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Sommer 2010 oder nach der WM ist vor der EM...

...und der ganz alltägliche Wahnsinn!  ---> by Fabian Reichstein

Was war das doch für ein merkwürdiges Jahr, erst dieser nicht enden wollenden Winter, gefolgt von einem Frühjahr welches ehr dem Herbst glich (noch nie hatte ich im Mai die Zeltheizung so oft im Betrieb) und einem Rekordsommer welcher die Angelei auch nicht angenehm machte! Hat es sich immerhin wieder abgekühlt, denn die Gewässer waren fast am Überkochen bei Wassertemperaturen von teilweise über 26°C. Vielerorts drohten Gefahren für die Fische, so können durch Sauerstoffmangel gerade kleinere und flachere Gewässer umkippen! Aber andererseits haben wir uns doch nach so einem Winter auch einen ordentlichen Sommer verdient oder nicht?

Folgende Situation kommt wohl jedem bekannt vor: Nach dem anstrengenden Transport und Aufbau des Equipments (bei dem man von den blinden Fliegen zerstochen wurde) kann man genüsslich ein paar runden schwimmen und sich wenigstens ein bisschen akklimatisieren. Bis dann zum Abend die Mücken so richtig aufdrehen und Appetit kriegen, und wenn alles gut geht, hat man bis dahin auch schon die ersten Zecken gefunden! Die Nacht verspricht ebenfalls wenig Abkühlung und so wälzt man sich unruhig hin und her in den Schlaf. So schmeckt der Sommer!

Hört sich alles Leidig an, aber so schlimm ist es ja auch wieder nicht und wenn nicht gerade im Oktober schon der Winter Einzug hält, soll es doch bei den hohen Wassertemperaturen möglich sein, lange bis in den Winter hinein fischen zu können. Aber das werden wir dann im Herbst- update sehen.

Viel füttern hilft nur manchmal

Leider müssen wir noch ein Wort zum vergangenen Winter loswerden- wie schon berichtet gab es in vielen Gewässern massive Opfer unter den Fischen aufgrund der langen Frostperioden. Mittlerweile ist noch etwas anderes erschreckendes aufgefallen: Auch die Eisvögel haben den Winter nicht überlebt! An allen unserer Gewässer, welche einen guten Eisvogelbestand hatten, wurden in diesem Jahr überhaupt keine dieser schönen Tiere mehr gesehen! Dieses verdeutlicht auf recht einfache Weise, wie schlimm sich ein zu starker Winter auf die Natur auswirkt. Es wäre interessant zu erfahren, ob auch in anderen Gebieten Deutschlands dieselben Beobachtungen gemacht wurden?

Auf zum nächsten Höhepunkt des Jahres, und das war ganz eindeutig die Weltmeisterschaft! Wirklich tolle Spiele und wer hätte es dieser jungen deutschen Mannschaft zugetraut, sogar die Argentinier und Engländer Haus hoch nach Hause zu schicken?! Leider hat dann doch der Oktopus recht behalten und gegen Spanien war Endstation, trotzdem war es schön. Übrigens haben wir uns den Orakel- Paul organisiert und von nun an wird er uns bei der Auswahl der richtigen Gewässer helfen, wie die Fische dieses Updates schon beweisen.

Ich weiß nicht, ob es nur uns so ging aber dieses Jahr schienen die Karpfen nicht so wirklich in Fresslaune zu sein? Egal ob nun im Frühjahr oder im Sommer, es gab immer wieder lange Phasen in denen man selbst mit Handstand und dabei noch mit den Händen klatschend keinen Karpfen hätte verzücken können. Selbst als dann endlich die Laichzeit vorbei war, blieb vielerorts der ersehnte Fressrausch aus. Nun gut, dann wird es wie jedes Jahr und man muss seine ganze Hoffnung halt in den Herbst setzen. Aber Aufwand wird belohnt und selbst wenn es noch so schlecht läuft, muss man trotzdem den einen oder anderen Fisch überlisten können - das ist Angeln!

Marco konnte auf seine Köder ganz besondere Beifänge verbuchen!

Wahnsinn: Die nächste Guidingtour zum Cassien! Wir fragen uns zu diesem Thema nur, wo bitte schön der Reiz eines solchen Events liegt? Bezeichnen wir uns nicht selbstredend als „Hunter“? Liegt die Herausforderung des Fischfangs nicht bei den eigenen Fähigkeiten zur Location? Wenn nun jemand anderes dafür bezahlt wird, uns zum Fisch zu verhelfen, kann man dann überhaupt noch von „selbst überlisteten Fischen“ sprechen? Ist es nicht schon peinlich, zu den Leuten zu gehören, die es anscheinend nicht schaffen, sich ihre eigenen Fische zu erarbeiten?! Spinnt man die Frage nach dem Können noch weiter, sollten sich dann manche Leute nicht überlegen, ob sie sich doch besser ein neues Hobby suchen sollten? Oder ist der Fischfang nur ein sekundäres Ziel, vielleicht geht es ja in erster Linie darum, mit dem „King of Cassien“ ein paar Flaschen Ramazotti zu trinken? Wenn diese buchbare Tour nun sogar 650 Euro kosten soll und man dafür trotzdem noch die Anreisekosten & Verpflegung (welche am meisten ausmachen) zu tragen hat, dann verstehe ich nicht, dass sich manche Leute trotzdem noch für so etwas entscheiden? Dazu kommt natürlich noch, dass auch der weltbeste Guide einem keine Fang- bzw Großfischgarantie geben kann, vor allem nicht an einem so launischen Gewässer, wie dem Cassien.

Wenn wir im Zweier- Team fahren kostet es so um die 350 Euro und da sind sogar Verpflegung, Angelschein, Benzin und Maut mit im Preis…und wer sich ein bisschen anstrengt, der wird auch nicht als Schneider nach Hause fahren! Aber jetzt nicht falsch verstehen, wir bieten keinen Guidingservice an!

Ich verbrachte etwas Zeit am Kanal und dank meiner „Kanaltaktiken“ konnte ich auch ein paar schöne Fische auf die Matte bitten -----> nach zu lesen in der Juli- Ausgabe des CHM!

Auch wenn in Meck-pomm viele Fische gestorben sind, konnte Sandro diesen tollen Schuppi überlisten.

Sebastian mit einem dicken Brocken und einer geschuppten Schönheit.

Normalerweise schreiben wir ja oftmals über tolle Sachen bzw. heben wir die schönen Momente hervor, das muss jetzt leider mal aufhören und so kommen wir zum…

Aufreger der Woche:

Es ist ja nichts Verwerfliches daran, seine Angelei im Internet zu propagieren, nur warum müssen es manche Leute so gnadenlos übertreiben? Da werden Blogs oder auch „Logbücher“ über jeden  Angeltag online gestellt, sogar schon keine drei Stunden nach dem das Angeln beendet ist. Es wird alles was gebissen hat gleich abgelichtet und als Trophäe mit eingefügt. Was soll das? Ich frage mich, ob diese Leute sich dermaßen beweisen müssen, was für tolle Angler sie sind? Ist das nicht alles ein bisschen übertrieben? Ob es auch Leute gibt, die jeden Tag gleich morgens den PC anstellen und besagte Seiten besuchen, um in höchster Ekstase zu erfahren, ob ihr grosses Internetidol denn die Nacht wieder erfolgreich war?

Dieses ist ebenso gleich zu setzen, wie die Artikel aus den Fachmagazinen, wo einige Leute anscheinend jede erfolgreiche Session sofort veröffentlichen und sollten mal die Fänge zu schlecht sein, wird einfach irgendein Scheiss geschrieben, Hauptsache man ist in aller Munde und der Rubel rollt! Es schreiben Leute über die Boilieherstellung, welche nur die Fertigknicker ihres Sponsors fischen. Einem anderen Experten sind die Gewichte egal, er will nur Fische mit Charakter fangen und andere wiederum schreiben wohl nur um ihr auferlegtes Bussgeld wegen Fischwilderei bezahlen zu können?! Jeder, der sich schon seit langer Zeit der Karpfenangelei widmet, wird sich fragen, was bloss heutzutage los ist? Auffällig ist, dass gerade die jüngere Generation von Karpfenanglern dauerhaft in den Medien präsent ist. Es werden beim Angeln sämtliche Verbote missachtet, alles was zählt ist, endlich den Grossen zu fangen. Wenn man sie am Wasser trifft, fragt man sich, wie solche Böppen schon so überzeugt von sich selbst sein können?

Diese Leute sollten sich mal ernsthaft fragen, wozu sie eigentlich auf Karpfen angeln? Haben die überhaupt noch Spaß an der Sache oder geht es ihnen einzig um Prestige? Es gibt wohl nur noch ein Ziel und das heißt „Germanys next best Carphunter“ zu sein?

Aufreger des Jahres:

Nun verbrachte ich dieses Jahr einige Zeit beim Kanalangeln im Münsterland. Meine Gewässer dort waren auch Altarme, welche immer durch ihre ruhige Lage und prachtvolle Natürlichkeit reizten. An einem dieser Gewässer hatte ich schon 2007 gefischt und kehrte in diesem Jahr wieder dort hin zurück. Ich wurde im Vorfeld schon von befreundeten Stammanglern gewarnt aber was ich dort vorfand, war erschreckend- es wurden alle Bäume und Sträucher am Ufer gefällt, die Wege beidseitig, welche früher aus normaler Erde bestanden, wurden neu angelegt und mit grobem Schotter (Schiefergestein) befestigt. Was das alles soll, weiss wohl kein Mensch, anscheinend hatte das Wasserschifffahrtsamt Rheine wohl zu viel Geld über (so zumindest die Meinung einiger Anwohner und Spaziergänger)?

Die Sache ist nun so, dass dieser Schotter so grob und Spitz ist, das man selber beim Gehen die Spitzen durch die Schuhe spürt, Hunde können nur noch am schmalen bewachsenen Randstreifen laufen und die Radfahrer werden so durch geschüttelt, dass sie nur im Schritttempo fahren können! Wer hat also den Nutzen von diesen Massnahmen gehabt, die Besucher des Kanals oder das WSA, welche nun jeden Tag mit ihren Autos den Kanal hoch und runter fahren können? Ein neues Gerücht verbreitet noch dazu Angst und Schrecken, soll doch ein Investor dort bald eine Hochwasser- Teststrecke bauen, dazu soll der Altarm verspundet und begradigt werden. Ein Wellensimulator soll dann grosse Fluten inszenieren. Ich hoffe es wird nicht dazu kommen, denn dann würde wieder ein besonderes Stück Natur zerstört werden! Die Kanal- Altarme sind ganz besondere Habitate, mit einer einzigartigen Flora und Fauna. Solche Lebensräume gilt es um alles Erdenkliche zu schützen, hoffentlich ist das den Politikern aus Münster klar, nicht das diese wieder nur das Geld vor ihren Augen sehen!

Vorher                                       ---->                      nachher!

So, das war jede Menge harter Tobak aber manche Sachen müssen auch mal ausgesprochen werden!

Ansonsten bleibt uns nur noch das Warten auf den hoffentlich glorreichen Herbst, der sich meinetwegen gerne noch bis zum Oktober Zeit lassen darf. Schön wäre es ja, wenn bis dahin die Tage noch möglichst warm und sonnig wären, denn lange ist es nicht mehr hin, bis wieder der ungemütliche und kalte Winter uns erreicht und die Angelei dann immer unangenehmer wird.

Wir wünschen unseren Lesern einen schönen Rest- Sommer und einen guten Start in den Herbst!

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