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2004 Angeln in Spanien - karpfen04.de auf Abwegen

Der größte Fluss Nordspaniens, der Rio Ebro, entspringt in den Bergregionen des nordspanischen Küstengebirges entlang der Biscaja, durchfliessst die Hochebenen um Zarragoza, speist dann nacheinander mehrere Stauseen, so auch den Ribarroja und fliesst ca. 150 km südlich von Barcelona ins Mittelmeer.

Bekannt geworden ist der Ebro durch seinen fantastischen Bestand an großen Welsen, Zandern, Schwarzbarschen und Wildkarpfen. Dadurch ist das Angeln in Spanien europaweit unglaublich populär geworden.

Wir, drei Angler unterschiedlichster Colour, empfanden das Angeln am Ebro recht unterschiedlich, kamen aber alle voll auf unsere Kosten.

“Mir persönlich hat die Atmosphäre am Ebro nicht ganz so gut gefallen, da der Angeltourismus zu stark ausgeprägt ist und das klassische Wallerangeln zunehmends an Bedeutung verliert.”

Martin

“Die Fischdichte am Ebro ist fantastisch, nicht nur der Welsbestand, auch makellose Schuppenkarpfen mit beachtlichen Gewichten schieben durch den Fluß. Das fortgeschrittene Maß an Kommerzialisierung ist meine Sache nicht, genauso wenig wie geführte Angelreisen, wie sie am Ebro praktiziert werden. Daher war ich froh, dass wir fernab des Angeltourismus noch halbwegs unsere Ruhe hatten und einige schöne Stunden am Wasser verbringen konnten. “

Ulli

“Mir persönlich gefiel es sehr gut, da es mein 1. Trip nach Spanien war und meine Erwartungen weit übertroffen wurden. Negativer Nebeneffekt: Ständige Kontrollen der Fischereibehörden nervten genauso, wie die Willkür der örtlichen Polizei.”

Andre

Nach Ankunft am Gewässer und kurzer Inspektion einiger Stellen bezogen wir erstmal unsere Unterkunft. Andi hatte nach 18 stündigem Beifahrerstress und nur halbwegs überstandener Grippe keine Kraft mehr, um den 1. Tag am Wasser ausklingen zu lassen. Martin und ich zogen los, denn die Fallen mussten noch ausgelegt werden.

Doch auch uns verliessen dann recht schnell die übrigen Reserven und nachdem die Ruten im Wasser lagen, gönnten auch wir uns ein kleines Päuschen und nickerten in der untergehenden spanischen Abendsonne ein. Die ersten Stunden am Wasser verstrichen dann auch ohne erwähnenswertes und so packten wir gegen 22 Uhr ein und fuhren zurück in unsere Unterkunft.

Gnadenlos bimmelte morgens um 5 Uhr der Wecker und wie gerädert krochen wir aus unseren Betten, denn auf gar keinen Fall wollten wir die 1. Morgendämmerung am Ebro verpassen.


Dieser 1. Tag sollte dann auch als der Tag in die Geschichte unseres Trips eingehen, an dem sich die Ereignisse überschlugen und wie sich im nachhinein herausstellte nicht mehr zu toppen war.

Echt nervig und so kam dann auch schlechte Laune auf, da gegen dieses Mistzeug einfach kein Kraut gewachsen war! Absenken brachte auch nicht den erwünschten Erfolg, da die Schnur sich dadurch immer wieder in den zahlreichen Hindernissen am Grund verfing. So war halt immer wieder Arbeit angesagt und einer von uns war ständig mit dem Boot unterwegs, um das lästige Kraut zu beseitigen. Fischaktionen fehlten und so probierten wir dann einiges aus.

Endlich der ersehnte Treffer! Meine Karpfenrute pfiff ab. Ungläubig guckten wir uns an, da diese erst 20 Minuten im Wasser lag. Mein 1.Spanier, ein schöner, kampfstarker Wildkarpfen ergab sich nach heftigem Drill.

Doch bis zum frühen Nachmittag verharrten wir zu dritt auf einer Stelle und warteten vergeblich auf den 1. Dauerton.


Nichts tat sich und die Sonne brannte unerbittlich. Auch die quadratmetergroßen Krautteppiche, die in regelmässigen Abständen (ca. alle 30 Minuten), in unsere Schnüre strömten, brachten nicht wirklich gute Laune.

 Immer wieder mußten wir die Schnüre von den bis zu 1 Meter tiefen Krauttfeldern befreien.

Schnell ruderte ich die Rute wieder raus. 30 Minuten später: Dauerton....Anschlag....pure Kraft am anderen Ende der Leine und schnurstracks marschierte der Fisch Richtung Flußmitte. Meine 3,5 er Phantom verneigte sich respektvoll. Schnell stiegen Andre und ich ins Boot und ruderten dem Fisch hinterher. Das Wetter verschlechterte sich, heftiger Wind zog auf und wir trieben recht schnell ab und am anderen Ende diese urgewaltige Kraft.

Nach knapp 60 Minuten Drill kam der Fisch das erste mal hoch, Andi positionierte das Boot geschickt und ruckzuck schob ich den Kescher unter den massiven Fischkörper. Mein 1. spanischer Waller, lag sicher im Kescher. Im Kescher? Ja, denn es war die 1.Chance den Fisch zu landen, da Andi gegen den Sturm ruderte und das Boot immer wieder geschickt positionierte.

Mittlerweile war unsere Angelstelle deutlich ausser Sichtweite und ein weiter Rückweg lag vor uns. Abgekämpft aber glücklich kamen wir zurück und Martin staunte nicht schlecht. Nur 1 Stunde später der nächste Abzug. Ein weiterer Waller auf meine Karpfenrute, den ich vom Ufer aus drillen konnte. Wahnsinns Drills, die ich so vorher, in diesem Ausmass auch noch nicht erlebt hatte.

 Auch dieser Fisch konnte sicher gelandet werden und nun kam Andi auch auf den Geschmack und ich lieh ihm eine meiner bewährten Karpfenruten, die er dann auch, zu späterer Stunde vor einer noch härteren Belastungsprobe stellen sollte. Als erstes ein Widkarpfen, 20 Minuten später erneut ein schöner Schuppmann. Nun strahlte Andi über das ganze Gesicht, doch sollte es das schon gewesen sein...? NEIN! Dunkelheit brach ein und Andis Rute schoss erneut ab.

Die Rute im Halbkreis, die Bremse kreischte und schnell stiegen Martin und Andi ins Boot. Martin ruderte dem Fisch hinterher, hohe Wellen erschwerten die Mission und Andi hatte Mühe, dem Fisch Schnur abzunehmen. Martin lenkte das Boot recht schnell über den Fisch, doch reichte die Kraft der Rute nicht aus, den nötigen Druck auszuüben, um den Fisch vom Grund wegzubewegen. So dauerte es 90 Minuten, bis die beiden den Giganten zum ersten mal zu Gesicht bekamen. Doch sofort nach dem ersten Lichtkontakt tauchte er direkt wieder in die Tiefen des Ebros ab. Erst nach weiteren 30 Minuten zeigte sich der Fisch erneut. Mühsam gewannen wir cm um cm Schnur zurück. Andre belastete die Rute bis aufs Äusserste, doch die Kräfte liessen nach und der Haken hielt dem Druck nicht stand und bog anschliessend auf. Derweil überschlugen sich während der Abwesenheit der beiden am Ufer die Ereignisse. Schon kurz nachdem Martin und Andre mit dem Boot verschwanden, piepte Martins Wallerrute vehement ab.

Ich griff die Rute, die sich dann auch heftigst krümmte, als auch noch mein Delkim Dauerton von sich gab. Martins Rute in der rechten Hand und meine in der linken Hand, entschied ich mich auf Schadensbegrenzung und hielt den Spulenkopf fest, während eine unbändige Kraft am anderen Ende zog. Patsch Abriss und ich konnte mich auf Martins Wallerrute konzentrieren, schaltete am Auto Warnblinkanlage ein, rief um Hilfe, doch die Jungs waren zu weit weg, hörten nichts und nun pfiff auch noch Andres Wallerrute ab.

Das ganze Pod verabschiedete sich Richtung Ebro und mit Mühe und Not konnte ich schlimmeres verhindern, doch sassen beide Fische nun unwiderruflich in einem versunkenen Baum fest...Patsch, alles weg und da kamen auch endlich Andre und Martin mit ernsten Mienen wieder....Der Tag, der so verheissungsvoll begann, endete in einem Fiasko... Doch trotz dieser Ereignisse, die wir anschliessend heiss diskutierten, hatten wir die ersten Fische gefangen und sehr sehr viel dazugelernt!

Nur schwer fanden wir in dieser Nacht in den Schlaf, zuviel passierte an diesem ersten richtigen Angeltag. Innerlich aufgewühlt und voller Vorfreude auf die kommenden Tage brachten wir dann aber auch diese Nacht hinter uns und morgens gegen 5 Uhr rappelte der Wecker und wir krochen wie gerädert zum Frühstückstisch.

Ein herrlicher Sonnenaufgang am Wasser und die Erkenntnis, der Fisch läuft, liessen uns auf piepende Bissanzeiger und kreischenden Bremsen hoffen. So war es dann auch: Martins Pieper meldete sich am frühen Mittag zu Wort und intuitiv spürte er, dass ein sehr guter Fisch am Ende der Leine tobte. Andre navigierte das Boot und Martin drillte den Fisch sicher aus.

Mit einem Prachtwaller im Boot kehrten sie zurück und ich staunte nicht schlecht, war es doch bis dato unser grösster Waller. Nach ausgiebigem Foto-shooting gaben wir ihm seine Freiheit wieder.

Mittlerweile waren auch die Schuppenkarpfen aktiv und nach mehreren Abzügen meldete sich erneut Martins Wallerrute zu Wort. Ein vehementer Biß, das High Pod vibrierte und schnell setzte Martin den Anschlag. In einer Flucht riss der Fisch mit einer unbändigen Kraft 45m Schnur von der Bremse.

Die Rute bis ins Handteil gekrümmt, stemmte er sich mit Bravour gegen diese enorme Power. Nach 40 Minuten kam der Fisch in Ufernähe und der Drill neigte sich dem Ende. Martin toppte an diesem Tag gleich zweimal seinen Personal Best.

Die Tage verflogen und jeder Tag war eine neue Herausforderung. Wir wechselten 2-täglich die Stellen, um uns vom Ebro ein objektives Bild machen zu können und neue Eindrücke zu sammeln.

Besonderes Interesse galt es, dem am Ebro schwankenden Wasserstand zu beachten. Binnen 2 Stunden soffen wir fast ab und die Pods sanken immer tiefer. Doch wirkte sich das steigende Wasser recht positiv auf die Beißlaune der Fische aus.

An diesem Tag konnten wir nicht nur recht viele schöne Karpfen fangen, auch Herr Wels verliess sein Loch und Andre konnte einen weiteren wahren Giganten überlisten.

Keine weiteren Fragen hatten wir, als wir die vielen internationalen „Hunter“ an der Promenade fischen sahen.

In Reih und Glied sassen sie artig nebeneinander und liessen sich von sogenannten Fish-Guides die Ruten rausbringen. Jeder wie er es mag, doch unser Verständnis vom Angeln sieht anders aus.

Unser Einsatz wurde dann auch täglich belohnt. An allen Stellen konnten wir gute Fische fangen und hatten abseits der überfischten Touristen Plätze unsere Ruheoase.

Wir hatten eine schöne und erfolgreiche Zeit am Ebro und fuhren alle 3 sehr zufrieden nach Hause.

Der persönliche Einsatz eines jeden trug wesentlich zum Erfolg bei. Es ist kein Zuckerschlecken am Ebro, doch sind die gefangenen Fische verdienter Lohn harter Arbeit. Mit Sicherheit werden wir an dieser Stelle von weiteren Trips aus dem Land der Giganten berichten.

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