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Dem Saisonabschluss entgegen, der Sonne hinterher...
                                                                                                     und den Faktor Glück im Gepäck!

Es muss Mitte Oktober gewesen sein, als David und ich über die Erfolge dieses Jahres gesprochen haben und das es bald schon wieder in die kalte Jahreszeit übergehen wird. Auch unter Betrachtung der eingesetzten Nächte kann man sagen, dass David ein wirklich nettes Jahr hatte. Direkt am Anfang der Saison konnte er gute Erfolge verbuchen und stand an unserem Hausgewässer zahlenmäßig niemandem nach. Anders bei mir. Nachdem wir bereits im Februar zwei Wochen am Cassien gewesen sind, forderte das Studium einfach zu viel Einsatz und Zeit, so dass ich nur zählbare Nächte am Wasser verbringen durfte. Zudem lief es nicht wirklich so, wie man es aus manchen Jahren gewohnt war. Woran so was wohl immer liegt?

Die Boilies stimmen, zu mindestens meint das der Angler. Die Stellen fingen die letzten Jahre immer, doch blieben die Biggis dieses Jahr aus. Was fehlte also? Ich behaupte mal der Faktor „Glück“! Ich meine, man kann so was doch beeinflussen oder etwa nicht? Liest man doch immer die großen Berichte der Leute, die es einfach drauf haben. Die einfach immer wissen wo die Fische sind. Die einfach, so scheint es jedenfalls, bei jeder Session einen 20 Kilo+ fangen oder sehe ich das falsch? Ich meine, es wird meisten Teils nicht geschrieben, wie lange die Leute los sind. An welchen Stellen sie fischen (erlaubt, nicht erlaubt), usw. Ein nettes Beispiel bezüglich solcher Fähigkeiten haben wir im Februar am Cassien gehört. Es gab dort einen Angler der in der Scene sehr bekannt ist. Er befand sich im Nordarm und wollte runter in den Südarm.

Scheinbar verging die Zeit ungewollt schnell, so dass er auf einer der Inseln für eine Nacht verweilen musste. Die Ruten wurden in das Wasser befördert, ohne die Tiefen zu nehmen, ohne nach Kanten zu suchen, ohne alles! Resultat dieser Nacht war die Hure mit einem wirklich netten Gewicht! Erzählt wurde diese Geschichte von zwei weiteren Deutschen, die dieser Person näher standen als wir. Es ging hier um Können, so waren sich die Beiden zweifelsfrei sicher. Es ging einfach darum, dass dieser Mensch wie kein zweiter am Wasser ist. Er wusste einfach was zu tun ist. Wo genau lag nun das „Können“? In der Art, wie er die Ruten geworfen hatte oder was ist passiert? An dieser Stelle mal die Frage nach dem Alkoholkonsum zu stellen wäre nicht die Schlechteste, denke ich. Aus unzähligen Aktionen und Berichten kenne ich die Person ebenfalls nur aus Erzählungen und Mundpropaganda.

Ein Urteil über diverse Sachen vermag ich mir deshalb nicht zu bilden. Eins steht jedoch fest, die Bilder, die man sieht, das was man hört, lässt sicherlich darauf schließen, dass er ganz einfach weiß was er macht und das sein Einsatz am Wasser sich bereits mehr als ausgezahlt hat. Und was mir solche Geschichten erzählen ist, dass er an diesem Abend vielleicht besser ins Casino hätte gehen sollen, denn den Faktor Glück hatte er wohl nicht nur an seiner Seite, sondern direkt mit im Schlafsack.

Beeinflussen kann man das Glück sicherlich, indem man Stellen sucht, die zumindest dem Angler mehr zusagen als Andere. Boilies, die zumindest dem Angler besser erscheinen als Andere. Trifft das wirklich immer zu? Man kann es selten wirklich mit ja oder nein beantworten, denn wer fischt wirklich mit „minderwertigen“ Kugeln? Wer fischt diese Stellen, die doch dem Angler nicht wirklich gut erscheinen? Wer fischt auf Kanten die in einem Winkel von 80 Grad abfallen oder ähnliches? Plateaus sind da doch deutlich besser oder etwa nicht?

Wenn ich mich richtig erinnere hat auch ein Freund von Fabian am Cassien nach längerer Zeit des Blankes zwei gute Fische gefangen, nachdem er die Ruten einfach blind ins Wasser befördert hat! Man tritt dem Glück also entgegen und hofft, dass man mit seinen Entscheidungen den Faktor „Glück“ etwas mehr auf seine Seite ziehen kann. Somit bleibt es letzten Endes Angeln, das Hobby was wir alle so lieben oder auch leben. Zwar hatte ich dieses Jahr auch schon diesen Faktor das eine oder andere Mal genießen dürfen, wollte mich aber damit noch nicht wirklich zufrieden geben. Was lag also näher als in diesem Gespräch nochmal mit meinem Kumpel David eine Session für den Abschluss des Jahres zu planen. Nun stehen also wie immer die Fragen vor der Tür: Wann? Wohin? Wie lange?

Es könnte ein Gewässer werden, welches wir seit längerer Zeit befischen, jedoch wäre dieser Abschluss ja nicht wirklich besonders. Also fiel die Wahl doch erneut auf den See an der Cote d’Azur. Schließlich hatten wir die Karten noch und die Vignette für die Schweiz klebte auch noch in der Scheibe. Die Kosten hielten sich also noch in Grenzen und das Wetter war nach längerer Betrachtung sehr überzeugend. Meiner Meinung nach fehlte uns dieses Jahr der Herbst im Nordwesten Deutschlands. Die Fänge im „Herbst“ waren bei uns nicht die Selben wie die Jahre zuvor. Also noch ein Grund mehr in den Süden zu fahren. Am Tag 15- 21°C, wenn die Sonne uns ihre Aufmerksamkeit schenkte und nachts die herbstliche Kälte nahe dem Gefrierpunkt. Die wohl schönste Zeit im Jahr! Es blieben uns 12 Nächte inkl. An- und Abreise, nicht die längste Zeit und dennoch das Einzige was wir aufbringen konnten. Wegen Zeitmangel war es das Ziel durchzufahren und sich zum Schlafen auf dem Beifahrersitz zu zwingen. Gesagt, getan! Nach gut 13 Stunden mit einem total überladenen Passat kamen wir endlich am Ziel an.

Nach Betrachtung der Parkplätze hinter der Brücke und bei Pierre, würde ich behaupten, dass der voll war! Andere sagen es wäre noch gut, bezüglich der Maße von Anglern. Sollten sie recht gehabt haben, würde mich interessieren wo weitere Leute sitzen wollen? Im Südarm stand ein Zelt neben dem anderem. Im Westarm sah es nicht wirklich besser aus.  Zwei Leute vom Brix-Platz mussten Ihre Ruten bis zum Ende des Westarms legen. Wie weit mag das sein? Ich vermute gut 350-400 Meter? Dahinten, wo die Ruten liegen mussten, da saß keiner, warum setzt man sich also nicht gleich dahin? Naja, ist so doch auch viel interessanter, so macht man wenigstens wieder etwas, was definitiv nicht erlaubt ist.

Nach einem kurzen Plausch mit Holländern die im Kreuz saßen und sich direkt genötigt fühlten uns mitzuteilen, dass einer von Ihnen bereits zum 23. Mal dort ist, hieß das Ziel Nordarm! Für mich immer noch Unnormal und nicht nachvollziehbar, sollten die Fische momentan auf 14- 20 Metern Tiefe laufen. Eine freie Stelle zu finden war nicht wirklich einfach. Im Frühjahr saßen wir auf der dritten Spitze, welche wir gerne wieder gehabt hätten. Leider standen hier bereits 2 Zelte und eine unbeschreiblich große Plane im Wald, unter der man Feuer gemacht hat und Orgien oder so was feiern wollte. Leider haben die Löschflugzeuge von diesem Spektakel nichts gesehen.

Unser erster Platz lag nun zwischen der dritten Spitze und dem Platz der Deutschen. Im Februar hätte ich meine Montagen dort abgelegt, wo nun mein Zelt stand. Egal, denn zu den Nachbarn war ein verhältnismäßig großer Abstand und ich hoffte die richtige Stelle genommen zu haben. In der ersten Nacht schmissen auch wir die Ruten, ohne unnötig Radau zu machen, in der Nähe vom Ufer ins Wasser. Die ersten zwei Ruten gingen auf geschätzte 8- 10 Meter runter, obwohl sie vielleicht 5-8 Meter vom Rand lagen - wow, nicht wirklich gut dachte ich, aber bei Helligkeit und dem Helfer Namens Echolot könnte sich ja am nächsten Tag ein anderes Bild zeigen.

Gehofft auf den Faktor Glück schlief ich sehr gut durch und David wohl auch. Selbst den Brassen war es scheinbar zu blöd an eine der Murmeln zu gehen. Naja, erste Nacht um, kein Fisch und noch keine Stellen, fängt doch gut an, wir haben ja schließlich genug Zeit. Am nächsten Morgen wollte ich erst einmal mit anderen Leuten sprechen, wie die Nächte gelaufen sind. In der für uns ersten Nacht sollten angeblich keine Fische gefangen worden sein, zu mindestens nicht von den Leuten, mit denen man sich verständigen konnte. An der Barrage saßen allerdings zwei Tschechen, die fast jede Nacht fangen konnten, jedoch meistens nur auf eine Rute. Diese Rute lag ziemlich weit hinten im Schongebiet, wo man vorher unter lohnenswerten Aufwand zwei Bojen von der Kette entfernt hat, damit diese nicht im Drill stören. Naja, dann gibt es nächstes Jahr halt wieder neue Regeln. Die Konsequenzen tragen doch dann nur die, die auch noch mal gerne an diesem See fischen möchten. Ganz toll! Also musste man sich auf die Infos der bereits zurückliegenden Fänge verlassen. Auf dem Platz Nr. 54 saß ein Norweger, hey, ein Norweger. Er ist 2500 Km gefahren, alleine, zum Fischen, geil oder? Er hatte bereits zwei Dicke fangen können, darunter auch Anni- Chardonnay. Beide Fische liefen auch bei ihm auf diesen für mich fremden Tiefen.

Also los, Stellen suchen. Wir fanden Stellen, die wir in unseren Augen für gut hielten. Eine davon besagte mir direkt nach der ersten „effektiven“ Nacht, dass ich Recht hatte. Ebenfalls für mich fremd die enorme Kampflust des Fisches. Ein Erlebnis wie man es nur jedem wünschen möchte. Der Drill eines Fisches vom Boot, über 20 Meter Tiefe und am anderen Ende eine enorme Kraft, die einen dazu zwingt immer wieder nachzugeben. Während des Drills kamen noch zwei Italiener vorbei, die gerne das Ergebnis sehen wollten. Ich sollte Sieger bleiben und konnte bereits nach der zweiten Nacht sagen, dass ich erfolgreich nach Hause fahren werde. Erleichterung, fällt doch eine gewisse Last von den Schultern. Entgegen den Aussagen der Anderen lief mein Fisch auf gut 2,5 Meter.

So genau kann man das ja nicht sagen, wenn morgens mal wieder der Pod im Wasser steht, obwohl er am Abend zuvor noch im Trockenen stand. Somit sah ich auch keinen Sinn darin mehrere Ruten auf gleicher Tiefe zu fischen. David hatte leider die Nacht kein Glück und hoffte weiter darauf, dass auch er vom Glück heimgesucht werden würde. Es sollte alles so bleiben wie es war und es verging eine weitere Nacht, in der wir nichts fangen durften, aber Besuch von einem Fuchs hatten. Direkt vor dem Zelt und gut 2,5 Meter vor unseren Füßen. Gewöhnen sich die wilden Tiere scheinbar an die ewig vorhandenen Angler und stören sich nicht mehr wirklich an ihnen? Ein See, an dem die Angler zur Natur gehören? Es scheint ganz so! Nach der zweiten Nacht ohne jeglichen Pieper sollten es dann doch noch andere Tiefen werden. Aber was genau blieb denn noch? Ich meine, momentan lagen meine Ruten auf 2,5 m, 7,5 m, 14 m, 20 m, ja, halt alles was noch dazwischen ist und was man fischen kann.

Somit waren die neuen Tiefen 2,5 m, schließlich hatte die Stelle schon einen Fisch gefangen, 5,5 m, 12 m, und 16 m. Am nächsten Morgen kam ein Fallbiss auf die 12 m Rute. Na super…Brasse. Jetzt sollte es wohl losgehen mit den 14 mm Boilies. Ich ahnte es wohl, dass es nicht gut gehen würde. Wir wollten nach dieser Nacht ohnehin die Stelle wechseln und demnach machte es auch nichts aus eine Brasse mehr oder weniger zu fangen. Also wieder raus mit dem scheinbar zu kleinen Boilie. Während des Frühstückens durchdrang dann ein lieblicher Ton die Ruhe am Zelt, Dauerpiep! Vollrun! Was ist nun los? Die gleiche Rute, die ich sonst nicht mehr rausgebracht hätte! Die Rute, die mir vorher eine Brasse gebracht hatte. Wir wollten nach dem Frühstück einpacken und ich hätte den trinnitusähnlichen Ton nicht vernehmen dürfen, wenn ich die Rute für die letzte halbe Stunde nicht erneut rausgebracht hätte. Davids Gesicht war Gold wert!

Bei uns war nun zum dritten Mal in 4 Tagen die Rute durch den Zielfisch krumm, hingegen den Anderen, die links und rechts von uns saßen. Aufs Boot und los geht es. Ebenfalls der gleiche Drill wie zuvor. Enorm stark und bestimmend gibt mein Gegenüber den Ton an. Dieser Drill dauerte ebenfalls im Vergleich zu meinen Bekanntschaften aus der Heimat sehr lange. Unter dem Boot kamen nach einer Zeit große Blasen hoch. David sagte gleichzeitig zu meinen Gedanken: „Druckausgleich! Jetzt hat er verloren!“ Gute 2- 3 Minuten später sollten uns die Anderen Leute wohl für bescheuert halten. Die Freude, welche bei dem Anblick des Tieres in den Maschen in uns kehrte sollte man wohl im ganzen Nordarm vernehmen können. Es folgte das Wiegen und die Bestätigung unserer Hoffnung, einer der Dickeren liegt auf der Matte. Einer von denen, weshalb wir diesen Weg noch einmal für die kurze Zeit machen wollten. Nachdem er wieder in die Tiefen verschwand musste man doch kurz den wartenden Freunden in Deutschland Bescheid sagen. Warteten doch Moritz und Fabian schon auf Nachricht von uns. Nach einem Glückwunsch von Moritz saßen wir erst mal ein wenig da und betrachteten den See, welcher glatt wie ein Spiegel vor uns lag.

Was ist also nun passiert? War er da? Keine Frage! Ich hätte die Rute in Deutschland nicht wieder rausgebracht für eine halbe Stunde. Was habe ich hier also gemacht? Es war Glück, dass ich es getan habe! Es war Glück, dass ich am Abend vorher die Rute auf eine andere Tiefe gelegt habe. Er war da, der Faktor Glück! Und wohl auch noch als wir dann übergesetzt haben nach dem ganzen Bier….es ist nämlich nichts passiert. Wieso eigentlich übergesetzt? Wieso hat man den Platz verlassen? Na ja, ganz einfach! Es war so geplant! Unabhängig davon, ob wir fangen oder nicht. Außerdem war es nur meine Stelle, die scheinbar bis jetzt die Fische anzog, jedoch waren wir zu zweit. Man hätte auch die Ruten anders stellen können, damit sie gemischt liegen aber man kann ja auch einfach eine neue Stelle nehmen. Die neue Stelle war dann der Kühlschrank.

Wir saßen ganz alleine auf der Seite und hatten mehr Platz als genug um unsere Ruten zu verteilen. Die Fische sprangen hier, was nicht schlecht sein sollte. Es waren keine großen aber es waren Karpfen. Wo sie sprangen war es jedoch gut 20-26 Meter tief, was ja nicht heißen sollte, dass man sie dort nicht fangen kann. Konnte man aber nicht! Leider liefen sie auch nicht flach und zudem saßen am nächsten Morgen links von uns 3 weitere Leute. Mehr oder weniger einvernehmlich wechselten wir dann erneut die Stelle und fuhren ganz nach oben in den Nordarm zum Einlauf. Ich glaube richtig in der Annahme zu sein, dass uns beiden die Stelle von allen am wenigsten zusagte. Nach einer Nacht ohne jeglichen Pieper fanden wir morgens dann ein nettes Bild vor. David vertraute auf seine Marker die er überall verteilte, was auch anderen signalisieren könnte, dass dort bereits Leute fischen. Egal! Vier Boote standen in der Bucht, die allerhöchstens 30 Meter breit ist. Was ist denn hier los? Spinner! Sowohl persönlich als auch angeltechnisch. Sie waren dort am Spinnfischen, dort wo es ohnehin schon eng gewesen ist fanden noch vier Boote Platz zum Spinnfischen. Sie parkten fast direkt an den Markern, was zwar meiner Belustigung diente, David aber recht schnell auf die Palme brachte. Es sollten leider zwei Nächte ohne Erfolg bleiben.

Inzwischen konnten die Tschechen gute Fische verhaften und der italienische Nachbar hatte einen schönen Fisch nahe der 25 Kilo fangen können. Dennoch war auch hier nach den zwei Nächten für uns Schluss. Als wir gekommen waren, saß der See ziemlich voll (unserer Ansicht nach). Mittlerweile waren sehr viele Leute nach Hause gefahren oder in den Nordarm gekommen. Ein Schweizer erzählte uns, dass der Westarm fast leer sein sollte. Er selber hatte dort 10 Nächte ohne Fisch gesessen, bevor er dann von Matilde in den Nordarm wanderte. Na ja, klingt nicht überzeugend, wenn man nach dieser Zeit noch immer blank ist und die anderen auch bereits aufgegeben haben. Uns blieben noch 2 Nächte und David war leider immer noch ohne Fisch. Mehr oder weniger hatte er sich schon darauf eingestellt ohne einen Fisch nach Hause zu fahren. Also guckten wir uns den Westarm erstmalig an. Wie verlassen, einer Geisterstadt ähnlich. Kannte ich diesen Arm ausschließlich voll und Zelt an Zelt. Matilde, Kevin Ellis, Ruderschule, alles frei! Lediglich ganz am Ende standen 2 Zelte. Ok, super. Man war fast alleine und es waren eh nur noch 2 Nächte.

Wir wählten den Brix-Platz. Der Wasserstand war kontinuierlich steigend und das Wetter auch nicht mehr vergleichbar mit der Ankunft. Es stürmte und wurde deutlich kälter. Davids Ziel war es einen Fisch zu fangen, ob Wels oder Karpfen, war für ihn mittlerweile uninteressant und somit legten wir eine Welsrute zu seinen Fallen aus. In der Dämmerung kam dann ein Biss auf den tapferen Köderfisch. Der Anschlag ging ins Leere. Hatte David sein Glück bereits in der laufenden Saison verbraucht? Der Fisch hatte deutliche Spuren und der Haken hatte eindeutig nicht richtig gepackt. Die Laune ziemlich im Keller traten wir die letzte Nacht an. Um spätestens 10 Uhr wollten wir einpacken, damit wir die Abfahrt um spätestens 14 Uhr beginnen konnten. Mitten in der Nacht rief dann eine liebliche Stimme meinen Namen, ähnlich wie man sich es bei Piratenfilmen vorstellen kann! „Ich habe einen, ich habe einen, mach los da“! Was hast du? Was ist los da? „Komm komm sieh zu“. Die ganze Zeit passiert nichts und dann meint er mich in der letzten Nacht aus meinen Träumen zu reißen? Man, man, man, unverbesserlich! So durfte auch David noch das Gefühl dieser Kampfkünstler erleben und legte noch einen Schuppmann in die Maschen. Sollte es doch für die Nacht das letzte Mal sein, dass wir beim Schlafen gestört wurden. Am nächsten Morgen sollte es direkt nach dem Frühstücken zum Einpacken übergehen.

 

An der Planung störte dann erneut mein Bissanzeiger die Ruhe. Diesmal bin ich es gewesen der am rufen war und David von seinem Kocher weg zwingen musste. Sowohl ich, als auch er guckten etwas erstaunt, dass auch dieser Fisch quasi in letzter Minute kam. Ich war bereits dabei meine Sachen aus dem Zelt zu nehmen. Naja, man könnte sagen, dass es Glück war, dass ich nicht mit den Ruten angefangen habe! Ebenfalls ein makelloser Schuppi mit einem netten Gewicht wollte die kleine Kugel haben. Von mir aus gerne! Nach ein paar Fotos zurück in seinem Element sollte es das Ende für unseren Trip sein. Alles verstaut und gestärkt für den Rückweg ging es Richtung Heimat.

Nach dieser Session fällt es mir dann auch nicht schwer in die Winterpause zu gehen. Es steht die Klausurphase vor der Tür und ich kann nach den letzten Tagen am See in diesem Jahr sagen, dass ich den Faktor Glück an meiner Seite hatte und ihn jetzt dort lasse wo er ist, anstatt weitere 10 Nächte bei uns zu investieren und dann mit dem Blanken anzufangen. Somit wird es für dieses Jahr der Abschluss sein, den ich im Süden Frankreichs gemacht habe. Denn feststeht, dass ich egal, ob im Winter bei uns oder im Herbst am Cassien nur einen kleinen Einfluss darauf habe, ob meine Kugel letzten Endes fangen wird, ob überhaupt die Stelle die ich wähle die Richtige ist. Es ist vollkommen egal wie ich mich in den bekannten Medien verkaufen will/ muss, es bleibt unser Hobby, es bleibt Fischen, wo wir gegen viele andere Einflüsse beweisen müssen, dass wir Recht oder einfach nur das Glück an unserer Seite haben.

Müsste ich ein Resümee ziehen, bezüglich unseres Besuches im Februar und jetzt im November, wäre ich geteilter Ansicht und gemischter Gefühle. Unbeschreiblich ist das Gefühl in den starken Drills, selbst bei Fischen von 20 Pfund. Unvergleichlich ist der Übergang der kalten Nacht in den sonnigen Tag an diesem See in den Bergen, der das Zelt zum Dampfen bringt. Die Art zu fischen, wie man an den Stellen sitzt, die Kulisse wenn man morgens das erste Mal die Augen auf macht. In vollkommen dichten Nebel mit der krummen Rute auf dem Boot zu stehen und nach dem Drill zu suchen, wohin man fahren muss. Diese Dinge sind unbeschreiblich und einfach einen Besuch am Mekka der Karpfenangler wert. Entgegen dem stehen halt die Leute, die sich immer und immer wieder benehmen müssen wie die letzten Volldeppen.

Jedoch haben wir die halt auch massig in zu Hause. Vielleicht sollte man sich daran auch nicht zu stark ärgern. Die Plätze waren wie geputzt, kein Müll von Anglern aber auch nur, weil der Wasserstand unten war. In den hinteren Regionen gab es keinen Unterschied zum Februar. So scheint es halt normal zu sein, dass man an einem See wie diesem viele nette Leute und vielleicht noch mehr von den Anderen hat und die Nebenwirkungen dazu gehören.  Man sollte es halt hinnehmen, um die überragenden Momente genießen zu können.

Somit verabschiede ich mich in den Winter und wünsche allen die noch den Winter ausharren werden viel Erfolg und große Gewichte!

Lars H.

Carp Ultras NRW

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