

Olli und ich trafen uns bereits am Wochenende in der Disco wieder, wo er als Thekenchef seine Penunzen für seine ausgiebigen Frankreichtrips verdiente.

Wir liessen die Ereignisse Revue passieren, schmiedeten Zukunftspläne, erfreuten uns über die vielen hübschen Mädels in der Zivilisation und feierten ausgiebig bis in die Morgenstunden.

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