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Lac de St. Cassien

Vor etwa 4,6 Milliarden Jahren entstand die Erde aus der Verdichtung des Sonnennebels. Besonders gut meinte es der Schöpfer mit Cannes Hinterland und dem im Esterel-Gebirge malerisch eingebetteten Lac de St. Cassien in Montauroux. 

Wohl kaum ein Gewässer, welches die Massen bereits beim puren Anblick so fasziniert, wie das azurblaue Wasser dieses idyllischen Fleckchen Erde.

Seit nun mehr als knapp 30 Jahre nach Entdeckung durch die Karpfenanglerwelt, ist dieser See existierende Legende. Angler unterschiedlichster Nationalitäten geben sich am Lac de St. Cassien ein Stelldichein und es ist der Traum vieler, einmal im Leben dort zu angeln. Skurile Geschichten ranken sich um diesen See und täglich werden es mehr.

Eine davon erzähle nun ich:

Es ist immer “the same procedure”. Angeln, angeln, angeln, gibt es eigentlich noch was anderes? Waren Corinna`s Worte`. Doch irgendwie nahm ich sie gar nicht mehr richtig wahr, in meinem Kopf spuckten sämtliche Ingredienzen für eine ganz besondere Boiliemischung herum, die Hoffnung, dass nicht allzu viele Angler am See herumgeistern, die Vorstellung das neue Tackle einzusetzen und zu testen und einfach nur der Gedanke über völlig entspannte Angeltage, ohne diesen ganzen Verkehrsstress, Börsenkurse, sonstige Störenfriede und Zeitdiebe, die mich einfach nur meiner wohlverdienten Ruhe berauben wollen.

In Frankreich ist es seid jeher immer ein “Nehmen”                 und                                        “Geben”

Nach 12 Stunden Fahrt dämmert es langsam, die Sonne geht auf, der Löwenanteil der 1380 km ist Geschichte und am Ende des Tunnels ist Licht in Sicht. Die Schilder weisen den Weg und ist man hier erstmal angelangt, ist es nicht mehr allzu weit.

Gerard`s Mega-In-Bistro wird mittlerweile von Briten betrieben, ein wohlhabender Russe hat angeblich den Schuppen aufgekauft und die Engländer beschäftigt. Nach wie vor bekommt man dort für 65,-- Euro die Jahres-Lizenz, Passfoto nicht vergessen! Aufwendung für Parken: 10,--Euro/ Woche, doch steht das Auto halbwegs sicher.

Das übliche Beladen der Boote und auf geht`s, hundemüde irgendwie einen halbwegs vernünftigen Platz erhaschen, aufrödeln, Ruten raus, dinnieren und endlich schlafen.

Vorsicht für alle Freunde des ufernahen Aufbaus, ist der Tag auch noch so schön, ist es am Cassien möglich, dass sich binnen Minuten die Himmelsschleusen öffnen und es heftigst anfängt zu regnen. Der Wasserstand steigt recht schnell, so dass schon so mancher des Nachts aufwachte und ihm das Wasser buchstäblich bis zum Halse stand. Auch durch regulieren des Wasserstandes gab es schon böse Überraschungen und verklumpte Haferflocken sind noch das Harmloseste. Also, aufpassen und besser geschützt aufbauen.

Meine bevorzugte Jahreszeit für das Angeln am Cassien sind stets die Wintermonate Dezember - März. Ist es terminlich möglich, wähle ich einen Zeitpunkt, an dem der See nicht vollends bevölkert ist.

Es ist einfach wunderbar, dem nasskalten und trüben Deutschland zu entfliehen und die herrlichen Sonnentage in Südfrankreich zu geniessen.

Fest vorgenommen hatte ich mir, die nervigen Brassen mal gezielt zu verwerten und so fand sich Brasse Nr.1 nur kurze Zeit nach Anbiss an meiner Wallerrute wieder. Es sollte auch nicht lange dauern, doch entweder war die Brasse zu gross oder der Wels zu klein?! Ein vehementer Biss, jedoch no Fortune, der Fisch hakte nicht.

Ist einem das Glück nicht hold, so werden die 7 Sachen gepackt und die grenzenlose Freiheit ermöglicht es, an einem neuen Spot erneut einen Versuch zu wagen. Am Cassien sagt man dazu: Moven, abgeleitet vom englishen Verb to move, was soviel heisst, wie sich bewegen oder umziehen.

Da ausser der einen Wallerattacke nichts weiter geschah, tat ich also genau das, mich bewegen, umziehen oder wie der Badener sagt: Rührig werden. Ein lauschiges Plätzchen an dem auch ich die Erfahrung machte, wie schön es sein kann, im mitternächtlichen Dauerregen mit dem ganzen Tackle einige Meter weiter nach oben umzuziehen.

2 Tage und 2 Nächte regnete es und regnete, es schien nicht mehr aufhören zu wollen. Von überall her flossen kleine und grosse Rinnsäle in den See hinein und das Wasser stieg und stieg- Trichtereffekt.

Die kurzen Wintertage schlagen einem schon mächtig auf`s Gemüt, doch strahlender Sonnenschein und Ententeich entschädigen normalerweise dafür, regnet es jedoch die Tage hindurch, stellt man sein Tun rasch zweifelnd in Frage.

48 Stunden im Zelt hockend, stumpf verharrend auf einen Karpfenbiss wartend ist nicht wirklich prickelnd! Das jedoch ist Karpfenanglerrealität und leider auf den Fangbildern monströser Fische nicht sichtbar!

Nach Licht kommt Schatten oder nach Regen Sonnenschein und genauso traf es dann auch ein. Schliesslich stellte sich dieser unendliche Wolkenbruch ein und auch das endlose Warten auf den 1. Karpfen hatte ein Ende.

Einer dieser wunderschönen, handverlesenen Cassienkarpfen wanderte in den Kescher.

Ist es nicht wunderbar? Endlich wieder die wenigen Stunden Tageslicht angenehm vor dem Zelt sitzen und die wonnigen Sonnenstrahlen geniessen.

Das ist Cassienangeln im Winter. Kein See der Welt gibt einem zu dieser Jahreszeit das Gefühl, einfach am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein.

Angenehme Tage, frostige Nächte und des Nachts eine Nebelsuppe, dass man kaum die Hand vor Augen sieht.

Wehe dem, der bei einem nächtlichen Drillausflug kein Positionslicht setzt. Ich selbst benutze immer ein Fahrradrücklicht, welches am Rod Pod festgemacht wird.
Volle Konzentration dem Fisch und schwupps ist das Boot 2 mal gedreht. Ist der Fisch im Kescher kann man ohne Positionslicht nicht mal erahnen, in welche Richtung es heimwärts geht.

Auch die Umrisse des Angelplatzes waren nicht zu erkennen und so war ich froh, die rote Lampe leuchten zu sehen.

Beim Umgang mit den Fischen ist auf dem felsigen Boden oberste Vorsicht geboten, im Zweifelsfall lieber die Bilder direkt am Wasser knipsen!

Die Variantenvielfalt setzt sich fort, ist für viele Stellen ein normales Rod Pod völlig ausreichend, wird für gewisse Spots unbedingt ein High Pod benötigt.

Und endlich wieder Spiegelkarpfen. Irgendwie träumte ich schon davon. Bedingt durch unseren Spanien Urlaub, war ich Schuppenkarpfen schon mehr als etwas leid.

Wunderschön anzusehen, ohne jeglichen Makel.

Die Verschiedenartigkeit der Fische am Cassien scheint keine Grenzen zu kennen.

Bildschöne Karpfen in allen Grössen schieben durch den See.

Bilder zeigen Vor- und Rückseite - ein Traum von Fisch!

Ich liebe dieses angeln - Multi Pod & Wespen!

Bevorzugt verwende ich in Frankreich immer 2 Pods, 2 Ruten pro Pod sind ausreichend, in der Mitte das Boot, so ist Schnurmurks fast ausgeschlossen.

Die Freude über den Drop Back war riesengross, endlich kommt die Welsrute wieder zum Einsatz, doch entpuppte sich der

Bresen als kleiner Schuppenkarpfen und das käme für mich niemals nie in Frage, einen Karpfen als Köderfisch zu benutzen.

So ging der Schuppie als mein kleinster Cassien Karpfen in die Geschichte ein. Möge es so bleiben!

Die Pop Up`s von Dynamite sind auch nicht mehr das, was sie mal waren...

Wohl dem, der einen Einkaufszettel besitzt

Gelegentliches Auffüllen der Vorräte ist Pflicht und jedesmal wundere ich mich erneut, dass in Deutschland nicht ein mir bekannter Bäcker in der Lage ist, ein Baguette, ähnlich der Qualität der Franzosen zu backen?! Die spanischen Bäcker können das! Fabian arbeitete seinen Einkaufszettel ab und so ging es anschliessend weiter.

So zwischen 90-120 cm schätzte ich die Welse, die immer wieder die Köderfische zerrupften und so übel zurichteten aber nicht hakten. Nun gab es 2 Möglichkeiten:

Das Vorfach ändern oder kleinere Stellfische.

Da tagsüber kein Weissfisch biss, sass ich des Abends hochkonzentriert mit Kopflampe an der Feederrute und fing einige Rotaugen und eine pfündige Brasse.

Das Köderfischangeln erwies sich als nicht ganz so einfache Aufgabe.

Die Brassen bissen an den Karpfenangeln recht spärlich und so war es Fabian, der einen dieser diesmal willkommenen Plagegeister zu später Stunde anschleppte.

Dieser ward auch sofort angebunden und das Resultat dieses Versuches Nr. 2 war im Ergebnis eine akkurate Wiederholung des Versuches Nr. 1?!

Dann war es auch endlich soweit, im 3. Anlauf eine weitere Premiere zu feiern. Für mich sind Premieren immer eine ganz besondere Geschichte, auch wenn es eher ein Wels`chen war, war es doch mein erster Wels aus einem stehenden Gewässer und der erste aus dem Lac de St. Cassien.

Ein händiges Rotauge erwies sich für diesen halbstarken Kameraden als richtiger Happen.

Fabian kam angerudert und liess es sich nicht entgehen, diesen Moment in Bildern festzuhalten.

Fortsetzung in Part II

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