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Memories

Jeder Karpfenangler kennt das, nach jedem vergangenen Jahr, folgt der obligatorische Jahresrückblick. Jedes Jahr ist es anders, mal gibt es ein normales Jahr und dann gibt es diese Jahre, von denen man wünscht, sie würden nie zu Ende gehen!

Ich schaue aus dem Fenster, es ist bewölkt und ein Gemisch aus Regen und Graupel wird vom Sturm durch die Landschaft gepeitscht. Ein Blick aufs Thermometer zeigt, dass es nur ungemütliche 2 Grad sind. Dieses mal bin ich froh, im warmen Haus zu sein und nicht in meinem Zelt am Wasser. Was schon was heißen soll, denn normalerweise ist eher das Gegenteil der Fall.

Schnell wieder auf`s Sofa und den Griff nach der nächsten Fotomappe. Ja so ist das, meine Lieblingsbeschäftigung im Winter besteht daraus, die Fotos des vergangenen Jahres anzuschauen und die Geschehnisse noch einmal Revue passieren zu lassen. Der Winter hielt sich im Frühjahr 2006 viel zu lange und nachdem Anfang März die Gewässer eisfrei waren gab es auch kein Halten mehr. Doch der Weg zum ersten Fisch war lang und beschwerlich, so machten die ewigen Kälteeinbrüche ein erfolgreiches Angeln unmöglich und es dauerte ewig, bis die Wassertemperaturen so langsam stiegen. Ich war gezwungen, das Hauptaugenmerk auf einen kleineren, gut besetzten Teich zu legen und konnte dann auch Erfolge verbuchen. Bei einer Wassertemperatur von 12 Grad, es war mittlerweile schon Ende April, wechselte ich dann an mein Stammgewässer und der erste Fisch war gleich ein Knaller mit 33Pfd!

Guter Start, doch danach lief es wieder nur schleppend weiter. Gegen Mitte Mai kam dann die erste große Session, es sollte mit Marcel für zwei Wochen nach Meck- Pomm gehen. Lange fieberten wir diesem Tag entgegen und als wir abends mit unseren Autos starteten, nahm das Unheil wieder seinen Lauf.

So gegen 1 Uhr nachts waren wir gerade kurz vor Ülzen, als plötzlich meine Temperaturanzeige hochschoss. Wir hielten am Rand einer Siedlung und ich verständigte den ADAC. Es dauerte auch nicht lange bis dann endlich ein „gelber Engel“ bei uns ankam. Die Diagnose lautete: Zylinderkopfdichtung defekt! Was für ein Rückschlag, wir überlegten, wie es weitergehen sollte, entweder abbrechen und nach Hause oder verkürzen und eine Woche fischen.

Immerhin bezahlte mir der ADAC für diese Zeit einen Leihwagen. (Ein Tipp von mir: Eine ADAC- Plus- Mitgliedschaft ist Gold wert und kann überlebenswichtig sein. Die Leute dort waren sehr hilfsbereit, sie haben sich um alles gekümmert und das, obwohl es mitten in der Nacht war.)  Wir sahen die Panne natürlich als Zeichen an, dass uns vielleicht der liebe Gott warnen wollte weiter zu fahren aber hinterher ist man immer schlauer und von der Gier getrieben, setzten wir natürlich die Tour fort. Tja, um es kurz zu machen, wir hätten mal lieber gleich umdrehen sollen. Bei mir war die Woche nur ein einziger Blank, Marcel fing immerhin zwei Fische mit 19 und 3Pfd.  Nach diesem negativ- Erlebnis rückte mein Geburtstag immer näher.

Mein größter Wunsch war es schon immer, einen Geburtstagsfisch zu fangen und die letzten Jahre versuchte ich es immer wieder, doch es wollte nicht klappen. Dieses mal sollte es besser laufen. Endlich war es soweit, ich beschloss rein zu fischen, doch als ich am Morgen meines Geburtstages aufwachte, war ich immer noch blank. „Es soll wohl auch dieses Jahr nicht sein?“, dachte ich und wollte vor Frust einpacken, als dann der Dauerton kam. Kaum zu glauben aber wahr, endete der Vormittag mit insgesamt vier Geburtstagskarpfen.

Der nächste Höhepunkt lief währenddessen schon, so fand die Fußball- Weltmeisterschaft statt und das Angeln wurde erheblich eingeschränkt. Nach der WM ging es dann gleich weiter und es landeten noch einige beschuppte Freunde im Kescher, da es mittlerweile mal richtig gut lief. Anfang August war dann auch die Zeit der Revanche gekommen, Christoph und ich starteten dann für eine Woche nach Mecklenburg. Dieser Trip lief zum Glück besser, das Auto blieb heile und wir konnten einige schöne Fische fangen. Auch sonst war es eine schöne Zeit, wir hatten viel Spaß, befischten traumhaft schöne Gewässer und konnten regelmäßig Karpfen fangen, lediglich war das Wetter leider etwas kälter als erhofft. Doch so wirklich zufrieden war ich mit dem Verlauf des Jahres nicht und so hieß es auf den Herbst hoffen.

Die Herbstsaison beginnt für mich immer ab September, auch wenn das Wetter noch mehr von Hochsommer hatte, doch hatte ich extra für diesen Zeitpunkt meinen Stammplatz über eine Woche lang präpariert. Gleich zu Beginn des Septembers fischte ich dort eine Nacht und die ganze Arbeit mit dem Vorfüttern sollte sich gelohnt haben. Gleich die erste Nacht brachte mir einige gute Fische. Ich fing jede Nacht auf meinem Platz Karpfen, teilweise sogar sechs Stück die Nacht, was für diese Gewässer schon spitze ist. Ebenfalls positiv war auch, dass sich das Wetter bis Mitte Oktober konstant hielt und es angenehm warm war.

In der Zeit von Anfang September bis Mitte Oktober bissen mehr Fische, wie bis dato im ganzen Jahr, allerdings wurde auch jede freie Minute ins Fischen investiert. Dann begann die schlechte Phase, bedingt durch einen Kälteeinbruch, lief es immer schlechter auf diesem Platz. Eigentlich mussten Fische noch fressen, allerdings hatten sie bei mittlerweile 8 Grad kaltem Wasser wohl schon ihre Winterplätze aufgesucht. Ich begann sie aktiv zu suchen, d.h. soviel angeln wie geht und jede Nacht neue Spots testen.

Fast alle Stellen am See befischte ich schon, als ich sie endlich fand. Gleich die erste Nacht an dem neuen Spot brachte mir zwei Carps. Ich brauchte die Bank nicht mal großartig vorfüttern, da die Fische dort eh standen, nun ging es endlich wieder bergauf! Das ganze fand gegen Ende November statt und wie gesagt, war das Wasser schon recht kalt, weshalb man unbedingt seine Fischerei anpassen muss. Eine gute Variante sind Mini- Boilies, Pellets, Stippfutter und Hanf. Alles wurde mit dem Stippfutter zu Ballen gebunden und pro Rute kamen drei dieser Ballen ins Wasser.

So war gewährleistet, dass sich die Fische nicht sattfressen können und es zu einer guten Geruchswolke unter Wasser kam. Der Hakenköder und fünf Minis wurden in einen Futterballen geknetet und stellten somit die fressbare Grundlage dar, welche auf kleinsten Raum zu finden war, simpel aber effektiv! Auf jedenfall sollte man ab einer Wassertemperatur von unter 12 Grad die Futtermenge reduzieren. Viele Angler scheinen das noch nicht geschnallt zu haben und wundern sich über ihre miserablen Resultate.

Am ersten Dezemberwochenende ging es dann noch einmal an den Twente- Kanal. Christoph und ich hatten große Erwartungen an diesen Trip und trotz bester Bedingungen hatte ich in drei Nächten nur einen einzigen Lauf, welcher dann auch noch verloren ging. Das ist deutlich zu wenig für diesen Kanal und es war auch merkwürdig, dass wir nicht mal Brassen gefangen hatten, es wirkte wie ausgestorben!

Unserer Meinung nach ist dieses Gewässer kaputt, ob das nun an der Industrie oder an den Horden osteuropäischer Fischbestandszerstörer liegt, wissen wir nicht aber der Kanal ist definitiv nicht mehr so wie früher!

Danach war das Angeln auch bei uns daheim nicht mehr so lohnenswert, da die Wassertemperatur noch weiter gesunken war, weshalb ich das Fischen etwas reduzierte, außerdem brauchte ich ein wenig Erholung, da ich mich vom Herbst regenerieren musste.

So fischte ich in der Zeit von Anfang September bis Anfang Dezember immer 3- 5 Nächte pro Woche, d.h. das ich oft noch Abends im Dunkeln nach der Uni zum See gefahren bin und dann Morgens wieder weg und zurück zur Uni. Das war schon echt krass und ihr könnt mir glauben, dass diese kurzen Nächte ganz schön schlauchten, doch immerhin hatte ich super gefangen (bis 39Pfd) und das ist es doch was zählt.

Fabi und sein Weihnachtskarpfen

Doch nach dem geilen Jahr gab es noch ein weiteres Ziel, ich wollte meinen ersten Weihnachtskarpfen fangen. Also setzte ich mich am 24.12. ins Auto und zischte zu Marcel ins Münsterland. Wir befischten dort einen mittelgroßen See bei 5 Grad kaltem Wasser und am 25.12.06 um 6.30 Uhr war es dann soweit, der Delkim gab den Dauerton und der Kescher brachte nen schönen Zwanziger an Land. Auch Marcel war erfolgreich und so trat ich am 26.12. zufrieden die Heimreise an. Eine Woche später war ich wieder da, denn wir hatten noch den Wunsch einen Silvesterfisch zu fangen, so fischten wir die Nacht vom 30. auf den 31.12., doch das sollte dann leider mal nicht klappen.

Im Anschluss ging es auf eine Silvesterparty und wir feierten bei reichlich Alkohol den Abschluss eines sagenhaften Angeljahres.

Doch auch im neuen Jahr war ich schon aktiv und so konnte ich dank Kyrill meine ersten Fische des Jahres 2007 fangen.

Ich wünsche allen Besuchern von Karpfen04.de ein tolles und erfolgreiches neues Jahr 2007.

Mit freundlichen Grüßen

Fabo

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