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Lac du Der Chantecoq im Herbst

Die tagelangen Vorbereitungen waren endlich abgeschlossen. Alle Einkäufe erledigt, die Boilie-Küche war wieder aufgeräumt und augeregt suchte ich das ganze Gerödel zusammen und deponierte es auf dem Hof. Der letzte Check, ob auch wirklich alles vorhanden ist, fiel positiv aus.

Selbst das Verfallsdatum der Cola Dosen wurde durch Oberinspektor Jenny geprüft. Jetzt stellte sich nur noch die Frage: Wie packen? Die Rücksitzbank sowie der Beifahrersitz flogen raus und systematisch verschwand das gesamte Tackle nach und nach im Wagen. Da ich bevorzugt nachts losfahre, mußten jetzt “nur” noch die letzten Stunden  überbrückt werden. An schlafen war nicht zu denken, da die Aufregung und Vorfreude einfach zu groß war.

Um Mitternacht ging es endlich los. Ich verabschiedete mich von meiner Freundin und nach 6 Std. reibungsloser Fahrt erreichte ich den Lac du Der. Sofort steuerte ich die Zone an der Kirche an . Völlig erstaunt vom Wasserstand des See`s suchte ich Olli auf, der bereits eine Woche am See verweilte. Bis dato hatte er noch keine Aktion und war mittlerweile schon etwas gefrustet. Wir besprachen neue Strategien und zügig wurde das Tackle neben ihm aufgebaut. Wir sassen inmitten des Schlamms und so spannte ich eine große Plane vor dem Zelt auf. Für mich war es das erste mal im Herbst bei immer weniger werdenden Wasser. Die großen französischen Seen dienen als Trinkwasserreservoir und ebenso, um den Wasserstand der Flüsse (Seine) zu regulieren.

Nachdem Stellen suchen und markern, legte ich die Fallen aus und holte etwas Schlaf nach. Bereits in der ersten Nacht gegen 23 Uhr piepte einer der damaligen Microns. Schlaftrunken ging ich zu meinem Pod, nahm Kontakt auf und fuhr mit dem Boot dem Fisch entgegen. Ein klasse Fisch wanderte in den Unterfangkescher.

Wieder am Ufer angekommen wartete Olli bereits auf mich und freute sich mit. Ein super Start, schon nach wenigen Stunden der erste Fisch. Den Rest der Nacht schliefen wir in aller Ruhe durch. Schade! Der Morgen brach an und wir frühstückten gemeinsam.

Anschließend baute Olli  mit neuem Elan seine Rigs um, suchte eine neue Stelle und war wieder frohen Mutes, das in der Nacht einer abschießt. So kam es dann auch, dass er für seine Bemühungen belohnt wurde und erwischte einen schönen Spiegler. Gut gelaunt verbrachten wir den Tag. Bereits nach 2 gemeinsamen Nächten hatte jeder einen schönen “Der” Karpfen gefangen, der diesen ganzen Aufwand rechtfertigte.

Das Wetter war klasse, Sonne und leichte Winde bei 14 Grad Temperatur. Wir konnten fast dabei zuschauen, wie das Wasser immer deutlicher zurückwich.

Alle 2-3 Tage rückten wir mit den  Zelten 4-5 m weiter vor. Immer neue Spots kamen zum Vorschein, Sandbänke, Inselausläufer, Baumstümpfe usw. Gut zu wissen, für die nächste Reise bei Vollstau. Auch kam ein Steinplateau zum Vorschein, das von der Größe für das Zelt wie angegossen war. Das “Fundament” war wie dafür gegossen.  Nun hatte ich auch ein Privataquarium am “Der”. Es befand sich ein ca. 200 l Wasser fassendes Loch in dem Fundament, in dem Krebse, Barsche, ein kleiner Katzenwels und Weißfischbrut zurückblieben.

In dem vom See abgeschnittenen Löchern sammelten sich hunderte von Krebsen. Täglich gingen wir auf Jagd und fischten die Schalentiere aus den Löchern. Unvorstellbar. Abends kochten wir die Krebse ab und futterten diese Delikatessen wie Chips.

Berge von rotgekochten Krebsschalen und Scheren sammelten sich hinter unseren Zelten. Wir träufelten einfach etwas Zitrone, Salz und Pfeffer auf das Krebsfleisch und mit einem trockenen Rotwein sowie Baguette war es ein wahres Gedicht. Wir konnten es nachvollziehen, daß auch die  Karpfen mit Vorliebe diesen Tierchen hinterherjagen. Es waren Unmengen vorhanden. Unglaublich, wenn man  es nicht selbst gesehen hat.

Das Beißverhalten der Fische wurde immer besser, trotzdem bekam Olli eine schwere Krise, packte ein und fuhr nach Hause. Irgendwie nervte ihn dieses Schlammangeln wohl an. Auch gutes Zureden meinerseits half nichts.

Also blieb ich allein am See zurück, da mein Bedarf an Angeln noch lange nicht gedeckt war. Natürlich war ich nicht erfreut über Ollis Abgang, doch es mußte weitergehen. Bereits in der 1. Nacht, die ich allein verbrachte, rissen 3 Fische im Hindernis ab. Das Glück schien mich verlassen zu haben, denn auch die folgenden Nächte verlor ich immer wieder schwere Fische in Hindernissen. Aufgrund fehlender Erfahrung in Frankreich, machte ich immer wieder den gleichen, folgenschweren Fehler.

Mittlerweile fischten rechts neben mir 3 Österreicher. Sehr nette Jungs, die ihre ersten Frankreicherfahrungen sammelten. Unter ihnen war Christian, ein liebenswerter Mensch, der einem niemals einen Gefallen ausschlagen würde. Alle fingen gelegentlich Fische, nur Christian war das Glück nicht hold. Etwas “verträumt” taperte er abends nach jedem Besuch durch sämtliche Sturmleinen meines Zeltes. Auch sonst machte er manchmal einen etwas ungeschickten Eindruck. Doch war er ein sehr liebenswerter Kerl, der sich mit ganzem Herzen dem Karpfenfischen verschrien hatte. 14 Tage hatten die Ösis eingeplant, jeder von ihnen war schon erfolgreich, doch Christian schien leer auszugehen. Doch in der letzten Nacht wendete sich das Blatt.

Gegen 21 Uhr lief Christians Rute und wir alle wußten, dass es wohl seine letzte Chance auf einen Frankreich Fisch war und drückten ihm die Daumen. Mit einer Brachialgewalt pumpte er den Fisch vom Boot aus an die Oberfläche. Sein Freund staunte nicht schlecht, kescherte den Fisch und freudestrahlend kehrten beide zum Ufer zurück. Wir alle staunten nicht schlecht und waren uns einig, daß nur Christian diesen Fisch fangen konnte. Es war der erste 50 pfünder, den ich zu Gesicht bekam. Christian konnte sein Glück nicht fassen. Für ihn war alles gerettet. Was hätten sich die Kollegen daheim im Alpenland die Mäuler zerissen!

Doch alles war gut und wir freuten uns vom ganzen Herzen mit Christian über diesen Kracher! Das Bild rechts zeigt Mario, einen der Österreicher mit einem wunderschönen Spiegelkarpfen. Die Fische am Lac Du Der sind ein absoluter optischer Leckerbissen.

Nie weiss man, ist es ein Zeil- Leder- Schuppen- oder Spiegelkarpfen.

Auch das, so finde ich, erhöht den Reiz dieses Gewässers ungemein. Es ist einfach ein herlicher See. Fantastisches blaues Wasser mit tollen Sonnenuntergängen und dazu diese wunderschönen  Karpfen.

Da immer wieder Angler abreisten, konnte ich etwas weiter nach rechts rücken und hatte nicht mehr dieses unsägliche Hindernis vor mir,  in das die Fische immer wieder flohen. Mein Fehler war, dass ich gleich nach dem Biss die Rute aufnahm und Druck machte.

Anschliessend fuhr ich mit loser Leine zum Fisch und fing erst an zu drillen, nachdem der Shock-Leader auf der Spule war. Kein Fisch ging mehr verloren und ich ärgerte mich über die vielen abgerissenen Karpfen. Aber gut, Lehrgeld muß jeder zahlen, doch trauerte ich diesen Fischen schon sehnsüchtig hinterher. Trotz allem konnten wir noch schöne Karpfen fangen, die uns für die tränenreichen Verluste entschädigten.

Es ging wieder aufwärts und das Tal der Tränen schien durchschritten. Jeder Fisch konnte sicher gelandet werden, was unserer Moral sichtlich Auftrieb gab.

Da wir nachts selten durchschliefen, tags viel rödelten, iessen unsere Kräfte langsam nach. Fast hatte man den Eindruck, dabei zuschauen zu können, wie immer mehr Wasser den See verließ.

Es ist dieser berüchtigte Badewanneneffekt, die Fische sammeln sich in den tieferen Stellen und jederzeit konnte man mit einem Run rechnen.

Immer öfter verdunkelte sich tagsüber der Himmel und kräftige Schauer mit heftigen Windböen erschwerten das Angeln. Bei diesem Sauwetter bissen die Karpfen auch tagsüber und unser Durchhalten wurde immer wieder mit schönen Fischen belohnt. Doch wurde es auch zunehmend anstrengender durch den Schlamm zu waten und die Ruten rauszufahren.

Immer wieder liefen die Boote durch die hohen Wellen und die kräftigen Regenschauer voll Wasser, so daß wir fast ständig die Boote ausschöpfen mussten. Den Herbst am Der erleben ist echtes Hardcore Angeln, was an der Substanz zehrt.

Doch die Gewißheit, daß jederzeit so ein Kracher, wie Christian ihn glücklicherweise fing, kommen kann, ließ uns die Strapazen vergessen und wir hielten noch ein paar Tage durch. Das Wetter wurde immer schlechter. Orkanartige Winde zwangen uns dazu, die Ruten abzusenken, da der Schnurdruck einfach zu groß wurde. 240 g Bleie trieben einfach so umher und verfingen sich immer wieder in Hindernissen.

Was zur Folge hatte, dass wir stets alles neu montieren,  rausfahren und ablegen mussten. Eine echte Materialschlacht! So freundeten wir uns mit dem Gedanken an, die Heimreise anzutreten. Wir waren mit unseren Kräften am Ende, hatten tolle Fische gefangen und fuhren zufrieden nach Hause.

Es war eine tolle Zeit am Lac Du Der. Mit der Erkenntnis viel gelernt zu haben und jederzeit wieder gerne zurückzukehren, erinnern wir uns noch heute an diesen “Angelurlaub”.


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