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Rio Ebro

Sternschnuppen, Sternstunden & der Schatz am Ende des Regenbogens

Am Ende des Regenbogens liegt ein Schatz für uns, nur bergen müssen wir ihn. 1800 km liegen hinter uns und wir haben das Ende erreicht, besser gesagt die Enden, nämlich 2.Stundenlanges Kilometerfressen auf leeren Autobahnen, durch 4 Länder Europas, liegen hinter uns.

Es regnet, doch die Sonne mit ihrer Kraft durchbricht das Wolkenfeld und lächelt uns entgegen. Alles wie gehabt, die üblichen Verdächtigen befischen nach wie vor ihre Ganzjahresstellen, alles zum Wohle ihrer Kunden, damit auch der durchschnittliche Forellenteichangler, für teuer Geld, einmal in seinem Leben einen Wels von stattlicher Grösse fängt!

Allen voran die Angler aus dem Mutterland des Fussballs (oder auch des Angelns?). Sie sind ausser einer weniger anderer (die aber auch!) dazu imstande, viel Profit aus den Wünschen der Angler zu schlagen.

Die Kommerzialisierung ist nicht aufzuhalten, Money, Cash und Profit dominieren mittlerweile auch die Hobby-Fischerei. Doch ist es nicht auch mittlerweile bei uns ein Dilemma, wenn Angler “Pressemitteilungen” nach dem Fang eines Fisches(?!) herausgeben und dieser dann selbstverständlich mit Ködern der Marke X, Vorfächern von Y und Ruten natürlich von W überlistet und besiegt wurde?!

Natürlich waren das dann die entscheidenden Faktoren, lassen sie sich doch auch entsprechend vermarkten. Nein, die Zeit, die wir am Wasser verbracht haben, das Quäntchen Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein und natürlich auch die Präsentation des Köders spielten eine eher untergeordnete Rolle. Den Seitenhieb auf die anderen, die ja sowieso alles falsch machen und eigentlich nur doof und neidisch sind, dürfen wir uns natürlich auch nicht verkneifen....Prost Mahlzeit und gute Nacht!

Wir fanden eine geeignete Stelle, sofort tiefes Wasser und gegenüberliegend seicht ansteigend. Das Wasser hatte sich schon deutlich abgekühlt, um 18 Uhr verschwand die Sonne, stockdustere Nacht und wir mittendrin.

Einen schönen Schuppmann überredeten wir bereits zum Landgang, doch bis Mitternacht blieben unsere Pieper stumm. Der 2. Tag brach an und am frühen Morgen konnte Kai einen weiteren Schuppenkarpfen landen. Die Sonne schien und bei Temperaturen bis 25 ° liessen wir die Seele baumeln. Es war ruhig, verdächtig ruhig. Keine Aktionen an den Ruten, nur Fliegen, überall Fliegen, dazu Krautfelder, die den Fluss hinunterströmten....

Wir packten ein und suchten uns eine neue Stelle, doch auch diese blieb bis zum frühen Abend unproduktiv. Sternschnuppen, ein wahrer Hagel an Sternschnuppen! Bei jeder einzelnen ein Wunsch frei! Möge doch nur einer in Erfüllung gehen! Ein vehementer Biss auf Kai`s Wallerrute beendete unsere Lethargie. Die Rute krumm bis zum Anschlag, wütete am Ende der Schnur ein Waller. Er riss die Schnur von der Rolle und schwamm stromab. Immer wieder schwanden die mühsam abgerungenen Meter wieder von der Rolle. Nach über 20 Minuten erreichte der Fisch ufernähe und langsam schien sich das Blatt zu wenden.

Der Wels tauchte auf, Kai dirigierte ihn geschickt ans Ufer und ich setzte zum Wallergriff an. Puh, das war Schwerstarbeit. Wir leinten ihn an, mittlerweile war es 23 Uhr, Ruten raus und nur noch schlafen.

Am Morgen offenbarten sich unsere “schlimmsten” Befürchtungen. Was für ein Gigant! Wir wogen und vermassen den Fisch, schnell das ganze multimediale Equipment zur Hand und dann schenkten wir dem Wels seine Freiheit zurück. Er verabschiedete sich mit einem Flossenschlag in die Tiefe.
 

Sichtlich berührt, fiel es uns schwer, zur Tagesordnung über zu gehen. Für Kai hatten sich bereits alle Strapazen und Mühen gelohnt. Er hatte sein Goldstück am Ende des Regenbogens geborgen!

Die Fische, so schien es, hatten das grosse Fressen bereits hinter sich. Wir vermissten das nächtliche Schmatzen und Ballern im trüben Wasser. Die Welse waren aktiv, gelegentlich konnten wir einen fangen, doch unsere grosse Liebe, die Karpfen, hielten sich deutlich zurück.

Immer noch das Ergebnis vom Frühjahr vor Augen, mit tollen und vor allem zahlreichen Fischen, zweifelten wir an allem. Wir bastelten die tollsten Rigs, probierten es in unterschiedlichsten Tiefen aus und zogen so ziemlich alle Register, doch das Ergebnis war zermürbend.

Die Karpfenbisse blieben aus und so konzentrierten wir uns auf die Waller, was blieb uns anderes übrig?!

Es gibt schlechtere Alternativen :-)

In den frühen Abendstunden schienen die Waller richtig aktiv zu sein. So war es kurz nach sieben, als dieser mächtige Dauerton durch die Dunkelheit hallte. Direkt nach dem Anschlag wieder diese unbändige Kraft & Masse am Ende der Schnur! Oh Mann, was hat dieser Fluss Potenzial an gigantischen Fischen? Einer davon zog definitiv in irrsinnigen Fluchten gerade Schnur von meiner Rolle.... Ein Drill, in dem ein Fisch dem Angler alles abverlangt und dem Tackle ebenso!

Sobald der Fisch ufernähe erreicht, spürt man jedes Gramm Masse! Blasen steigen im Kegel der Kopflampe auf, nun gilt es nur noch fürchterlich pumpen, um den Wels vom Grund zu bewegen. Er taucht auf, irre, unglaublich, noch einmal mobilisiert er seine Kraft-Masse-Reserven und flieht, doch lange kann es nicht mehr dauern... Mühsam bekomme ich die Schnur wieder auf die Rolle und nun ist es soweit, Kai setzt zum Wallergriff an und hat ihn sicher. Ein unglaublicher Fisch, den Kai handzahm in seinen Händen hält...

Stockdustere Nacht, wir leinen den Fisch an und sind gespannt auf den Morgen, wenn wir den Riesenwels wiegen, messen und fotografieren.

Ist mein Wunsch in Erfüllung gegangen, frage ich mich? Wenigstens einer? Ich denke ja, doch bis zum Morgen muss ich mich gedulden.

Spanische Angelkollegen helfen uns, den Wels zu wiegen, ich trau meinen Augen nicht, unser 2. Fisch deutlich über der 90 kg Marke. Nur noch messen, Fotos, filmen und nun zurück mit ihm, ins trübe Wasser, sein Reich!

Nun hatte auch ich mein Goldstück geborgen, am Ende des 2. Regenbogens. Ein Wunsch, doppelt abgesichert durch den Hagel der Sternschnuppen ist in Erfüllung gegangen. Ein weiterer ist das Ziel für die Zukunft!


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