karpfen.04

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Badespass im Sommer 2004 am Lac du Salagou

Das 1. mal nach unserem Desaster und Waterloo am Liez, Charmes und Orient fuhr ich nach fast 4 Jahren Frankreich Abstinenz wieder zum Fischen gen Mekka. Natürlich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, im August. Trotzdem entschieden Corinna und ich uns aufgrund eines geplatzten Termins spontan für eine Reise nach Südfrankreich an den Lac du Salagou. 13 Stunden Autofahrt flogen an uns vorüber und so erreichten wir Samstagmorgen Clermont l`Herault, steuerten den ortsansässigen Tackledealer zwecks Erwerb der Angellizenz an, kauften leckeres französisches Baguette und fuhren direkt zum See.

Wir umrundeten den Salagou und überrascht stellten wir fest, dass wir die einzigen Carpisten waren. Das dem Salagou nicht der Ruf der Riesen voraus eilt, ist bekannt, doch das trotz des bis 13. September geltenden Nachtangelverbotes am Cassien, nicht ein Karpfenangler am See weilte, verwunderte mich schon. Lag es nur an dem ungünstigen Zeitpunkt oder fischen die Frankreich Pilgerer mittlerweile an der wohl schlechtesten Alternative, sprich La Horre oder ähnliche Gewässer?! Nun gut, wie auch

immer, wir pumpten die beiden Boote auf, beluden das Beiboot und auf ging es, zu einer Stelle, die ich bereits 1999 befischte. Himmlische Ruhe und Sonne pur erwarteten uns. Zu Beginn des Trips, wie gewohnt am Salagou, auch ein nettes Windchen.

Nach dem Aufbau der Bivis, Markern der Angelstellen und Auslegen der Fallen, erfreute sich mein Magen über die Gesellschaft Corinnas, denn das Essen duftete nicht nur hervorragend, es schmeckte auch so...Der Abend brach an und gegen 21 Uhr war es stockdunkel, Fangzeit? Nein, die ersten beiden Tage und Nächte brachten die Delkims nicht einen Piep hervor, trotz starken Windes, der das Wasser ordentlich aufmischte. Die Sonne brannte den ganzen Tag mit voller Kraft und ab 11 Uhr kamen auch wir in ihren Genuss.

Mit tagsüber 35° erlagen auch wir einer gewissen Trägheit und räkelten uns auf den Liegen mit zwischenzeitlichem Abkühlen im Wasser. Klar entwickelt man dann schon ein gewisses Verständnis für unsere beissfaulen beschuppten Freunde. Doch die 3. Nacht brach an und gegen 22 Uhr der 1. Delkim Dauerton. Nach kurzem, heftigen Drill verschwand einer der seltenen Spiegler am Salagou in meinem Käscher. Um den Fisch die Sack-Prozedur zu ersparen, schossen wir gleich ein paar Bilder, die Corinna auch trotz völliger Dunkelheit gut gelangen. Unsere weitere nächtliche Aktivität beschränkte sich dann auf das Leeren der leckeren Flasche Rotwein aus den hiesigen Weingärten, denn weitere Runs folgten leider nicht. Da ich mittlerweile alle Tiefen probierte und auch die 24 m Stelle wider erwarten keinen Erfolg brachte, der Wind völlig nachliess, entschloss ich mich, morgens den See abzurudern, um nach Fischen Ausschau zu halten. Nicht schlecht staunte ich, als in einem

anderen Teil des See`s die Fische doch recht aktiv schienen. Vorsichtig liess ich mich über Krautfelder treiben und immer wieder schoben sich die dicken Schuppileiber direkt unter mir durch das Kraut. Immer wieder topten neben, hinter und vor mir Fische. Stelle wechseln kam mir sofort in den Sinn und so nahm ich eine Weile am Ufer platz, um dem munteren Treiben zuzuschauen. Beeindruckend, wie die Fische vergnügt sprangen und direkt vor meinen Füssen durch das flache Wasser zogen.

Also ruderte ich zurück zum Angelplatz, wo Coco schon auf mich wartete. Kurzer Lagebericht und schon willigte Corinna ein, abzurödeln und den schönen gemütlichen Platz zu tauschen, gegen die fangträchtige Stelle am anderen Ende des See`s. Schliesslich sind wir zum Angeln hier und ausruhen können wir uns auch zu Hause....Das ganze Gelumpe wurde in Null Komma nichts ins Boot geladen und los ging es, zur Stelle an dem die Fische sich so vergnügt zeigten. Nach einer Stunde rudern erreichten wir den neuen Angelplatz.

Erneut errichteten wir das Camp und während ich die Bojen setzte sprangen die Fische munter weiter. Selten hatte ich ein so gutes Gefühl, dass alle vier Ruten goldrichtig liegen, wie in dieser ersten Nacht an der neuen Stelle. Beim Grübeln, welche Rute zuerst abschiesst, kam ich zu keinem Ergebnis, da wirklich alle vier fantastisch lagen. Dieses Feeling liess mich extrem unruhig schlafen und so war morgens die Enttäuschung gross, als ich mit dem für jeden ernsthaften Karpfenangler bekannten Blankgesicht aufwachte

und der erste Gedanke “Das gibt es doch garnicht” war...Unglaublich, völlig euphorisch kommt man erst nicht zur Ruhe, um dann den ganzen weiteren Tagesverlauf darüber zu grübeln, warum, weshalb, wieso schiesst keiner ab, die Fische sind doch da?! So probierte ich Pop Ups im Mittelwasser, unter der Wasseroberfläche, im Krautfeld, Partikels und einfach alles was mir so einfiel und das ist, so denke ich, nicht wenig. Nutzte alles nichts, die Fische tummelten sich am Platz, doch an Nahrungsaufnahme dachten sie nicht im geringsten!

Natürlich frustet es, wenn man weiss, der Fisch ist da und man fängt ihn nicht. So nahm ich meine 4. Rute als Wanderrute und probierte andere Stellen aus, fernab vom Gespringe der beissfaulen Bande. Siehe da, genau diese Rute pfiff gegen Morgen ab. Ungläubig nahm ich Kontakt auf und nach kurzem Drill, hing dieser Fisch fest. Oh nein, so ein Sch....Nach 3 Tagen sehnsüchtigem Warten der langersehnte Run und dann hängt dieser auch noch fest....Ab ins Boot und bei loser Schnur versuchen zu retten, was leider nicht mehr zu

retten war. Der Fisch riss sich los und so konnte ich nur das fischlose Rig lösen. Natürlich erreichte zu diesem Zeitpunkt mein Frust seinen Höhepunkt, doch Corinna behielt kühlen Kopf und wusste mich auch in dieser misslichen Situation zu trösten. Meine 3 anderen Fallen, die so genial abgelegt waren, blieben bis zum Ende unseres Urlaubs stumpf. Doch bin ich mir sicher, dass ich zu einem späteren Zeitpunkt, bei “besserem” Wetter und etwas kühlerem Wasser, zu dieser Stelle zurückkehren werde, um dann dort traumhaft zu fangen.

So endete unser toller 7 tägiger Angeltrip mit leider nur einem Fisch und 2 Aktionen und doch war es ein unvergesslich schöner und vor allem erholsamer. Hoffentlich bleibt der Salagou verschont von den Horden geltungssüchtiger und selbstverliebter Möchtegern Carpisten, die ohne Rücksicht auf Verluste, mittlerweile ein französisches Paradies nach dem anderen zu Grunde gerichtet haben. Der Salagou ist meines Wissens nach das letzte Paradies unter den bekannten französischen Seen. Wahrscheinlich, weil ebend 40 oder 50 Pfünder nicht an der Tagesordnung sind. Möge es so bleiben!


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