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Spiegelkarpfen

Unweit des Elternhauses eines Freundes befand sich dieser kleine, idyllische See. Immer, wenn ich meinen Freund besuchte, kamen wir auf diesen See zu sprechen. Meine Besuche endeten jedesmal mit einem gemeinsamen Rundgang. Wir redeten uns die Köpfe heiß und wollten unbedingt dieses Gewässer befischen.

Doch trotz unserer zahlreichen Besuche trafen wir niemals jemanden an, der uns hätte Auskunft über den Erwerb einer Angellizenz geben können.

Doch das Motto in solch hartnäckigen Fällen ist: Niemals aufgeben.

Und so lernte ich durch Zufall bei einer der Besichtigungstouren den Menschen kennen, der diesen See nach gut dünken allein bewirtschaftete. Im Gespräch stellte sich heraus, daß er auch angelt und gelegentlich mit Reusen erfolgreich den Aalen nachstellt.

Meine Nase paßte ihm und so erteilte er mir für ein komplettes Wochenende eine Angelerlaubnis. Juchu!!!

Bereits in der 1. Nacht nach Erteilung der Erlaubnis erkundete ich heimlich den See auf einer meiner berüchtigten nächtlichen Echolottouren.

Der See war strukturiert wie eine Badewanne. Hatte weder Insel noch Sandbank zu bieten und so entschloß ich mich 2 unterschiedliche Entfernungen mit unterschiedlichen Tiefen zu befischen. Ich setzte einen kleinen , unauffälligen Weinkorken als Marker und fütterte vor.

Noch 5 Tage bis zum ersten Angeln, diese kamen mir unendlich lang vor.

Jedesmal, nach Inspektion eines “jungfräulichen” Gewässers, quälte mich die Frage, wie denn die Fische wohl aussehen?! So war es auch diesmal.

Endlich war es Freitag Mittag und ich startete direkt von der Arbeit zum See. Dort angekommen wurde hastig alles aufgebaut.

Die Korken trieben noch an der gemarkerten Stelle, das Wetter bestens und schnell lagen die Ruten im Wasser. Erstmal passierte nichts. Der Gewässer “Chef” kam zu Besuch und völlig erstaunt blickte er sich um. So einen Aufbau hatte er noch nie gesehen.

Ergo beantwortete ich geduldig all seine Fragen bezüglich Ruten, Rollen, Futter, Boilies, Rod Pod, Delkims usw. Nach 2 Std. schwirrte er ab und ich war froh, endlich Ruhe am Platz zu haben, da beide Ruten nur 10 und 20 m weit draussen platziert waren.

Die abendliche Ruhe geniessend lag ich auf der Liege und grübelte, wann denn der erste Abzug kommt.

Es dauerte bis 22 Uhr, als der erste Delkim Dauerton meldete. Rasch nahm ich Kontakt auf und drillte einen schönen Spiegler. 

Auf der Matte liegend betrachtete ich respektvoll den schönen Spiegelkarpfen. Viele kleine Schuppen säumten seinen Körper.

Nun beantwortete sich endlich die Frage nach der Optik der Fische. Ich war begeistert. Das erste mal an einem neuen Gewässer, ist die Freude nach dem ersten Fisch am Größten!

Erstens hat es wieder geklappt, die Platzwahl sowie die Köderwahl brachten Erfolg. Das ist immer eine nette Bestätigung der eigenen Überlegungen. Im Stundentakt bissen die Fische, die ganze Nacht durch. No sleep- Wahnsinn!

Morgens gingen allmählich die Säcke aus und so freute ich mich, dass der Gewässer “Chef” vorbeischaute. Erstaunt vernahm er die Meldungen über die schlaflose Nacht und fotografierte anschliessend alle Fische.

Er selbst wußte nicht, dass die Karpfen so zahlreich durch seinen See wandeln, da er selbst noch nie einen erwischt hatte.

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